Erstellt am 17. Februar 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

Bahn-Projekt vorerst auf Eis gelegt. Land NÖ hat entschieden: Pendlerverkehr von Korneuburg nach Ernstbrunn ist vorläufig kein Thema mehr.

Züge, die Pendler von Korneuburg nach Ernstbrunn bringen, wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Das Land NÖ hat angekündigt, das Projekt Regiobahn für die nächsten zwei bis drei Jahre auf Eis zu legen.  |  NOEN, Regiobahn

Seit Jahren wartete die Region auf eine Entscheidung, ob das Projekt Regiobahn eine Chance auf Umsetzung hat. Nach unzähligen Gesprächen und Studien steht nun fest: In den nächsten zwei drei Jahren ist die Wie-
deraufnahme des Pendlerverkehrs zwischen Korneuburg und Ernstbrunn kein Thema mehr.

„Wir haben das wirklich reiflich überlegt“, rechtfertigt Kleinregionsobmann LAbg. Hermann Haller den Entschluss, der nach einer abschließenden Studie gefallen ist. Zwei wesentliche Kriterien seien ausschlaggebend gewesen, warum die Regiobahn zumindest in den nächsten Jahren kein Thema mehr sein wird:

Haller: "Bevölkerungsdichte ist für Bahn zu gering"

„Die Bevölkerungsdichte ist für die Bahn zu gering und die Bahnhöfe liegen nicht direkt in den Ortschaften“, argumentiert Haller. Für die Fahrt zum Bahnhof sei folglich das Auto nötig. „Das ist etwas Anderes als in einer Stadt, wo ich mit dem Rad fahren kann“, gibt er zu denken. Die Befürchtung, dass die Pendler dann gleich die nächste große Park&Ride-Anlage anvisieren, sei groß.

Eine Realisierung des Projekts hätte nur bei einem Halbstunden-Takt und einer direkten Fahrt nach Wien Sinn gemacht. „Da hätte der Betrieb bei 1.000 Fahrgästen täglich aber pro Jahr vier bis viereinhalb Millionen Euro gekostet“, rechnet Haller vor, dass nicht die Investitionskosten, sondern der Betrieb die finanzielle Hürde sei.

Für den Ernstbrunner FPÖ-Gemeinderat Johann Narrenhofer, der seit Jahren um das Projekt kämpft, sind die Argumente Ausreden. Die Entscheidung sei schade für die Entwicklung der Region, „jedes Jahr, das wir länger warten, ist ein verlorenes.“ Narrenhofer hofft, „dass sich auch im Land NÖ die Dinge ändern werden. Wir lassen uns nicht entmutigen, nur weil jetzt einer Nein sagt. Wenn jemand glaubt, wir werfen die Flinte ins Korn, täuscht er sich. Wir geben nicht auf.“

„Wir lassen uns nicht entmutigen, nur weil
einer Nein sagt. Wenn jemand glaubt, 
wir werfen die Flinte ins Korn, täuscht er sich.“
Johann Narrenhofer

Auch für Verkehrsexperte Markus Gerhartinger aus Korneuburg war die Entscheidung absehbar. „Leider wird in Niederösterreich in diesem Bereich sehr viel auf das Auto gesetzt“, bedauert er und erinnert an die Klimaziele, die bei der Klimakonferenz definiert wurden.

Gerhartinger fürchtet, dass den Bezirk das gleiche Schicksal ereilt wie die südlich von Wien gelegenen Landesteile. „Die Gegend rund um Purkersdorf wurde zubetoniert. Ich befürchte, dass es auch bei uns in diese Richtung geht.“ Bestes Indiz sei für ihn, dass die B6-Umfahrung gebaut wird, während man die Regiobahn auf Eis legt. „Ein bezeichnendes Beispiel“, wie der Verkehrsexperte findet, „ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist.“

Auch wenn beim Thema Regiobahn für die nächsten Jahre die Stopp-Taste gedrückt wurde, ganz ad acta legen will auch Haller das Projekt nicht. Für die Landesausstellung im Jahr 2021, für die sich der Bezirk mit dem Thema Mobilität bewerben will, möchte er das Thema im Auge behalten.