Erstellt am 12. Mai 2016, 04:04

von Manfred Mikysek, Josef Christelli und Veronika Löwenstein

Frost gibt Rätsel auf. Die Minusgrade haben den Weinstöcken arg zugesetzt. Die Winzer rechnen mit Ernteeinbußen bis zu 50 Prozent.

Winzer Bernhard Scheit aus Karnabrunn hat die frostigen Nächte mit einem »blauen Auge« überstanden.  |  NOEN, Christelli

"In drei bis vier Wochen können wir definitv sagen, wie es ausschaut", sagt Bezirksweinbauobmann Julius Schauerhuber aus Stetteldorf. So lange wird es dauern, bis man abschätzen kann, welche Schäden der Frost in den Weingärten angerichtet hat. Vom heutigen Standpunkt müsse man mit Verlusten von 20 bis 50 Prozent rechnen. Jetzt könne man nur abwarten, ob die Triebe nochmals antreiben.

„Der Wagram war ziemlich stark betroffen und auch in Rußbach hat es einige erwischt“, weiß Schauerhuber. Das Winzerpaar Rudolf und Anita Schwarzböck aus Hagenbrunn rechnet mit Einbußen von rund 30 Prozent. „Frost im April ist per se nichts Ungewöhnliches“, erklären die Winzer, „da aber drei bis vier Blätter pro Trieb entwickelt sind, war er diesmal für die Vegetation so verheerend.“

Vor allem die lange Kältepe-riode war entscheidend. Vier Frostnächte mit Temperaturen bis zu vier Grad unter null haben den Weinreben zugesetzt. Dabei hat Schauerhuber ein eigenartiges Phänomen beobachtet: „Wir haben Schäden in Lagen, wo normalerweise kein Frost ist.“ Außerdem rätselt er, warum zwei Drittel der Triebe am Stock erfroren sind und ein Drittel nicht. „Das ist nicht erklärbar“, so der Stetteldorfer.

"Ganze Jahr Arbeit aber keine Ernte"

Auch bei Winzer Bernhard Scheit aus Karnabrunn sind die Schäden sehr unterschiedlich verteilt, er rechnet mit Ernteverlusten von zehn Prozent. Während in gewissen Höhenlagen nur ganz wenige Frostschäden sichtbar sind, ist der Verlust in Tallagen weitaus größer.

Der „Schauweingarten“ vor dem Weindom am Winzerhof ist komplett abgefroren, weil an diesem Standplatz eigentlich kein Weinbaugebiet ist und der Weingarten auch etwas nordseitig liegt.

Viele Winzer haben versucht, mittels Räuchern der Kälte ein Schnippchen zu schlagen. Um die Rauchentwicklung zu fördern, werden die Strohballen angefeuchtet und feuchtes Gras daraufgelegt. Auch Schauerhuber hat heuer erstmals zu dieser Maßnahme gegriffen, die sehr arbeitsaufwendig ist.

„Man hat das ganze Jahr Arbeit und dann keine Ernte. Da will man nicht tatenlos zusehen.“ Sein Dank gilt der Bevölkerung, die den Rauch geduldet hat. Von der Wirksamkeit ist er aber nicht überzeugt. „Es ist schwer zu sagen, ob es etwas gebracht hat.“