Erstellt am 29. Juni 2016, 05:00

von Markus Glück

„Nicht nur Rosinen picken“. EU-Abgeordnete Karin Kadenbach und WK-Vizepräsident Christian Moser über die Folgen des Brexit.

EU-Parlamentarierin Karin Kadenbach (SPÖ) will rasch Schritte für den Austritt einleiten. WK-Vizepräsident Christian Moser fürchtet massive Nachteile für die Wirtschaft.  |  Archiv

51,9 Prozent der wahlberechtigten Briten stimmten vergangene Woche für einen Ausstieg von Großbritannien aus der Europäischen Union (EU). Die Auswirkungen des Ergebnisses stürzten nicht nur die EU in eine Krise, sondern lösten auch in der Wirtschaft starke Turbulenzen aus.

"Die EU verliert einen großen Player"

Für SP-Europaabgeordnete Karin Kadenbach ist der Brexit der Briten eine Katastrophe: „Die Europäische Union verliert einen großen Player und dadurch weltweit auch an politischer Kraft.“ Die Großmuglerin betont aber auch, dass die Entscheidung des Volkes zu akzeptieren sei und die notwendigen Schritte für einen Austritt möglichst rasch eingeleitet werden müssen.

Welche genaue Bedeutung der Austritt hat, kann sie derzeit noch nicht abschätzen. „Klar ist aber, dass mit dem Austritt alle Verträge nichtig sind“, betont Kadenbach. Als Zeitdauer für den Austritt rechnet man mit rund zwei Jahren. Kadenbach: „Man muss sich das ein bisschen wie eine Scheidungsklage vorstellen.“ Nach der Scheidung der Briten von der EU wird es aber Verhandlungen über die weitere Zusammenarbeit mit Europa geben müssen.

„Mit der Entscheidung haben sich die Briten ins eigene Knie geschossen. Die Wirtschaft wird langfristig darunter leiden.“

Christian Moser, WK

„Es kann dann aber nicht sein, dass sich die Briten nur die Rosinen herauspicken“, stellt Kadenbach klar. Entsetzt zeigen sich auch Kadenbachs britische Kollegen in der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten & Demokraten. „In ersten Gesprächen konnte das Votum keiner glauben. Es stellt sich auch die Frage, wieviel Mitspracherecht die Briten noch im Rat haben werden“, so Kadenbach.

Dass weitere Länder wie etwa Frankreich den Ausstieg fordern, befürchtet Kadenbach zwar, sie warnt aber auch: „Der Zusammenhalt ist jetzt wichtig. Die Menschen sehen jetzt, was passiert, wenn ein Land tatsächlich austritt.“

"Betriebe werden langfristig leiden"

Massive Nachteile für die Wirtschaft, aber auch für die einzelnen Bürger sieht Wirtschaftskammer-Vize-Präsident Christian Moser. „Die spontanen Auswirkungen wie der Absturz der Börsenkurse und des Pfund werden sich wieder normalisieren.

Die Betriebe werden aber langfristig darunter leiden“, so der Stockerauer. Konkret denkt Moser dabei an zukünftig unterschiedliche Normen und Vorgaben von Großbritannien und der EU. Moser: „Mit der Entscheidung hat man sich ins eigene Knie geschossen. Passt man sich zukünftig weiter der EU an, kann man selbst nicht mehr mitbestimmen.“

Direkt betroffen vom Brexit sind derzeit keine Firmen im Bezirk. Allerdings gibt es einige Zulieferbetriebe zu großen Exportfirmen, die die Auswirkungen langfristig spüren könnten. Die Entscheidung der Briten werden laut dem WK-Vizepräsident aber auch die Bürger spüren: „Die Mobilität der Dienstnehmer wird schwieriger und auch Kooperationen wie das Erasmus-Programm sind schwerer umsetzbar.“

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