Erstellt am 16. März 2016, 05:04

von Markus Glück

Alle 151 Flüchtlinge sind jetzt eingezogen. Mit dem Einzug von 19 Personen vergangenen Freitag ist das alte Stockerauer Bezirksgericht nun vollständig belegt.

Bei einem NÖN-Lokalaugenschein führten SLC-Europe-Geschäftsführer Christian Kogler und Kathi Hlozkova durch das alte Bezirksgericht.  |  NOEN, Glück

Seit vergangenen Freitag befindet sich das alte Stockerauer Bezirksgericht mit insgesamt 151 Flüchtlingen in der Vollbelegung. Die mit Abstand größte Nationengruppen stellen dabei Schutzsuchende aus Afghanistan dar, gefolgt von Syrern und Irakern, und auch drei Algerier befinden sich unter den Bewohnern.

„Bis auf ein paar kleine zwischenmenschliche Streitereien gab es keine Zwischenfälle“, zeigt sich Christian Kogler, Geschäftsführer von SLC-Europe, der Betreiberfirma, die niederösterreichweit rund 2.000 Asylwerber betreut, erleichtert: „Der einzige Vorfall ereignete sich in der ersten Nacht, als es zu einer Eifersuchtsszene kam.“

„Es wird ein paar Wochen dauern, bis sich das 
Zusammenleben zwischen Stockerauern und 
Flüchtlingen eingespielt hat.“
Christian Kogler, SLC

Der Geschädigte, dem von einem Asylwerber die Scheibe seines Autos zerstört wurde, hat dem Täter in der Zwischenzeit verziehen. „Der Betroffene half uns zuletzt, eine Schwangere mehrmals ins Landesklinikum Korneuburg zu führen“, so Kogler.

Der Tagesablauf der Asylwerber startet damit, die Kinder in die Schule oder den Kindergarten zu bringen. „In der Grundversorgung sind die Menschen zur Selbstständigkeit verpflichtet. Sie regeln das Einkaufen und das Kochen. Der Rest erfolgt über die Zivilgesellschaft“, erzählt die Weinviertel-Verantwortliche von SLC-Europe, Kathi Hlozkova. Und Kogler ergänzt: „Das Netzwerk in Stockerau funktioniert sehr gut. Daneben kommen regelmäßig rund zehn Freiwillige, um vor Ort zu helfen.“

Kinder spielten auf der Straße

Für Aufregung sorgte zuletzt auch die Tatsache, dass die Kinder immer wieder die Straße vor dem Bezirksgericht zum Spielen nutzten. „Wir werden den Haupteingang als Nebeneingang führen, damit die Personen nicht mehr direkt auf die Straße hinausgehen“, hat Hlozkova bereits eine Lösung parat, „daneben wollen Ehrenamtliche den Eltern verschiedene Spielplätze in der Stadt zeigen.“

Gemeinsam mit der evangelischen Kirche wird auch eine Nachmittagsbetreuung im Bezirksgericht organisiert, bei der Eltern der Kinder die Aufsicht übernehmen sollen. „Es sind oft Kleinigkeiten, die die Menschen ärgern. Es wird ein paar Wochen dauern, bis sich das Zusammenleben zwischen Stockerauern und Flüchtlingen eingespielt hat“, zeigt Kogler Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung. Dazu hat es auch bereits Gespräche mit den unmittelbaren Nachbarn gegeben.

Tauchen Probleme auf, kann man mit der Betreiberfirma 24 Stunden täglich unter 0664/ 88241429 Kontakt aufnehmen.