Erstellt am 10. Juni 2016, 05:00

von Veronika Löwenstein

Das Rad als Schritt in die Unabhängigkeit. Auch das ist Integration: Ein engagiertes Team organisierte Theoriekurse für Asylwerber. Jetzt heißt’s üben!

Bei den ersten kurzen Ausflügen ging es mit den Flüchtlingen ins Bad und in die nahe Au.  |  NOEN, privat

Der Andrang bei den Fahrradkursen war groß. Knapp 40 Korneuburger Asylwerber nahmen an dem in Farsi abgehaltenen Theoriekurs teil, der ihnen die wichtigsten Regeln der Straßenverkehrsordnung vermitteln sollte.

„Es geht auch um das Bewusstsein, wie wichtig es ist, Regeln einzuhalten. Radfahrer sind schwächer als Autofahrer“, erklärt die Grüne Stadträtin Elisabeth Kerschbaum, die die Organisation gemeinsam mit Vertretern des Roten Kreuzes und der Radlobby in die Hand genommen hatte.

„Manche haben sich über Regeln gewundert“

Die neu gewonnene Mobilität ist auch ein Schritt in Richtung Selbstständigkeit. „Die Flüchtlingsquartiere liegen doch relativ weit außerhalb der Stadt“, gibt Kerschbaum zu denken. Gerade für die Bewohner des Containerdorfs sei das Fahrrad mittlerweile zu einem wichtigen Verkehrsmittel geworden.

„Auch um Dinge wie Einkaufen damit zu erledigen“, führt die Stadträtin aus. Die Drahtesel wurden im Rahmen der Radbörse gesammelt oder stammen aus Spenden. An den Kursen teilgenommen haben Männer, Frauen und Kinder. „Darauf haben wir großen Wert gelegt“, betont sie. Ebrahim Razzazi, gebürtiger Iraner, der in Korneuburg lebt und bei der Radlobby aktiv ist, hat die Kurse abgehalten. „Es war uns wichtig, dass die Theorie in der Muttersprache vermittelt wird“, so Kerschbaum.

Nach Theorie folgt Praxis

Dem Kurs in Farsi folgte einer in arabischer Sprache. Und wie haben die Asylwerber auf die Regeln im Straßenverkehr reagiert? „Es gab Diskussionen und Nachfragen. Und manche haben sich gewundert, dass man gewisse Dinge überhaupt braucht“, schildert die Grün-Politkerin.

Nach der Theorie steht jetzt die Praxis am Programm. Geplant sind gemeinsame Ausflüge, um das Wissen in die Tat umzusetzen. Kerschbaum: „Es wäre schön, wenn sich noch ein paar Freiwillige für gemeinsame Radtouren finden würden.“