Erstellt am 23. April 2016, 05:04

von Michaela Höberth

Bauprojekt scheidet Geister: „Misst mit zweierlei Maß“. Bürgerlisten-Initiator Werner Zodl will Reihenhäuser bauen. Alfred Janak stört sich an dem Verkehr, den die Anlage für die Bahnstraße mit sich bringt.

Alfred Janak macht klar: »Sobald das Fahrverbot wegkommt, trete ich als Gemeinderat zurück.« Er geht mit Werner Zodl für dessen Bauprojekt am Grund des ehemaligen Arzthauses hart ins Gericht.  |  NOEN, Höberth
„Das ist Doppelmoral“, findet SP-Gemeinderat Alfred Janak. Er möchte nicht als Parteifunktionär, sondern als Bewohner der Bahnstraße sprechen. Der Stein seines Anstoßes:

Auf dem Grund des ehemaligen Arzthauses plant Werner Zodl, Baumeister und Mitbegründer der Bürgerliste Sierndorf, sechs Reihenhäuser zu errichten. Knackpunkt ist hier jedoch die Verkehrslage: Derzeit führt nur ein Geh- und Radweg an dem Grund vorbei, für Pkw herrscht Fahrverbot. Sollten hier bald Familien einziehen, wird eine Verbreiterung der Straße nötig werden.

„Der Baubescheid geht heute raus.
Durch die Verkehrslösung hat es länger gedauert.“
Gottfried Muck, VP-Bürgermeister

„Wir in der Bahnstraße haben ohnehin schon viel Verkehr zu ertragen. Bei sechs Familien lassen sich bis zu zwölf weitere Autos rechnen, die die Situation noch zusätzlich belasten“, so Janak. Er hat an zwei Tagen eine Verkehrszählung durchgeführt und legt konkrete Zahlen vor:

An einem Sonntag zählte er zwischen 7 und 19 Uhr 462 Pkw und 44 Motorräder, vorletzten Montag waren 478 Pkw, 39 Lkw, 31 Traktoren und 17 Motorräder unterwegs. Janak kann dem Vorhaben Zodls daher nichts abgewinnen.

Muck: "Verkehr über Wiener Straße führen"

„Auch wenn die Wohnprojekte in der Bachgasse damals eine größere Dimension hatten, wurde die Bürgerliste doch genau aus Protest gegen den Anrainerverkehr gegründet. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“, geht Janak mit Zodl hart ins Gericht. VP-Bürgermeister Gottfried Muck betont, dass ihm in der Sache die Hände gebunden sind: „Vom Baurecht her sind alle Voraussetzungen erfüllt“, erklärt er.

Er bringt den Vorschlag ein, den Verkehr zu den Wohnanlagen über die Wiener Straße zu führen: „In der Bahnstraße stehen vor allem in der Erntezeit Kolonnen an Traktoren, außerdem müsste für eine Straßenverbreiterung ein Baum im Park gefällt werden.

Und der Straßenmeisterei ist es egal, wo umgebaut wird“, ist er zuversichtlich. Die Kosten für die neue Zufahrt liegen jedoch bei der Gemeinde und damit bei den Bürgern: Der Unterbau der Straße kostet laut Muck rund 7.000 Euro, eine Asphaltschicht wird erst nach Ende der Bauarbeiten aufgezogen werden. „Aber wir haben eine Möglichkeit gefunden, bei der wir nur noch die Materialkosten tragen müssen“, so der Gemeindechef.

Janak: "Sobald Fahrverbot wegkommt, trete ich zurück"

Janak stellt das nicht zufrieden: „Warum sollen die Bürger für die Straßenarbeiten zahlen, die durch ein privates Bauvorhaben nötig werden?“, will er wissen. Für ihn ist klar: „Sobald das Fahrverbot wegkommt, trete ich als Gemeinderat zurück.“

Derweilen tut sich in dieser Sache ein weiterer Krisenherd auf: Obwohl die Bauverhandlung bereits Mitte Februar stattgefunden hat, hat Werner Zodl bis vergangenen Montag noch keinen Baubescheid von der Gemeinde erhalten. Die Frist war mit 15. April verstrichen, genau drei Monate nach der Baueinreichung im Jänner. Zodl sieht die Vorgehensweise als Provokation: „Daher werde ich zu dieser Sache keinerlei Aussagen tätigen“, lässt er wissen.

Muck will sich keine absichtliche Verzögerung nachsagen lassen: „Durch die Verkehrslösung hat es länger gedauert, aber der Bescheid geht heute raus“, kommentierte er am Montag.