Erstellt am 23. Dezember 2015, 05:05

von Markus Glück

Frust über neuen Fahrplan ist groß. Pendler richten sich mit Beschwerden an die NÖN. ÖBB und VOR verweisen auf weiterhin sehr dichtes Angebot.

Viele Stockerauer Pendler sind mit dem neuen Fahrplan unzufrieden. Auch Schüler klagen über Veränderungen.  |  NOEN, ÖBB

Knapp mehr als eine Woche ist der neue Fahrplan der ÖBB in Kraft, und es häufen sich schon die Beschwerden über die neuen Abfahrtszeiten. Vor allem in Stockerau regt sich großer Unmut bei den Pendlern.

Mit der neuen Fahrplanperiode fallen zwischen Wien und Stockerau bzw. Hausleiten zwei Verbindungen weg. Dabei handelt es sich um die bisherigen Regionalzüge von Wien Handelskai um 15.55 Uhr bzw. um 16.55 Uhr. „Diese Züge waren bis Stockerau bisher schon übervoll ausgelastet. Der Wegfall bedeutet eine deutliche Mehrbelastung“, kritisiert Thomas Dudaschek in einem Schreiben an die NÖN.

„Das Prestige-Objekt Hauptbahnhof hat
viele Stammgäste aus dem Großraum Wien
in die dritte Klasse zurückversetzt.“
Günther Zahler, Pendler

Daneben gibt es laut dem NÖN-Leser auch bei den Busverbindungen zwischen Stockerau und Hollabrunn eine deutliche Verschlechterung. „Laut Aushang am Bahnhof verkehrt die Linie 434/1021 ab 7.15 Uhr nicht mehr vom Bahnhof, sondern vom Hauptplatz ab 7:17 Uhr, in Stockerau gibt es aber nicht einmal einen Hauptplatz“, so der Öffi-Nutzer.

Für sämtliche Schüler aus dem Ostteil der Stadt sieht er dabei auch eine noch weite Anfahrt zu dieser Station: „Ich frage mich, wozu es entlang der Hauptstraßen Haltestellen gibt, wenn diese nicht einmal angefahren werden?“

Anfängliche Verwirrung bei Schulbussen

Besonders verwirrend war die Situation an den ersten Tagen der Fahrplaneinführung auch bei den Schülerbussen zwischen Stockerau und Hollabrunn. Da innerhalb weniger Minuten mehrere Busse von Stockerau, teilweise aus Korneuburg kommend, in Richtung Hollabrunn verkehren, diese aber nicht alle die Station beim Erzbischöflichen Gymnasium in Hollabrunn anfahren, saßen viele Fahrgäste im falschen Bus und konnten so ihre Ziele nur über Umwege erreichen.

Der Frust über den ÖBB-Fahrplan sitzt auch beim Stockerauer Pendler Günther Zahler tief: „Der Regionalzug um 5.01 Uhr war bisher äußerst komfortabel. Aber mit dem Winterfahrplan wird einem kalt ums Herz, denn dieser Zug verkehrt ab sofort um 4.44 Uhr, womit alle Stammgäste reinbeißen müssen.“ Zusätzlich erregt Zahler, dass der Zug nur als Einfach-Garnitur und nicht wie bisher als Doppel-Garnitur geführt wird. „Diese Garnitur entspricht nicht dem Stand der Technik. An Schlaf oder Ausspannen ist dabei nicht mehr zu denken“, ärgert sich Zahler, der seit 1990 auf der Strecke verkehrt und dabei mit jeder bisherigen Verbesserung zufrieden war.

„Das hochbeworbene Prestige-Objekt Hauptbahnhof hat viele Stammgäste aus dem Großraum Wien in die dritte Klasse zurückversetzt“, so der Stockerauer. Angesprochen auf die Kritik-Punkte, erklärt ÖBB-Pressesprecher Christopher Seif, dass zwischen Wien und Stockerau auch künftig gerade zu pendlerrelevanten Zeiten ein sehr dichtes Angebot zur Verfügung gestellt werde. „Regionalzüge fahren im Halbstundentakt ab, versetzt dazu ebenfalls im Halbstundentakt komplettieren S-Bahnen ein äußerst dichtes Öffi-Angebot“, so Seif.

Anschlüsse haben kurze Umsteigezeiten

Von einem künftig weiterhin sehr dichten Takt für Pendler spricht auch VOR-Pressesprecher Georg Huemer. Daneben betont er, dass sich der Fahrplan auf der Nordwestbahn durch die exakte Taktlage der S3- und R-Züge auszeichne. „Klare Fahrplantakte sind dabei nicht nur für die Kunden leichter merkbar, sondern bieten auch ein breit gefächertes Tagesfahrplanangebot“, sieht Huemer in dem integrierten Taktfahrplan der ÖBB einen klaren Fortschritt.

Huemer betont auch, dass im Fahrplan, bis auf wenige Ausnahmen, in der Relation Hausleiten – Wien – Hausleiten wieder Direktverbindungen mit S-Bahn-Zügen angeboten werden. Verkehren Zugverbindungen nicht direkt, ist in Stockerau ein Umstieg nötig, wie Huemer erklärt: „Diese Anschlüsse weisen jedoch kurze Umsteigezeiten auf.“

Die Kritik am Busfahrplan kann er ebenso nicht nachvollziehen: „Der Bus mit Abfahrt um 7.15 Uhr am Bahnhof Stockerau ist eine gute Verbindung für die Schüler.“