Langenzersdorf

Erstellt am 30. Juni 2016, 05:00

von Veronika Löwenstein

Fieberhafte Arzt-Suche in Langenzersdorf. Die NÖ Ärztekammer hat ihre liebe Not mit der Besetzung von Kassenarztstellen. Auch in Langenzersdorf blieben schon drei Ausschreibungen ohne Bewerber.

In Langenzersdorf ist es fünf vor zwölf: Ein Allgemeinmediziner legt seinen Kassenvertrag mit der NÖ Gebietskrankenkasse zurück. Die Suche nach einem neuen Arzt blieb bislang erfolglos.  |  Bilderbox

In der NÖ Ärztekammer und bei der NÖ Gebietskrankenkasse ist die Ernüchterung groß. 18 Kassenarztstellen – elf für Allgemeinmedizin und sieben Facharztstellen – waren in ganz Niederösterreich ausgeschrieben, aber nur für vier haben sich Bewerber gefunden. Auch in Langenzersdorf ist man fieberhaft auf der Suche nach einem Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag, weil Johannes Hickelsberger seinen Vertrag mit der NÖ Gebietskrankenkasse mit 1. Juli zurücklegen wird. Statt drei wird es dann nur zwei Ärzte mit Gebietskrankenkassen-Vertrag geben.

"Haben alles versucht"

„Wir haben alles versucht“, bedauert VP-Gemeinderat Bernhard Ebner die Entwicklung. Seit Jänner habe es drei Ausschreibungen gegeben, leider ohne Erfolg. Man wolle die Suche aber nicht aufgeben, verspricht er: „Wir wollen unbedingt wieder drei Gebietskrankenkassen-Anbieter haben“, so sein Ziel. Über den Sommer werde man das verminderte Ärzte-Angebot noch nicht merken, ist er sicher. „Uns geht es vor allem um die Versorgung der älteren Bevölkerung“, sorgt sich der Gemeinderat.

Bei der NÖ Ärztekammer ist man ratlos, warum sich ausgerechnet für eine Gemeinde in der Nähe von Wien kein interessierter Arzt meldet. Der Schlüssel des Problems könnte aber in der Ausbildung zu finden sein. „Da das Thema Selbstständigkeit während des Medizinstudiums nicht abgedeckt ist, fühlen sich Ärztinnen und Ärzte oft nicht ausreichend vorbereitet auf das Führen einer eigenen Ordination. Regelmäßige Niederlassungsseminare sollen dabei helfen, Unsicherheiten abzubauen“, hofft Ärztekammer-Sprecherin Birgit Jung.

Sorge bereitet Jung auch, dass die Finanzierung der Lehrpraxis noch nicht gesichert ist. Im Rahmen einer Ausbildungsreform haben sich Bund, Länder, Sozialversicherungen und Ärztekammer geeinigt, dass alle Turnusärzte künftig eine sechsmonatige Lehrpraxis absolvieren müssen. Damit will man den angehenden Ärzten das Arbeiten in einer Ordination als Allgemeinmediziner schmackhaft machen.