Erstellt am 20. März 2016, 05:04

von Markus Glück, Michaela Höberth, Veronika Löwenstein und Bernhard Preineder

Freude über fast 6 % Plus. 115.910 Menschen haben im letzten Jahr im Bezirk übernachtet.

VP-Bezirksobmann Hermann Haller hätte eine Zusammenlegung mit Klosterneuburg gefallen. Foto: Archiv  |  NOEN, Archiv/Dr.G.SCHNABL
544.078 Nächtigungen verzeichnete das Weinviertel im Jahr 2015. Der Weinviertel Tourismus jubelt über ein Plus von 1,4 Prozent. Diesen Wert kann der Bezirk Korneuburg sogar noch toppen: Mit 115.910 Übernachtungen fährt man einen Zuwachs von 5,7 Prozent ein.

Spitzenreiter im Bezirk ist die Stadt Korneuburg, wo sich die Nächtigungszahlen mit 4.283 Übernachtungen von 2014 auf 2015 mehr als verdoppelt haben. Grund ist das Hotel zur Sonne, das die Familie Weingartshofer Ende 2013 renoviert und wiedereröffnet hat. Judith Weingartshofer, die das Hotel mit ihrem Mann Werner führt, hat die Entscheidung noch keinen Tag bereut. „Wir sind derzeit auch unter der Woche voll belegt“, erzählt sie. Arbeiter, Vertreter oder auch Verwandte von Korneuburgern würden bei ihr buchen, am Wochenende begrüßt sie Wien-Touristen und Radfahrer.

„Business-Kunden verbringen meist den ganzen
Tag in unserem Betrieb und lassen damit
auch mehr Geld in der Stadt.“
Peter Hopfeld, Stockerau

Den zweitmeisten Zugewinn (45,3%) verzeichnet die Gemeinde Bisamberg. 38.168 Übernachtungen zählte die Weinbaugemeinde im abgelaufenen Jahr. Für Bürgermeister Günter Trettenhahn keine Überraschung: „Das Ökotel hat zugebaut. Offensichtlich ist die Erweiterung gut angekommen.“

Ein Plus von 32,6 Prozent ließ sich auch in Sierndorf verzeichnen. „Wenn es große Bauprojekte gibt, übernachten die Arbeiter oft in der Gemeinde“, so Bürgermeister Gottfried Muck. Im Frühjahr 2015 wurde die Wasserleitung gebaut, auch an Wohnbauten wurde viel gearbeitet.

Verlierer in der Tourismusbilanz ist die Gemeinde Leobendorf. Dort sind die Nächtigungen um 22 Prozent zurückgegangen. „Wir haben nur in Oberrohrbach Beherbergungsbetriebe, die vor allem Arbeiter aufnehmen. Wenn Großbaustellen dann geschlossen werden, bleiben gleich viele Betten leer“, weiß Bürgermeisterin Magdalena Batoha. Sie schätzt, dass 90 Prozent der Nächtigungen mit Bauprojekten in der Umgebung in Verbindung stehen. „Einen richtigen Tourismus gibt es bei uns eigentlich nicht.“

Weniger Gäste, dafür aber mehr Umsatz

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Ein Minus von mehr als 2.000 Nächtigungen (-5,7 Prozent) bei insgesamt 34.050 Übernachtungen verzeichnet Stockerau. Dabei sind auch die Ankünfte um drei Prozent auf 16.459 gesunken. Für Wirtschafskammer-Obmann und Hotelier Peter Hopfeld sind die Zahlen aber nicht so dramatisch zu sehen. „In unserem Betrieb haben wir zwar auch weniger Gäste, der Umsatz konnte aber im Vergleich zum Vorjahr gesteigert werden“, setzt er auf ein bestimmtes Publikum. So werden im Dreikönigshof vermehrt Business-Kunden anstelle von Gruppenreisen beworben. „Business-Kunden verbringen meist den ganzen Tag in unserem Betrieb und lassen damit auch mehr Geld in der Stadt“, weiß der Unternehmer.

Einen Turbo für den Tourismus in der Lenaustadt könnte seiner Meinung nach aber ein Wohnmobilstellplatz nebst der Kaiserrast zünden: „Derzeit verhindern die Lärmmessungen einen Stellplatz. Ich glaube aber, dass der Lärm für Wohnmobilreisende kein Problem darstellt.“

„Wenn wir jedes Jahr eine Steigerung von fünf bis zehn Prozent haben, bin ich froh“, freut sich Tourismusobmann Hermann Haller über das Plus. Er merke, vor allem beim Heurigenbesuch, dass die Leute heute weniger Geld als früher ausgeben und folgert, dass das Geld in den Börsen knapper wird. „Für uns kann das eine Chance sein“, ist er überzeugt.

Könnte doch das Weinviertel jene Rolle übernehmen, die früher der Neusiedler See oder das Waldviertel für Wiener Ausflügler innehatte. „Wir möchten mit Kurzausflügen punkten“, so das Ziel. Gelingen soll das mit Paketen wie „In die Grean gehen“ oder „Advent in der Weinviertler Kellergasse“.