Erstellt am 25. Mai 2016, 05:44

von Christoph Hornstein

Zwei Drittel wollten Van der Bellen. War auch die Wahl denkbar knapp: Zwei Drittel der Klosterneuburger haben Van der Bellen gewählt. Grüne: "Kein klassicher Grün-Sieg."

Alexander Van der Bellen  |  NOEN, APA

Nach einem nervenzerreißenden Wahlsonntag musste ganz Österreich noch einen Tag auf das Ergebnis warten. Jetzt steht der neue Bundespräsident allerdings fest: Es ist der von den Grünen unterstützte Alexander Van der Bellen. Ein hauchdünner Sieg. Nur 0,6 Prozentpunkte trennen die Kontrahenten.

Die knappeste Wahlentscheidungen in der Geschichte der Zweiten Republik hat nun doch seinen Sieger. Da der Wahlsonntag mit einem noch nie da gewesenem Unentschieden endete, mussten die Wahlkarten entscheiden. Am Montag, um etwa 17 Uhr stand dann allerdings der Sieger fest. 31.000 Wähler entschieden.

64 Prozent: Kantersieg für Van der Bellen

Man könnte fast meinen, Klosterneuburg hätte einen wesentlichen Teil zum Sieg von Van der Bellen beigetragen, denn 64,4 Prozent (ohne Wahlkarten-Wähler) entschieden sich gegen Norbert Hofer. Niederösterreichweit wird die Zustimmung für Van der Bellen nur durch vier Gemeinden getoppt.

„Die Wahl war mehr gegen einen Kandidaten, als für den anderen“, so Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager in einer ersten Stellungnahme. Ein Kandidat des Ausgleichs hätte leider gefehlt. Diesen Vorwurf müssten sich auch die Großparteien gefallen lassen. In Niederösterreich zeige das deutliche Stadt/Land Gefälle die „Notwendigkeit einer ausgewogenen Politik“, so Schmuckenschlager.

SP-Stadtrat Stefan Mann, der Van der Bellen unterstützt hat, ist froh und erleichtert über dessen Wahlsieg. „Er ist Garant dafür, das Menschlichkeit weiter einen hohen Stellenwert hat. Alle Nichtwähler sollten aus dieser Wahl die Lehre ziehen, dass es um jede Stimme geht.“ Bei dieser Bundespräsidentenwahl sei offensichtlich geworden, dass die Gegensätze in der Gesellschaft immer größer werden. Mann: „Wir befinden uns in einem Umbruch des politischen Systems. Gerade in so einer Zeit bin ich überzeugt, dass Werte wie Solidarität wieder einen großen Stellenwert haben müssen.“

Aus dem Lager der Verlierer meldet sich FP-Stadtrat Josef Pitschko zu Wort: „Hofer hat einen hervorragenden Wahlkampf geführt. So gesehen ist es eine knappe Niederlage, aber doch auch ein Sieg. Der erste Sieg hin zur Änderung des politischen Establishments.“

Kein klassicher grüner Wahlerfolg

Wer glaubt, bei den Klosterneuburger Grünen würden, durch den Sieg von Van der Bellen, jetzt die Sektkorken knallen, irrt. Lediglich zurückhaltende Freude ist für den Beobachter zu bemerken. „Wir sind natürlich sehr froh, über das Wahlergebnis, insbesondere über das Klosterneuburger Ergebnis, das eines der besten in Niederösterreich ist“, so der Grüne Fraktionschef Sepp Wimmer. Er ist aber überzeugt, dass seine Grüne Mannschaft zum Sieg beigetragen hat. Wimmer: „Wir wissen, dass Van der Bellen ein hervorragender Bundespräsident für alle Österreicher sein wird, und dass wir mit unserem Engagement und unsere überparteilichen Aktion etwas dazu beitragen konnten.“ Das sei aber kein Grüner Wahlerfolg im klassischen Sinn, weil natürlich viele Van der Bellen gewählt haben, die sonst nicht die Grünen wählen. „Nichtsdestotrotz werden wir Grünen uns verstärkt um diese Wähler bemühen“, schließt Wimmer.

„Die Wahl war mehr gegen einen Kandidaten, als für den anderen.“ Bürgermeister Stefan Schmuckenschlager

Auch die „Plattform Unser Klosterneuburg“ hat sich öffentlich zu Van der Bellen bekannt. Sprecherin und Gemeinderätin Teresa Arrieta: „Wir freuen uns als PUK sehr über den Sieg von Van der Bellen, weil wir ihn aktiv unterstützt haben, besonders aber über das Klosterneuburger Ergebnis.“ Das zeige nämlich, dass die Klosterneuburger für eine aufgeschlossene, liberale Grundhaltung, die die Menschen in ihrer Vielfalt einbeziehen, stehen.

„Van der Bellen ist der ideale Bundespräsident, weil er es versteht, nach der Polarisierung die Lager wieder zu vereinen“, glaubt Arrieta.

Auch die NEOS haben den Kandidaten, den sie in der Phase des Duells wollten. „Ich bin froh, dass es so ausgegangen ist und die NEOS auch, denn wir haben von Anfang an gesagt entweder Griss oder Van der Bellen soll es werden“, resümiert Walter Wirl.

„Van der Bellen traut sich sogar, Gedanken in Richtung ‚Vereinigte Staaten von Europa‘ zu artikulieren.“ Walter Wirl, NEOS

Als EU-Gemeinderat ist er auch dankbar, dass „der Kandidat gewonnen hat, der für die Europäische Union eintritt. Van der Bellen traut sich sogar, Gedanken in Richtung ‚Vereinigte Staaten von Europa‘ zu artikulieren.“ Die Gefahr bestünde jetzt, dass das „Weiterwurschteln der SPÖ und ÖVP weitergeht“, so Wirl von den NEOS.

Gemeinderat Peter Hofbauer von der Liste Hofbauer hatte auch seinen favorisierten Kandidaten für das Amt: „Ich bin davon überzeugt, dass Van der Bellen sein Amt im Sinne seines Vorgängers ausüben wird. Er wird es schaffen, die gerade im Ausland aufgebrochenen Gräben wieder zuzuschütten.“ Er sei der Mann, der Österreich im Ausland besser vertreten können wird.