Korneuburg

Erstellt am 22. September 2016, 05:53

von Veronika Löwenstein

Kriminalität ist um ein Viertel gestiegen. Fahrraddiebstähle sind Schuld an dem Anstieg, sagt die Polizei.Massendelikte wie Sachbeschädigungen oder

Vor allem die Fahrraddiebstähle sind im ersten Halbjahr im Bezirk Korneuburg gestiegen.  |  NOEN, Shutterstock/Rainer Fuhrmann

Die Zahl der Straftaten im Bezirk ist im ersten Halbjahr um 24,1 Prozent gestiegen. Gab es in der Zeit von Jänner bis Juni 2015 1.343 Delikte, so waren es im gleichen Zeitraum des heurigen Jahres 1.666 Fälle. Das geht aus einer parlamentarischen Anfragebeantwortung von Innenminister Wolfgang Sobotka hervor. FP-NRAbg. Walter Rosenkranz hatte vom Minister die „Gesamtkriminalität im ersten Halbjahr 2016“ erfragt.

„Wir haben die Entwicklung schon im ausgehenden Frühjahr bemerkt und darauf reagiert“, betont der stellvertretende Bezirkspolizeikommandant Andreas Thenner. Es seien vor allem „Massendelikte“ wie Fahrraddiebstähle, Sachbeschädigungen und Ladendiebstähle, die die Zahlen in der Statistik in die Höhe treiben. „Bei den Einbrüchen liegen wir nicht schlechter als im Vorjahr“, so der Polizist. Vor allem Raddiebstähle aus Kellerabteilen halten die Polizei auf Trab. „Fahrräder sind leicht zu verkaufen und oft nicht gespeichert“, erklärt Thenner die Sicht der Kriminellen. Er rät daher, vorsorglich die Nummer seines Fahrrades zu notieren und die Unterlagen zu kopieren.

Die Statistik-Daten wurden auch in den sozialen Netzwerken diskutiert. Dort wurde sofort ein Zusammenhang mit der Flüchtlingsbewegung hergestellt. „Diesen Zusammenhang sehe ich nicht“, stellt Thenner klar, „das sind nicht die Flüchtlinge.“ Gerade im Bezirk hatte man bei etlichen Delikten – wie zum Beispiel bei Sachbeschädigung – im letzten Jahr einen enormen Rückgang zu verzeichnen. Dieser mache sich jetzt mit einem dicken Plus bemerkbar, „dabei sind wir am gleichen Niveau wie vor zwei Jahren“, gibt er zu denken.

„Die Menschen sind sensibler geworden. Dinge, die man früher auch gesehen hat, werden heute anders bewertet.“

Andreas Thenner, Polizei

Die Straftaten gegen Leib und Leben sind von 184 auf 223 Delikte gestiegen. In diese Kategorien fallen aber nicht nur die klassischen Gewaltdelikte, wie der stellvertretende Polizeichef erklärt: „Da ist jeder Kratzer bei einem Verkehrsunfall dabei und auch jeder Freizeitunfall, bei dem ein Zweiter schuld sein kann.“ Bei den Sexualdelikten erinnert Thenner an den älteren Exhibitionisten, der sich in Korneuburg entblößt hat, oder an jenen Mann, der vor einer Spaziergängerin in der Stockerauer Au seine Hose geöffnet hat.

„Da reichen ein paar Vorfälle, und die Statistik steigt“, rückt Thenner die Zahlen ins rechte Licht. Grundsätzlich bemerke man bei der Polizei auch ein geändertes Anzeigeverhalten. „Die Menschen sind sensibler geworden. Dinge, die man früher auch gesehen hat, werden heute anders bewertet“, gibt er zu denken. Jedenfalls habe man schon im Frühjahr mit vermehrter Streifentätigkeit auf die Entwicklung reagiert. Die Erfolge sollten sich in der Statistik des zweiten Halbjahres bemerkbar machen.

Innenminister Sobotka betont in seiner Anfragebeantwortung, dass es sich um Rohdaten handle, die noch nicht überprüft oder einer Qualitätskontrolle unterzogen werden konnten. „Aussagen über die Sicherheitslage und die Kriminalitätsbelastung aus quartalsmäßigen und halbjährlichen Zahlenwerten sind nicht möglich, weil daraus gezogene Schlüsse einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten“, so Sobotka in seinem Statement.

Zum Thema

Kriminalität im Bezirk Korneuburg von Jänner bis Juni 2016

  • Anzahl der Straftaten: 1.343 (2015), 1.666 (2016): +24,1%; Aufklärungsquote: 44,38% (2015), 45,08% (2016)
  • Anzahl der Tatverdächtigen: 670 (2015), 842 (2016)
  • Straftaten gegen Leib und Leben: 184 (2015), 223 (2016), Aufklärungsquote: 93,72% (2016)
  • Straftaten gegen fremdes Vermögen: 857 (2015), 1.135 (2016), Aufklärungsquote: 25,02%
  • Straftaten gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung: 4 (2015), 16 (2016), Aufklärungsquote: 87,5%