Erstellt am 04. November 2015, 05:47

von Michaela Höberth

Grünen-Kritik: „So ist Dorfplatz ein Albtraum“. Grünen wollen Parkflächen verhindern – für die anderen Parteien schlichtweg unrealistisch.

Für die Autofahrer ist der Dorfplatz eine praktische und zentrale Parkmöglichkeit. Dennoch wollen die Grünen den Ortskern nicht für weitere Parkflächen opfern.  |  NOEN, Foto: Höberth
Parken oder nicht parken? Das ist für die weitere Gestaltung des Dorfplatzes die entscheidende Frage. Seit 2006 wird bereits um das Herzstück der Gemeinde diskutiert. Nachdem nun das Wohn- und Geschäftsgebäude gegenüber der Fläche fertiggestellt ist, will man das Projekt endlich in Angriff nehmen.

„Derzeit arbeiten Experten Vorschläge für den Platz aus“, erklärt VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha. Parkplätze sollen entstehen, immerhin liegen die Arztpraxis, der Grunerhof und zahlreiche Geschäfte rund um den Platz. Ganz zum Missfallen der Grünen, die in der Sache einen gemeinsamen Prozess vermissen.

„Es gab Workshops, bei denen ein ganz anderes Konzept besprochen wurde“, ist Grünen-Sprecherin Alexandra Adler verärgert. Die Partei wünscht sich einen grünen Platz, es soll ein Ort der Begegnung für die Bewohner werden. „So ist das Ortsbild jedenfalls ein Albtraum“, kann Adler beim Anblick der parkenden Autos nur den Kopf schütteln. Auch die Auswirkungen auf den Verkehr machen ihr Sorgen: „Es ist unzeitgemäß, mitten im Ort einen Parkplatz zu machen. Das bringt nur noch mehr Verkehr.“

„Es ist unzeitgemäß, mitten im 
Ort einen Parkplatz zu machen." 
Alexandra Adler

Für die anderen Parteien hingegen sind die Vorstellungen der Grünen unrealistisch: Immerhin verläuft um den Platz die Rohrbacher Straße, laut Zählungen nutzen 4.000 Autos am Tag diese Route. „Das ist einfach kein Platz für Erholung und Ruhe, er liegt ja genau an der Hauptverkehrsader“, kann Jürgen Punzet von der Liste Kreu-zenstein der Forderung der Grünen nichts abgewinnen. Er will abwarten, bis die Expertenvorschläge auf dem Tisch liegen, dann erst kann es mit der Planung weitergehen.

„Wir sehen das genauso. Die Arbeitsgruppe kann sich danach einbringen“, möchte auch SPÖ-Obmann Roland Boigner nicht vorgreifen. „Natürlich hätte jeder gerne einen Hauptplatz aus Gold. Aber die Geschäfte hätten ihre Freude, wenn wir alle Parkplätze auflassen würden“, denkt er auch an die Wirtschaftstreibenden.

Untrennbar mit dem Hauptplatz verbunden ist für die Grünen auch die Verkehrssituation: „Seit der Vorrangänderung ist die Straße überhaupt zur Hochgeschwindigkeitsstrecke geworden“, kritisiert Adler, die eine 30er-Zone in dem Bereich fordert. „Auf einer Landesstraße ist Tempo 30 einfach nicht möglich“, verweist Ina Aigner von der FPÖ auf die Gesetzeslage. Dafür geht man mit Adler umso härter ins Gericht: Sie sei nur bei einem der beiden Workshoptermine zur Gestaltung des Hauptplatzes anwesend gewesen. Außerdem nütze sie ebenso wie alle anderen die Parkflächen und sei daher nicht in der Position, deren Abschaffung zu verlangen.

Verweilzone beim Grunerhof angedacht

Adler kennt diese Vorwürfe zu genüge: „Wie soll ich denn herkommen, wenn nicht mit dem Auto? Ich habe hier nur meinen Zweitwohnsitz, und der öffentliche Verkehr ist nicht genügend ausgebaut“, argumentiert sie. Zu ihrem Fernbleiben beim zweiten Workshop sagt sie nur so viel: „Ich habe mich trotzdem umfassend zu dem Thema informiert und auch nachgefragt“, will sie sich nicht ihre Stimme nehmen lassen.

VP-Ortschefin Batoha verweist auf die langen Diskussionen, die dem aktuellen Prozess vorangegangen sind. „Auch die Bürger konnten sich einbringen, aber irgendwann muss das auch einmal beendet sein“, zieht sie einen Schlussstrich. Sie ist sicher: „Auch mit Parkflächen lässt sich der Platz schön gestalten, es gibt so viele Möglichkeiten.“ Und schließlich kenne es jeder von sich selbst, gerne möglichst nahe an den Läden zu parken. „Da müssen wir uns selbst an der Nase nehmen.“

Batoha hat mittlerweile ganz andere Ideen, wie man das Dorfzentrum nutzen könnte: „Es wäre auch möglich, beim Grunerhof eine Verweilzone zu schaffen. Das wäre für das Café und das Veranstaltungszentrum eine Aufwertung“, findet sie. Sie will das Expertenteam damit betrauen, einen Vorschlag dafür auszuarbeiten – aber zunächst hat der Dorfplatz Priorität. „Zuerst wird dort die Gestaltung abgeschlossen“, so Batoha.

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