Erstellt am 03. Juni 2016, 05:05

von Markus Glück

Fitnesscenter: Nein zu Flüchtlingen. In Stockerau dürfen Flüchtlinge nicht in Fitnessstudios. In Korneuburg sind sie dafür willkommen.

 |  NOEN, Symbolbild
Rund 240 Flüchtlinge sind derzeit in Stockerau untergebracht. In den vergangenen Wochen wollten sich mehrere minderjährige Flüchtlinge in den Stockerauer Fitnessstudios zum Training anmelden – der Zutritt wurde ihnen dabei ohne Begründung verwehrt. Auch Flüchtlinge, die sich alleine zum Training anmelden wollten, hatten keine Chance auf Einlass.

Bei den beiden betroffenen Fitnessstudios, der Bodylounge und der Gitti-City, bestätigt man den Fall und versucht zu erklären. „Wir haben derzeit aufgrund von Baustellen nur einen eingeschränkten Trainingsbetrieb und daher können nicht einmal die derzeitigen Mitglieder ordentlich trainieren“, erläutert Gerald-Adolf Pühler von der Bodylounge das „Nein“ zu den Flüchtlingen.

Bei der Gitti-City bestätigt Geschäftsführer Andreas Leister, dass es eine Anfrage von Flüchtlingsbetreuern gegeben hat: „Man hat uns gesagt, dass sich 15 bis 20 Jugendliche auspowern wollen. Durch die aktuelle Situation sahen wir uns gezwungen, unsere Kundschaft damit zu konfrontieren.“

"Betreuungsfrage nicht geklärt"

Dabei stellte man, laut Leister, fest, dass das Thema so brisant sei und die Skepsis der Kundschaft derart groß, dass das Ansuchen abgelehnt wurde. Leister: „Wir haben eine Verantwortung unseren 20 Mitarbeitern gegenüber. Unsere Kundschaft hat sich dezidiert dagegen ausgesprochen. Viele haben sich bei uns angemeldet, die heuer nicht ins Freibad gehen wollen. Außerdem war die Betreuungsfrage nicht geklärt.“

Wichtig ist dem Geschäftsführer auch, zu betonen, dass man nichts gegen Flüchtlinge habe und derzeit auch versuche, einen Flüchtling aus Kasachstan in der Trainingsgruppe Gewichtheben zu integrieren.

„Wenn sich die Flüchtlinge eingewöhnt haben und die Brisanz aus der Sache draußen ist, kann man wieder darüber reden“, so Leister, der ergänzt: „Bis dahin haben wir den Flüchtlingen Gebrauchtgeräte angeboten, es hat sich daraufhin aber niemand gemeldet.“

„Für Flüchtlinge gelten gleiche Bestimmungen"

Eine Aussage, die Kathrin Rother vom Haus Ibrahim in Stockerau so nicht stehen lässt: „Das Angebot der Gebrauchtgeräte ist bis zu mir nicht durchgedrungen. Wenn es noch immer gilt, holen wir uns die Geräte gerne ab.“

Einige Flüchtlinge aus Stockerau trainieren nun im Korneuburger Fitnessstudio CleverFit. „Es hat Anfragen gegeben und es trainieren auch Flüchtlinge bei uns, die den gleichen Bestimmungen unterliegen wie alle anderen auch. Die Rechte und Pflichten gelten für alle gleich“, betont Betreiber Peter Tesarek.

Klar ist für ihn aber auch, dass keine Gruppen trainieren können. Tesarek: „Wir haben aber auch schon dem SV Haas Leobendorf absagen müssen, der mit seinen gesamten Kader kommen wollte. Das geht dann leider an unsere Kapazitätsgrenzen.“

Ob es seither Probleme mit Stammkunden gegeben hat, kann der Betreiber des Fitnessstudios aber verneinen: „Natürlich gab es den einen oder anderen Spruch. Es gab aber keine Vorfälle.“