Erstellt am 29. September 2015, 06:52

von Markus Glück und Veronika Löwenstein

Gerasdorf kommt: In 17 Minuten in der neuen Gemeinde. Die Würfel sind gefallen: Gerasdorf kommt 2017 nicht zu Gänserndorf, sondern wird Teil des Bezirkes Korneuburg.

Gerasdorfs SP-Bürgermeister Alexander Vojta jubelt über die Zusammenlegung mit Korneuburg. Foto: Facebook  |  NOEN, Facebook

„Wir können uns schon ein bisschen stolz auf die Schulter klopfen, dass so viele in unseren Zukunftsbezirk wollen.“ Dass 83 Prozent der Gerasdorfer in einer Bürgerbefragung zum Bezirk Korneuburg tendierten, ist für Korneuburgs VP-Bürgermeister Christian Gepp schon ein „beachtliches Ergebnis“. „Vielleicht ist es unser guter Ruf“, überlegt der Stadtchef.

„Es passt alles, die Leute fühlen sich
verbunden. Egal, ob rot oder schwarz,
es geht um das persönliche Verhältnis.“
Alexander Vojta, SP-Bürgermeister
von Gerasdorf

Dem Bürgervoting hat letzten Donnerstag auch der NÖ Landtag Rechnung getragen. Gerasdorf wird nach der Auflösung des Bezirks Wien-Umgebung Korneuburg zugeteilt und nicht, wie ursprünglich geplant, dem Bezirk Gänserndorf.



Der Bezirk Korneuburg wächst damit um 10.600 Einwohner und wird mit Inkrafttreten am 1.1.2017 rund 88.000 Einwohner zählen. Nach Stockerau (16.221 Einwohner), Korneuburg (12.548) und Langenzersdorf (8.014) bekommt der Bezirk eine vierte große Kommune.

Im Bezirk denkt man schon an eine Ausweitung der Kleinregion „10 vor Wien“. „Es wäre sicher kein Nachteil, wenn so eine große Gemeinde dazukommt“, ist Gepp sicher. „Wir machen Gerasdorf bestimmt ein Angebot“, kündigt 10 vor Wien-Obmann LAbg. Hermann Haller (ÖVP) an

Überhaupt ist er der Meinung, dass die Wiener-Umland-Gemeinden viele Gemeinsamkeiten hätten. Und immerhin würde man sich ja schon die Brünner Straße und das Einkaufszentrum G3 - Teile des Parkplatzes gehören zur Gemeinde Hagenbrunn - teilen.

„Ich bin froh, dass die Verwaltungsreform umgesetzt wird“, betont er. Dass Gerasdorf eine SPÖ-Stadt ist, bringt Haller zum Schmunzeln: „Dann haben wir eben noch eine Stadt zum Umfärben.“

x  |  NOEN, Amt der NÖ Landesregierung/Grafik Bischof

Ein Beitritt zur Kleinregion sei „Zukunftsmusik“, sagt der Gerasdorfer SP-Bürgermeister Andreas Vojta. Er ist jedenfalls froh über die Entscheidung: „Es passt alles, die Leute fühlen sich verbunden. Egal, ob rot oder schwarz, es geht um das persönliche Verhältnis“, betont der Stadtchef.

Neben der emotionalen Ebene hebt er auch die wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten mit dem G3 und dem Industriegebiet Hagenbrunn sowie die kulturelle Verbindung mit der gemeinsamen Musikschule Hagenbrunn hervor.

Auch wenn Vojta auf den Erhalt der BH-Außenstelle in seiner Gemeinde pocht, Korneuburg ist für die Gerasdorfer die schnellste zu erreichende Bezirkshauptstadt. „Und zwar sowohl mit dem Pkw als auch mit den Öffis“, wie seine Partei selbst getestet hat. Nur 17 Autominuten trennen Gerasdorf von Korneuburg.

Laab: „Parteifarbe spielt keine Rolle“

Für das politische Farbenspiel hat Stockeraus SP-Stadtchef und SP-Bezirksobmann Helmut Laab nichts über: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Gerasdorf. Unser Bezirk ist aber dafür bekannt, dass Parteifarben keine Rolle spielen.“

Eine Auswirkung auf die Vergabe der Nationalratsmandate der SPÖ könnte der Zugewinn des SP-dominierten Gerasdorf aber schon haben. Immerhin ritterte der Bezirk Korneuburg stets mit dem Bezirk Mistelbach um den zweiten Platz. Mit Gerasdorf liegt der Vorteil nun klar bei Korneuburg.

Über eine weitere starke Freiheitliche Fraktion, die FPÖ hält in Gerasdorf bei 19,2 Prozent, freut sich FP-Bezirkssprecher Robert Koppensteiner: „Es gibt Kontakte, die in den nächsten Monaten geschärft werden.“ Im Hinblick auf die Landesausstellung 2021 erhofft er sich nun mehr Gewicht.

Die Grüne-Bezirkssprecherin Elisabeth Kerschbaum empfindet es als „Ehre, dass sich die Gerasdorfer für Korneuburg entschieden haben.“ Nur die Vorgangsweise ist ihr ein Dorn im Auge: „Es ist völlig unlogisch, dass der Landeshauptmann diskussionslos die Menschen vor vollendete Tatsachen gestellt hat.“