Erstellt am 29. Oktober 2015, 04:02

von Christoph Reiterer

Frage an LH Pröll: „Wollen Sie die Donau umleiten?“. Jobs, Flüchtlinge, Bauprojekt: LH zeigte Verständnis für die Sorgen der Anrufer.

„Ich bin froh, dass zumindest eine das glaubt“, lachte der Landeshauptmann, als ihn eine Anruferin „total sympathisch“ nannte. Foto: Sandra Frank  |  NOEN, Sandra Frank

Den Herrn Landeshauptmann um Hilfe bitten – diese Gelegenheit bot sich vergangene Woche durch die NÖN, als sich Erwin Pröll in der Hollabrunner Redaktion die Sorgen von Anrufern aus dem ganzen Weinviertel anhörte.

„Es geht nicht. Irgendwie renn’ ich an“

„Sie sind wirklich total sympathisch“, meinte eine Anruferin aus Marchegg. „Ich bin froh, dass zumindest eine das glaubt“, lachte der Landeshauptmann, dem das Anliegen der Mutter eines behinderten Sohnes (7) aber nicht deshalb ein besonderes Anliegen war.

Die Bürokauffrau, die nach einem Autounfall eine Zeit lang berufsunfähig war, möchte wieder arbeiten gehen, hat nach Fortbildungen auch Jobangebote, aber: „Es geht nicht. Irgendwie renn’ ich an. Eine Betreuung für meinen Sohn ist unleistbar.“ Pröll versprach, sich einzusetzen, und nickte zu seinem Team: „Da müssen wir etwas finden!“

Bis zum Landeshauptmann hat es nun auch der Ernst-Körner-Platz in Stockerau geschafft, wo Anrainer um ihre große Sport- und Spielwiese kämpfen, die mit Einfamilienhäusern verbaut werden soll (

). „Ich spreche für 2.000 mündige Stockerauer“, sagte die Anruferin aus der Lenaustadt, die von einem „Konzept der Zerstörung“ sprach und um einen Termin bei Pröll bat. Die ÖVP Stockerau sei auf der Seite der Anrainer.

„Wir haben allen Grund, Grünoasen zu bewahren“, meinte Pröll, der Gegner des Projekts empfangen will. Zuvor müssten aber alle Informationen auf den Tisch.

Lehrpraktikum und Probleme mit dem Nachbarn

Um Hilfe bat eine Mutter aus dem Bezirk Mistelbach, deren Tochter in Hollabrunn ein gefördertes Lehrpraktikum absolviert, sich dort pudelwohl fühlt, aber keine Chance auf eine fixe Stelle habe, weil sich die Firma das nicht leisten könne.

„Sehen Sie es bitte als Aktion, dass mehr junge Leute in den Arbeitsprozess kommen, als von der Wirtschaft nachgefragt sind“, beschwichtigte Pröll und verwies auf den Erfahrungsvorsprung, der der jungen Dame später hilfreich sein werde. Zudem versprach er, sich den Fall ganz genau anzuschauen.

Über Probleme mit dem Nachbarn klagte ein Mann aus dem Marchfeld. Dieser habe Heizkanonen im Keller aufgestellt, deren Schwingungen so stark seien, dass er bereits schwere gesundheitliche Probleme habe und sich sogar die Feuermauer bewege.

„Der Nachbar will nichts davon wissen und der Bürgermeister hält zu ihm“, schilderte der Anrufer. Auch hier versprach Pröll, sich ein Bild zu machen und mit den Behörden Kontakt aufzunehmen.

„Infrastruktur zu erzwingen, ist eine Illusion“

Weniger Verständnis konnte er einem Klosterneuburger entgegenbringen, der die Aufteilung des Bezirks Wien-Umgebung kritisierte. Klosterneuburg sollte nicht an Tulln, sondern an Korneuburg angegliedert werden, weil es da ein engeres Verhältnis gebe. Der Landeshauptmann verwies darauf, dass ein Fluss im Weg sei: „Wollen Sie die Donau umleiten?“

„Ich will sie überqueren“, entgegnete der Anrufer, was Pröll die Frage abrang: „Und wer zahlt’s?“ Außerdem gäbe es bereits eine Donaubrücke, wenn sich die Klosterneuburger bislang nicht dagegen gewehrt hätten.

Zum Einwand des Anrufers, dass es einen Zwang geben müsste, eine Brücke zwischen den beiden Städten zu bauen: „Infrastruktur zu erzwingen, ist eine Illusion. Ich gebe Ihnen aber recht, dass Politiker eine Zukunftsvision haben müssen und dass der Bezirk Wien-Umgebung ineffizient ist.“ Und, so der Landeshauptmann: „In dem Moment, wo es einen konkreten Standort gibt, reden wir beide wieder. Da können Sie mich beim Wort nehmen.“ Zeithorizont? „Das liegt bei den Klosterneuburgern.“

Flüchtlinge: „Uns half keiner aus der Scheiße“

Auch das Flüchtlingsthema kam zur Sprache. „Wir haben Angst, dass wir alles zahlen müssen“, sagte eine Anruferin (52) aus Mistelbach, die nach dem frühen Tod ihres Vaters mit sechs Geschwistern über die Runden kommen musste.

„Uns hat keiner aus der Scheiße geholfen, aber die Flüchtlinge schmeißen jetzt Semmeln und volle Flaschen am Bahnhof weg und beschweren sich über schmutzige Klos, anstatt sie selbst zu putzen“, redete sie sich den Frust von der Seele.

„Es ist schon wichtig, dass wir auch diese Stimmen hören“, sagte der Landeshauptmann und hakte ein, als die Anruferin fragte, ob er glaube, dass es sich hier nur um Kriegsflüchtlinge handle. „Da bin ich bei Ihnen“, fordert Pröll eine strikte Trennung.

Zur ebenfalls geäußerten Angst vor der fremden Religion, die etwa dazu führe, dass im Kindergarten nicht mehr der Nikolaus kommen dürfe, betonte er: „Die Hausordnung bestimmen wir und nicht andere. Da gibt es auch einen klaren Auftrag an die Kindergärten.“