Erstellt am 21. März 2016, 05:04

von Michaela Höberth

„Die Russen rückten bis ins Dorf vor“. Im April 1945 lag die Front bei Rückersdorf. Johann Lackermayer erlebte die Kapitulation der Deutschen mit.

Johann Lackermayer (r.) und seine Frau Anna zeigten Hobbyhistoriker Reinhard Graf und der NÖN ein Foto ihrer großen Familie.  |  NOEN, Höberth
Obergänserndorf ist ein kleines Örtchen mit großem Charme. Das findet auch Johann Lackermayer, der im November 1935 hier geboren wurde: „Ich fühle mich dem Ort eng verbunden“, erzählt er. Doch so abgeschieden der Ort auch sein mag, von den Geschehnissen des Zweiten Weltkriegs blieb auch Obergänserndorf nicht verschont.

„Es war ein schlechtes Leben“, erinnert sich Lackermayer an die Zwischenkriegszeit zurück. Er wuchs in einer Bauernfamilie auf und musste daher nie Hunger leiden. Doch vielen anderen ging es nicht so gut. „Als dann Hitler kam und den Familien Geld gab, war das für viele wie ein Wunder“, weiß er.
Vor allem junge Männer konnten sich der Faszination für den Krieg kaum entziehen. Auch Lackermayer staunte als junger Bursche über die Flieger, die lange Kondensstreifen über den Himmel zogen. „Das war der Zug der Zeit“, ist sich Lackermayer heute bewusst.

„Es war ein schlechtes Leben. Als dann
der Hitler kam und den Familien Geld gab,
war das für viele wie ein Wunder.“
Johann Lackermayer

Mit Kriegsende wich der Zauber der Nazi-Propaganda jedoch dem Schrecken der Realität: Von 14. April bis 8. Mai 1945 machte sich die Front zwischen Rückersdorf und Oberrohrbach breit und war somit auch für die Obergänserndorfer in unmittelbarer Nähe. An vieles kann sich Lackermayer noch erinnern, als ob es gestern gewesen wäre: „Die Russen sind bis ins Dorf vorgerückt, die Deutschen waren am Waldrand stationiert. Am 5. Mai haben sie kapituliert“, erzählt er.

Es dauerte, bis in Obergänserndorf wieder Normalität einkehrte. Im Winter 1945 begann Lackermayer eine Ausbildung mit landwirtschaftlichem Schwerpunkt, 1955 übernahm er mit 19 Jahren den väterlichen Betrieb. Er war noch jung, als er 1959 seine große Liebe Anna heiratete. Bald wurden die beiden Söhne Hans und Günther geboren. „Wir haben früh mit dem Kinderkriegen angefangen. Dafür haben wir heute schon Urenkel“, lacht Lackermayer.

NÖN-Zeitzeugen

Seit 2012 teilen Zeitzeugen der Kriegsjahre ihre Lebensgeschichte mit der NÖN. Haben auch Sie Erinnerungen, die Sie teilen möchten? Dann wenden Sie sich an Reinhard Graf (0676/ 9214792) oder Michaela Höberth (02262/725853621).