Erstellt am 10. Februar 2016, 05:03

von Veronika Löwenstein

Das Rote Kreuz fuhr 27 Mal um die Erde. 2.000 Stunden wurden alleine in die Betreuung von Flüchtlingen investiert. Jetzt wünscht man sich wieder mehr Platz.

Helmut Riemer und Angelika Weiler zogen Bilanz über das Jahr 2015.  |  NOEN, Löwenstein

Alleine für die Flüchtlingsbetreuung wurden von 80 Mitarbeitern 2.000 freiwillige Stunden geleistet. Beeindruckend ist jedes Jahr auch die Kilometerleistung der Hilfsorganisation. 1,101.568 Kilometer wurden zurückgelegt, das entspricht einer Strecke von 27 Mal rund um den Globus.

40 bis 50 Wochenstunden hat Bezirkskommandantin Angelika Weiler am Höhepunkt der Flüchtlingskrise investiert – ehrenamtlich. Möglich war das, weil sie gerade in Karenz war. Vier Flüchtlingsfamilien, insgesamt zwölf Personen, sind derzeit im Rot-Kreuz-Haus untergebracht. „Es ist nicht immer lustig und einfach“, gibt sie unumwunden zu, „aber am Ende überwiegt die positive Erfahrung.“

Neu- und Umbau doch nicht schon 2016

Das Jahr 2015 werden die Rot-Kreuz-Mitarbeiter der Bezirksstelle Korneuburg nicht so schnell vergessen. Man habe sich arrangiert, beschreibt sie die Situation. „Unsere Mitarbeiter betreten die Räumlichkeiten unserer Gäste nicht, den Kindern wieder mussten wir erklären, dass sie nicht in die Fahrzeughalle dürfen.“

Das Leben hat sich eingespielt. Die Kinder besuchen die Schule und bringen am Nachmittag Freunde mit. Die Eltern unterstützen das Rote Kreuz im Tagesbetrieb, zum Beispiel beim Waschen der Wäsche. Gemeinsam wartet man auf den Asylbescheid. Im Falle einer positiven Entscheidung will man die Afghanen, Somalier und Armenier beim Neustart in ein eigenständiges Leben unterstützen.

Dass die Asylwerber noch einen zweiten Winter in den Räumlichkeiten des Jugend-Rot-Kreuzes verbringen, will man vermeiden. Der Grund ist das Platzproblem, das schon vor dem Einzug der Gäste massiv war. „Ich habe den Mitarbeiter gesagt: Es ist eng, aber es wird noch enger“, beschreibt Weiler. Der Um- und Neubau des Rot- Kreuz-Hauses, den man eigentlich schon heuer starten wollte, verzögert sich. „Wir können nicht mehr lange zuwarten“, macht Weiler deutlich. Jetzt hofft sie, dass zumindest der Zeitplan noch heuer steht.

1.331 Notarzteinsätze im letzten Jahr

Zu 1.331 Notarzteinsätzen mussten die Retter im letzten Jahr ausrücken. Die Zahl ist seit Jahren konstant. Ab Herbst müssen sich die Mitarbeiter aber umstellen, denn dann wird die landesweite Umstellung auch im Bezirk umgesetzt. Statt einer voll ausgestatteten Intensivsta-tion soll künftig ein Pkw als Notarzteinsatzfahrzeug ausfahren. „Das System ist günstiger und man ist flexibler“, veranschaulicht Helmut Riemer von der Öffentlichkeitsarbeit. Den größten Vorteil ortet er darin, dass das Fahrzeug schneller wieder einsatzbereit ist, denn parallel wird dennoch ein Rettungswagen alarmiert.

Auch Neuwahlen standen beim Roten Kreuz heuer an. Im Zuge der Bezirksstellenversammlung wurde Peter Tesarek mit einer Quote von 84,6 Prozent in seinem Amt als Bezirksstellenleiter bestätigt.

Für das Jahr 2016 hat man noch keine großen Pläne geschmiedet, zu unsicher ist, wie es mit der Flüchtlingsbewegung weitergeht. „Wir haben nur ein paar Fixpunkte eingeplant und vieles optional gehalten, um uns den Rücken freizuhalten“, sagt Weiler im Gespräch mit der NÖN.


Rot-Kreuz-Neuwahl

  • Bezirksstellenleitung: Peter Tesarek, Michael Friembichler, Sandra Mayr, Michael Neumayer, Markus Strenn, Angelika Weiler

  • Ortsstellenleitung Ernstbrunn: Florian Hlauschka, Heinz Brabetz, Karin Freudenthaler, Roland Hermann, Michael Kachtik

  • Ortsstellenleitung Korneuburg: Christian Schweigler, Stefan Bräuer, Richard Chytil, Sabrina Preiser, Alexander Schuller, Jens Werenskiold, Katrin Werenskiold

  • Ortsstellenleitung Stockerau:

  • Markus Strenn, Oliver Bartosch, Karin Mattes, Roman Rötzer, Kristina Tüchler

  • Vertreter: Martin Krückel, Mario Gschwandtner, Christa Kasyan

  • Rechnungsprüfer: Dieter Dlesk, Christian Mattes