Erstellt am 18. März 2016, 05:04

von Michaela Höberth

Geschichte auf einen Klick. Arbeitskreis Heimatforschung / Hobbyhistoriker aus Sierndorf arbeiten die Geschichte ihrer Heimatgemeinde auf. Ihre Artikel werden auf der Gemeindehomepage veröffentlicht.

Sie alle tragen dazu bei, dass die Geschichte der Gemeinde festgehalten wird: Amalie Mahrer, Bürgermeister Gottfried Muck, Agnes Hannes, Kurt Jüthner, Harald Butter, Georg Bixa, Johann Zauner, Nikodemus Colloredo-Mannsfeld und Ernst Landrichter. Auch Ernestine Meisl und Andreas Haftner, die nicht am Foto sind, gehören dem Arbeitskreis Heimatforschung an.  |  NOEN, privat

"Nur auf Basis unserer Geschichte werden wir unsere Zukunft bauen können.“ So lautet der Leitsatz des Arbeitskreises „Heimatforschung“, kurz HMS. Seine Mitglieder sind leidenschaftliche Hobbyhistoriker, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die Geschichte ihrer Heimatgemeinde detailliert aufzuarbeiten.

Den Grundstein zu der Initiative legten Kurt und Veronika Jüthner, die für ihre Arbeit zu den Marterln der Gemeinde weithin bekannt sind. „Ich habe 40 Jahre in Sierndorf gelebt und nicht gewusst, wo ich eigentlich daheim bin“, erzählt Kurt Jüthner von seinen Anfängen.

In der Pension begann das Ehepaar dann damit, die Entstehung der Marterln mühsam aufzuarbeiten. Dabei stießen sie freilich auch auf viele Dokumente, die zwar interessant, aber für ihr Buch „Geschichte(n) und Kunst am Wegrand“ nicht relevant waren. „Trotzdem begannen wir, vieles zu registrieren. So entstand die Idee, eine Gemeinschaft zu gründen“, schildert Jüthner.

„Das, was ich noch an Arbeit habe, braucht 
entweder einen Lotto-Sechser oder 200
Jahre Zeit!“
Kurt Jüthner, Hobbyhistoriker
und Initiator der HMS

Seit letztem Jahr wird nun in einem Arbeitskreis gearbeitet. Bürgermeister Gottfried Muck ist der Vorsitzende der HMS. Er war sofort von Jüthners Vorschlag begeistert: „Das ist eine tolle Sache. So kann die Geschichte unserer Gemeinde gesichert und zugänglich gemacht werden“, lobt er das Projekt.

15 Mitglieder arbeiten derzeit bei der HMS mit. Sie bringen selbstständig Artikel zu den verschiedensten Themen und aus sämtlichen Katastralgemeinden ein. „Es kann jeder Mitglied werden, der in der Lage und Willens ist, wissenschaftliche Artikel zu verfassen“, legt Jüthner auf korrektes Arbeiten größten Wert. Immerhin sollen die Texte auch als Grundlage für eine weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung dienen und müssen daher fundierte Erkenntnisse und eine klare Quellenlage aufweisen.

Den größten Nutzen aus den Ergebnissen zieht zweifelsohne die Gemeinde, die die Artikel zum Teil in der Gemeindezeitung und vollinhaltlich auf der Homepage veröffentlicht. Dadurch entsteht ein großes Archiv, dass die historischen Geschehnisse nachvollziehbar macht.

Auf der Suche nach Bildmaterial

Die Jüthners arbeiten derzeit an einem vergleichsweise jungen Thema: Sie beschäftigen sich mit dem Leben der Landarbeiter und befragen dazu Zeitzeugen. „Die Leute sind gesprächsbereit, doch die Erinnerungen sind sehr kurzlebig“, weiß Kurt Jüthner um die Pro-blematik dieser Herangehensweise. An was es immer fehlt, ist Bildmaterial. „Wenn jemand alte Ansichten hat, sehr gerne! Es reicht vollkommen, wenn wir die Bilder abfotografieren dürfen“, ist Jüthner für Material immer dankbar.

Offiziell wird sich die HMS beim Dorffest am 7. August vorstellen. Das 50-jährige Bestehen des Erholungszentrums ist der ideale Anlass, um historische Dokumente zu diesem Thema zu präsentieren. „Wir werden alte Schriften der Besucher anbieten, zum Beispiel Briefe in kurrenter Schrift. Geplant haben wir auch das Herstellen von Siegeln vor Ort“, verrät Jüthner. Außerdem wird es eine Broschüre über die Entwicklung des Erholungsangebots geben.