Erstellt am 29. September 2015, 16:32

von Martin Gruber-Dorninger

Zeigefinger sorgen für Zorn bei der FPÖ. Bild von „Klosterneuburg hilft“ erregt die Gemüter bei Josef Pitschko. Politikwissenschafter Schmidinger erklärt Symbolik.

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Das Bild von HC Strache, der als Jungpolitiker drei Finger in die Kamera streckte, erhitzte vor einigen Jahren die Gemüter. Es handelte sich dabei nicht um den Kühnengruß, er wollte nur drei Bier bestellen, hieß es. Dies scheint dem Klosterneuburger FPÖ-Stadtrat Josef Pitschko in Erinnerung geblieben zu sein. In einer Aussendung kritisiert er ein Bild, das im Amtsblatt abgedruckt wurde. Einige Flüchtlingskinder sollen darauf demonstrativ den rechten Zeigefinger in die Höhe gestreckt haben – eine Symbolik der Islamisten und Salafisten, wie die Stadt-FPÖ meint.

Josef Pitschko zeigt sich empört: „Die Initiative ,Klosterneuburg hilft’ wird von der Caritas, dem Essl Museum, den Pfadfindern und einigen Pfarren unterstützt. Außerdem zeigt sich Pitschko erschüttert „wegen der offensichtlichen Naivität dieser Gutmenschen und der unkritischen Veröffentlichung der Salafistensymbolik im mit Steuergeld finanzierten Amtsblatt.“

Die NÖN zeigte das Bild einem neutralen Politikwissenschafter, Thomas Schmidinger, Lektor an der Universität Wien und Experte in Fragen zum Nahen Osten und in der Prävention für Daschihadismus: „Das Bild zeigt mehrere Menschen in einer offensichtlich freudigen Pose. Ob das wirklich bewusst gemacht wurde, lässt sich so nicht sagen“, erklärt Schmidinger. Das Symbol werde aber derzeit als solches von Islamisten und Dschihadisten entfremdet.

Eigentliches Symbol von Extremisten entfremdet

„Ich bin Vorarlberger, bei uns daheim wird manchmal noch mit ,Heil’ gegrüßt. Dies klingt durch den Gebrauch des Wortes durch die Nazis für den Hitlergruß seltsam. War aber schon lange davor in Vorarlberg gebräuchlich, ohne damit etwas Böses gemeint zu haben“, führt Schmidinger weiter aus.

Über das Symbol des gestreckten Zeigefingers auf der rechten Hand sagt Schmidinger: „Das ist ein Bekenntnis des Islam zum Monotheismus. Es bedeutet Tawhid, also der Glaube an die Einheit Gottes. Dass das Zeichen auch von Jihadisten verwendet wird, heißt nicht, dass alle, die an die Einheit Gottes glauben, Jihadisten sind.“

Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager entgegnet der blauen Kritik nicht ganz ohne Sarkasmus: „Grundsätzlich wird die Stadtgemeinde derartige Bilder künftig vor dem Abdruck mit besonderem
Augenmerk kontrollieren und das BMI über diesen Verdacht informieren.“

Die Jugendlichen übten laut Schmuckenschlager Judo aus. „Die glücklichen Kinder signalisieren eine freudige und keinesfalls feindliche Stimmung“, so Schmuckenschlager weiter. „Vertreter der Pitschko-Partei wurden schon selbst wegen scheinbarer Fehlinterpretationen von haptischen Getränkebestellungen ins falsche Licht gerückt“, kontert Schmuckenschlager.

Sabine Gösker von „Klosterneuburg hilft“ versteht die Aufregung nicht und betont: „Keine der im Text genannten Gruppierungen unterstützt Islamisten, weder direkt noch indirekt.“