Erstellt am 02. März 2016, 14:31

Fleischerei: Im Kreislauf der Natur. Faustregel | Die Artholds gehen ihrem Handwerk nach früherem Prinzip nach: Alles wird selbst gemacht, auch das Futter für die Ferkel. Regional denken und handeln ist das Credo der Familie aus Zellerndorf.

Die Dorffleischerei der Familie Arthold punktet mit Produkten, die aus der Region sind und Qualität vorweisen können. Angelika und Gerald Arthold stehen dahinter. Die Seniorchefs Helga und Gerhard helfen aus. Sohn Gerald möchte in ihre Fußstapfen treten. Anna, Eva und Julia kann man bei den Caterings antreffen. Übrigens: Die Fleischerei war nicht immer eine Männerdomäne. Die »Arthold-Oma«, Großmutter des jetzigen Chefs, erlernte das Handwerk und übernahm den Betrieb ihres Vaters Johann Schachhuber.  |  NOEN, Widhalm
Entgeltliche Kooperation: Die WKO NÖ und die NÖN präsentieren die Familienunternehmen Niederösterreichs.

Erfolg seit Generationen: Teil 23

1848: Franz Josef wird Kaiser. Familie Schachhuber, später Arthold, zieht von Haugsdorf nach Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) und übernimmt eine Fleischerei. Sie besteht bis heute.

„Unser Betrieb hat sich über sechs Generationen hinweg durch viel Arbeit, Fleiß und Liebe zum Beruf gehalten“, ist Gerald Arthold stolz. Er übt gleich zwei Berufe aus: Als Landwirt bestellt er Getreidefelder, denn das Korn ist das Futter für 280 Schweine. Als Fleischermeister schlachtet er stressfrei, zerlegt das Fleisch und bereitet Produkte nach eigener Rezeptur zu. „Wir haben keine anonymisierten Lebensmittel, die irgendwo auf der Welt unter unbekannten Bedingungen hergestellt werden“, erklärt Gattin Angelika.

Regionalität wird großgeschrieben: Die Ferkel, die wöchentlich aus Theras kommen, wachsen in Zellerndorf heran. Fallweise wird Getreide zugekauft – aus der Umgebung. Karpfen, Wels und Forelle stammen aus dem Waldviertel. Die Transportwege bleiben in jeder Hinsicht kurz.

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Dem Paar schmerzt das Herz, wenn sie sehen, dass sich der Konsument von der Industrie beeinflussen lässt. „Viele schauen nicht mehr auf ehrlich und regional erzeugte Lebensmittel, sondern auf den Preis“, seufzt die Chefin. „Die Alarmglocken müssten aber schrillen: Jeder kann seinen Beitrag beim Lebensmitteleinkauf leisten.“

Und doch fällt auf, dass die Menschen hellhöriger werden. Die Artholds freuen sich, wenn Urlaubsgäste aus Linz, Salzburg oder Vorarlberg in der Dorffleischerei einkaufen und die Produkte in Kühlboxen nach Hause bringen. Auch Wiener schätzen den Betrieb, die Maulavernwürstel mit viel Knoblauch und Pfeffer (passend zum Veltliner) oder das Punkerl, eine Haussalami in Schweinsblase. Diese Rohwurst kann man hängen lassen. Und: „Unser Rind- und Schweinefleisch schrumpft nicht in der Pfanne“, ergänzt Arthold.

Er schlachtet jeden Montag und wurstet dienstags und donnerstags. Jeden Samstag gibt’s saftige, essfertige Grillhenderl und gebratene Stelzen gegen Vorbestellung. „Wir hoffen, dass unser Betrieb noch weitere Generationen erlebt“, fügt Angelika Arthold hinzu. Die Chance ist da: Ihr 15-jähriger Sohn beginnt gerade die Ausbildung.

Daten & Fakten

Sortiment (eine Auswahl): von der (Roh-)Wurst über Schweinefleisch und Rindfleisch bis hin zu Huhn, Pute und Fisch
Catering: regionale, warme oder kalte Hausmannskost
Termine (Auswahl): BBQ-Abenteuer mit Grillmeister Gerald Arthold am Weingut Prechtl (15. 7., 18 Uhr); „Die kriminelle Gans“ – Spuk in der Kellergasse Maulavern (19. 11., 17 Uhr).
Adresse & Kontakt:
Ortsstraße 20, 2051 Zellerndorf
02945/2223, 0664/75114766
www.arthold.info

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