Erstellt am 10. September 2015, 07:12

von Martin Gruber-Dorninger

„Wir können nur vier Stunden schlafen“. Anrainer an Bahnhof Unterkritzendorf sind leidgeplagt: Sicherheitsdurchsage macht die Nacht zur Qual. ÖBB will prüfen.

 |  NOEN, Shutterstock/lsantilli
Die Worte „Vorsicht Zug fährt ab, Türen schließen“ rauben Anrainern im Bereich des Bahnhofs Unterkritzendorf seit Monaten den Schlaf. Seit Mai schallen diese Worte täglich durch die Lautsprecheranlagen, wenn auch immer ein Zug den Bahnhof verlässt.

„Der letzte Zug fährt um 0.30 Uhr, der erste um 4.30 Uhr. Uns bleiben eigentlich nur vier Stunden ungestörter Schlaf“, wendet sich Christian Jochum verzweifelt an die NÖN. Davor war der Zuglärm nicht ein allzugroßes Problem. „An das Geräusch des anrollenden Zuges gewöhnt man sich. Doch das Wort ,Achtung‘ in dieser Lautstärke lässt uns alle hochschrecken“, so Jochum.

Kontakt bereits aufgenommen

Er habe bereits Kontakt mit der ÖBB und dem Verkehrsministerium aufgenommen. Dort wurde ihm mitgeteilt, dass diese Ansagen aufgrund eines Vorfalls notwendig wurden. Seither macht die Familie Jochum sowie Anrainer von zwei weiteren benachbarten Häusern kaum ein Auge zu. In seiner Verzweiflung hat Jochum auch nach alternativen Lösungen gesucht: „Es gäbe auch die Möglichkeit, diese Sicherheits-Ansage durch eine technische Verbesserung der Zuggarnituren zu ersetzen.“

„Es gebe auch die Möglichkeit diese 
Sicherheits-Ansage durch eine technische
Verbesserung der Zuggarnituren zu ersetzen.“
Christian Jochum, Anrainer

Sogenannte Kantenfühler würden das Schließen der Türen erst zulassen, wenn sich kein Zuggast mehr in der Nähe des Einstiegs befinden würde, sowohl außerhalb als auch innerhalb des Zuges. „Derzeit sind die Waggons der S-Bahngarnituren 4020 lediglich mit Lichtschranken im Zuginneren ausgestattet. Für außen gibt es noch keine Sicherung. Daher sind diese lauten Durchsagen nötig“, erklärt Christian Jochum. Er habe sich schon bei einigen Sachverständigen erkundigt und versucht, das Problem selbst in die Hand zu nehmen.
Seitens der ÖBB ist Pressesprecher Christopher Seif über dieses Problem noch nicht informiert worden. „Wir werden prüfen, ob sich die Lautstärke reduzieren lässt“, verspricht der Pressesprecher.

Schnelles Handeln dringend notwendig

Diese Ohnmacht gegenüber den Warnsignalen macht Jochum „doppelt grantig“. Vor allem während der heißen Sommertage mussten die Fenster während der Nacht geschlossen bleiben, ansonsten wäre überhaupt nicht an Schlaf zu denken gewesen. Er hofft nun auf Einsicht bei der ÖBB und dass der Sachverständige eine technische Aufrüstung der Zuggarnituren vorschlägt. In der Zwischenzeit heißt es weiterhin: „Vorsicht Zug fährt ab, Türen schließen“.