Erstellt am 07. April 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

FPÖ gegen Gedenk-Straße. Die Benedek-Straße soll an die jüdischen Opfer im Gerasdorfer Arbeitslager erinnern. Die FPÖ stimmte aus Skepsis gegen Historiker des DÖWs nicht zu.

VP-Landtagsabgeordneter Lukas Mandl sieht die Bürger als Leidtragende des Hick-Hacks.  |  NOEN, privat

Ein dunkles Kapitel in der Gerasdorfer Geschichte wurde auf Anregung von VP-Vizebürgermeister Lukas Mandl aufgearbeitet: 200 ungarische Juden waren in der Zeit des Nationalsozialismus als Zwangsarbeiter in einem Arbeitslager in Gerasdorf interniert. Nicht alle haben überlebt. Mit Hilfe von Historikern des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (DÖW) und der Akademie der Wissenschaften wurden die Fakten nachgezeichnet.

„Wir haben auch drei lange Zeitzeugengespräche geführt, in denen uns die Ereignisse bestätigt wurden“, erzählt Mandl. Und demnächst wird er gemeinsam mit SP-Bürgermeister Alexander Vojta und Historikern einen weiteren in Budapest besuchen. Istvan Benedek war als achtjähriger Bub mit seiner Mutter in dem Lager untergebracht, das als Außenstelle von Strasshof geführt wurde.

„Es ist nur anständig an die Verbrechen, die auf
Gerasdorfer Boden passiert sind, zu erinnern.“
VP-Vizebürgermeister Lukas Mandl

Als Gedenken an die Opfer will die Stadt die bisher namenlose Straße vor dem Reitstall neben dem Restaurant „Die Olive“ in Benedek-Straße umbenennen. Im Gemeinderat wurde der Beschluss mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP, GRÜFO und DU angenommen, Dietmar Ruf, Gerhard Eisner und Friedrich Schiftner von der FPÖ enthielten sich der Stimme, die FP-Mandatare Josef Wandaller und Andreas Schenk stimmten dagegen.

FP-Stadtrat Ruf begründete seine ablehnende Haltung mit seiner Skepsis gegenüber dem DÖW: „Das ist nicht wissenschaftlich, ich kann mich mit dem DÖW nicht anfreunden.“ Außerdem forderte er, „Projekte, die eine gewisse Ideologie in sich tragen, zuerst zu besprechen.“ Darüber hinaus hätte er Gespräche mit Senioren geführt, „die können sich daran aber nicht erinnern.“

„Es geht hier nicht um Ideologie, sondern um das Gedenken an Opfer auf Gerasdorfer Boden“, mahnte Mandl. Und er gab zu denken, dass es sich sowohl bei der Akademie der Wissenschaften als auch beim DÖW um von der Republik anerkannte Institutionen handle. „Beide sind hochseriös und wissenschaftlich“, bekräftigte Mandl. 1.000 Euro habe man in das Projekt investiert, informierte er auf FP-Anfrage. Mit einer Veranstaltung am 17. Juni will man der Opfer gedenken.