Erstellt am 27. April 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

„Die Wähler wollen Wechsel und Wende“. Partystimmung bei Bezirks-FPÖ, Grüne hoffen bei Stichwahl Mitte Mai auf Ruck in der Bevölkerung.

 |  NOEN, NÖN

"Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich das erwartet", gestand FP-Bezirkparteiobmann Robert Koppensteiner am Wahlabend. Die FPÖ war mit 33,4 Prozent für FP-Kandidat Norbert Hofer auch im Bezirk der klare Wahlsieger. Platz zwei ging an Ex-Grünen-Chef Alexander Van der Bellen (20,5 %). Weit abgeschlagen die Kandidaten der Regierungsparteien: Nur 13,3 Prozent für Andreas Kohl (ÖVP), knapp 10,5 Prozent für Rudolf Hundstorfer (SPÖ).

„Man merkt, dass die Leute einen Wechsel und eine Wende wollen“, war sich Koppensteiner nach dem Ergebnis sicher. Das sei keine Protestwahl gewesen, sondern die Abwahl eines 60 Jahre dauernden Proporzsystems. Überrascht hat ihn die hohe Zustimmung selbst in Gemeinden wie in Großmugl, wo es keine FPÖ-Basis gibt. „Dort müssen wir unbedingt eine aufbauen“, frohlockte der FP-Chef. Bei der Stichwahl komme es jetzt auf die bürgerlichen Wähler an, „ob sie trotzig sind und nicht wählen gehen“, so Koppensteiner.

Bei Grünen-Bezirkschefin Elisabeth Kerschbaum schlugen nach der Wahl zwei Herzen in ihrer Brust: „Ich bin stolz auf das Ergebnis von Alexander Van der Bellen. Ich hoffe aber auch, dass Norbert Hofer den Plafond an Wählerstimmen erreicht hat.“ Die Korneuburger Stadträtin wünscht sich, dass nach dem ersten Wahlgang in der Stichwahl ein Ruck durch die Bevölkerung geht. „Viele wollen die Deutschtümeleien des Burschenschafters Hofer nicht in der Hofburg.“

"Strukturen im Staat gehören überdacht"

In der VP-Zentrale blieb der Sekt eingekühlt. Der Begriff „Denkzettelwahl“ ging VP-Bezirksparteiobmann Hermann Haller nicht weit genug. „Es ist viel mehr. Das ist richtig tiefer, hilfloser Protest“, analysierte er. Die Stimmung, die die Wähler zum Ausdruck brachten, habe sich schon in der letzten VP-Bezirkssitzung widergespiegelt, erinnerte Haller. Den Frust über den Stillstand in der Regierung habe man schon damals öffentlich gemacht. „Die Strukturen im Staat gehören allesamt überdacht“, fordert der VP- Chef.

Nicht überrascht von der Abstrafung der Bundesregierung war SP-Bezirksobmann Helmut Laab: „Für mich ist die Regierung Schuld an dem Ergebnis.“ Zwar möchte Laab keine Tipps geben, aber: „Ich rate der Regierung, einen Kurs bei der Kleinregion ,10vorWien‘ zu machen, dort sieht man, wie Zusammenarbeit über die Fraktionsgrenzen hinaus funktioniert“, so Laab.

Anders als SP-Landeschef Matthias Stadler, der seine Unterstützung für den Grünen-Kandidaten zugesagt hat, hadert der Stadtchef noch: „Ich bin mit der Aussage von Van der Bellen betreffend der Nicht-Angelobung einer FP-Regierung nicht glücklich.“