Erstellt am 27. Mai 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

Eigene Wohnung für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Thomas und Miriam Mader haben ihre eigene Wohnung geräumt, um sie Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Sie würden sich über Zeit- und Sachspenden freuen.

Miriam und Thomas Mader mit Töchterchen (links im Bild) unterstützen die Flüchtlinge aus dem Iran und dem Irak so gut sie können.  |  NOEN, Löwenstein

„Meine Frau hatte am Anfang Bedenken“, erzählt Thomas Mader. Seit März hat er in seinem Haus in Karnabrunn 20 Flüchtlinge einquartiert. Fernsehberichte über die Zustände in den Flüchtlingsquartieren haben den Ausschlag gegeben. Da er Teile seines 250 Quadratmeter großen Hauses erst renoviert hatte und vermieten wollte, entschied er gemeinsam mit seiner Frau Miriam, Flüchtlinge aufzunehmen.

"Dankbarkeit ist einfach unglaublich"

Ende März zog die erste Familie aus dem Irak bei der Jungfamilie ein. Anfang April folgte ein Vater mit seiner Tochter, der sich in seiner Heimat abfällig über den Islam geäußert hatte. Tiefe Narben in seinem Gesicht zeugen heute noch von den Strafsanktionen. „Er hat mit Riesenglück überlebt“, weiß Mader. Mit einer fünfköpfigen christlichen Familie aus dem Iran verbindet die Maders ein besonders inniges Verhältnis. Die Frauen tragen westliche Kleidung und wollten auch so leben. „Wenn man Alkohol trinkt, bekommt man 50 Stockhiebe“, haben sich die Quartiergeber erzählen lassen.

Die Maders haben sogar ihre eigene Wohnung im Haus zur Verfügung gestellt und wohnen derzeit bei den Eltern. „Die Dankbarkeit ist einfach unglaublich“, schildert Vater Johann Mader, „sie freuen sich über jedes Wort, das man mit ihnen spricht.“

„Sie bekommen 5,50 Euro Essensgeld pro Tag.
Das ist schon sehr knapp. Gekauft werden
Reis und Kartoffeln.“
Thomas Mader

Seit die Flüchtlinge eingezogen sind, sind vor allem Managementqualitäten gefragt. Ob Einkaufen, Arzttermine, Schul- oder Kindergartenbesuch, die Familie unterstützt die neuen Bewohner trotz Berufstätigkeit so gut es geht. 5,50 Euro Essensgeld steht jedem Flüchtling pro Tag zur Verfügung. „Das ist schon sehr knapp“, erlebt Thomas Mader mit, „sie kaufen vor allem Reis und Kartoffeln.“ Für den Kindergartenbeitrag samt Bastelbeitrag und Schulbusgeld bleibt da einfach kein Geld mehr übrig. Bei der Gemeinde stieß man auf taube Ohren, „also führen wir die Kinder hin und holen sie ab.“

"Wünsche mir mehr Verständnis"

Thomas Mader sieht heute vieles anders. Für die Anforderung, dass Flüchtlingsquartiere Internetzugang haben müssen, hat er heute Verständnis. Früher war das anders: „Ich habe mir gedacht, sie kommen zu uns und stellen Ansprüche.“ Heute erlebt er am eigenen Leib mit, dass das Internet oft der einzige soziale Kontakt ist.

Auch um die Menschen in der Ortschaft zu integrieren, unternehmen die Maders einiges. Sie besuchten gemeinsam das Maibaumaufstellen, mit den Christen geht man in die Kirche. „Die Ortsbevölkerung soll sehen, dass das ganz normale Menschen sind“, wünscht sich Thomas Mader mehr Verständnis für die Flüchtlinge.

Unterstützung gesucht

Auch Unterstützung in Form von Sozialkontakten und Sachspenden kann die Familie brauchen. Gesucht werden neben Deutschlehrern auch Menschen, die einfach Zeit aufbringen können. Wer außerdem große Töpfe, Küchen- und Schreibutensilien oder gar eine Waschmaschine übrig hat, kann sich unter 0699/19215671 an Thomas Mader wenden.