Erstellt am 30. Dezember 2015, 05:03

Heldentat mit dem eigenen Leben bezahlt. Ertrunkener Lebensretter, Feuerteufel, das Ende von zwei Traditionsbetrieben und ein „Blechhaufen“ erregten 2015 die Gemüter der NÖN-Leser.

Foto des Jahres: Die Festspiele Stockerau feierten mit »Don Camillo und Peppone« einen grandiosen Festspiel-Erfolg. Alle 24 Termine waren restlos ausverkauft, womit insgesamt 16.600 Personen das Sommer-Highlight in der Lenaustadt besuchten. Einen großen Anteil am Erfolg der Komödie von Giovannino Guareschi, hatten dabei die beiden schlagkräftigen Hauptdarsteller Hort Heiss (r.) als streitbarer Pfarrer Don Camillo und Christoph F. Krützler (l.) als kommunistischer Bürgermeister Peppone  |  NOEN, Festspiele Stockerau/Johannes Ehr

Korneuburger von Spitälern abgelehnt – er stirbt am Weg nach St. Pölten

Ende Jänner alarmiert eine Angehörige des Korneuburger Feuerwehrmanns Christian Neumayer die Rettung, die sofort nach dem Eintreffen am Einsatzort mit der Reanimation des 25-Jährigen beginnt. Am Weg in des Universitätsklinikum nach St. Pölten stirbt der Patient. Wenige Tage nach der Tragödie wird bekannt, dass der Korneuburger zuvor von zwei Wiener Spitälern abgelehnt wurde.

„Die abgefragten Krankenhäuser, SMZ und AKH, hatten für den Reanimationspa-tienten keine Kapazitäten frei“, erklärt Rotkreuz-Sprecher An-dreas Zenker auf NÖN-Anfrage. Anstelle des etwa zehn Minuten Fahrzeit entfernten SMZ Ost bleiben für die Retter das Landesklinikum Mistelbach und das Universitätsklinikum St. Pölten zur Auswahl, man entscheidet sich für die Landeshauptstadt, da dort die notwendige Herz-Lungen-Maschine verfügbar ist. Gerüchte, wonach der Korneuburger in Wien abgelehnt wurde, weil er Niederösterreicher war, weisen auf NÖN-Anfrage alle Beteiligten zurück.

Nur wenige Tage nach dem Fall des Korneuburgers wird auch eine Enzersfelderin von Wiener Krankenhäusern abgelehnt, auch sie wird nach St. Pölten gebracht, wo sie an Myokarditis stirbt. „Wir haben in Wien angefragt, wo zu diesem Zeitpunkt leider keine Kapazitäten frei waren“, heißt es vonseiten der Rettungsleitstelle 144 Notruf Niederösterreich. Sowohl die Rettungsleitstelle als auch die Landeskliniken-Holding betonen aber die gute Zusammenarbeit mit den Wiener Kollegen.
 

Aus für zwei renommierte Stockerauer Betriebe

25 Jahre gehörte die Stockerauer Möbelfirma de Witt zur Stadt Stockerau. Nach einem Eigenantrag wird Ende Jänner am Landesgericht Korneuburg der Konkurs eröffnet. Von diesem sind insgesamt fünf Filialen, sechs Franchise-Unternehmer sowie 36 Dienstnehmer und über 40 Gläubiger betroffen. Den Grund für den Konkurs sieht Eigentümer Gerhard de Witt in Zahlungsausfällen von Kunden und Franchise-Partnern sowie im Produktionsstandort Österreich: „Der Standort ist zu teuer. Ich bin aber zu sehr Patriot, um die Produk-
tionsstätte ins Ausland zu verlagern.“

Ende April gibt ein zweiter Traditionsbetrieb der Stadt, Saint Gobain Isover Austria, die Stilllegung der Produktion mit Ende des Jahres am Standort bekannt. Nahm der Konzern zuvor an, dass 90 Mitarbeiter ihren Job verlieren, sind es schlussendlich „nur“ 70 Personen. Die Schuld an der Entwicklung gibt Isover den Überkapazitäten auf dem europäischen Dämmstoffmarkt. Anstelle der Fertigung entsteht am Standort eine Logistikdrehscheibe für Dämmstoffe.

Isover schafft es im Jahr 2015 aber noch einmal in die Schlagzeilen. Ende November erschüttert eine enorme Explosion das Stadtgebiet. Die Druckwelle ist bis in benachbarte Gemeinden zu hören. Rasch ist klar, dass die Detonation vom Gelände des Dämmstofferzeugers stammt. Riesenglück haben dabei die Stockerauer Florianis, denn diese sind bereits am Unfallort, als es am anderen Ende des Betriebsobjekts zur Detonation kommt.
 

Stockerauer „Blechhaufen“ sorgt für Diskussionen

Für österreichweites Aufsehen und viel Diskussionen sorgt ein Kunstwerk mit dem Namen „Here After Here After Here“ beim Kreisverkehr bei der Autobahnabfahrt Stockerau Ost. Die Installation ist eines von drei Kunstwerken, die von der Initiative „10 vor Wien“ in Zusammenarbeit mit „Kunst im öffentlichen Raum“ in Auftrag gegeben wurden. Beim Stockerauer Kreisverkehr wurde eine riesige Endlosschleife mit den für Autobahnen typischen Hinweisschildern aufgestellt.

Während die einen die 70.000 Euro teure Skulptur als Blechhaufen bezeichnen, können ihr Stockeraus Stadtchef Helmut Laab, Kultur-Stadträtin Andrea Völkl und Landtagsabgeordneter Hermann Haller einiges abgewinnen. „Man muss sich etwas trauen. Die Stockerauer werden noch stolz darauf sein“, so Haller.
 

Feuerteufel legt sieben Brände in Korneuburg

Mehr als eine Woche hält ein Brandstifter die Bewohner in der Korneuburger Stockerauer Straße 46 in Atem. Begann die Brandserie mit zwei Kellerbränden, wurden in der Folge auch ein Müllplatz sowie Gegenstände am Hausflur angezündet. Am folgenschwersten wirkt die Brandlegung in einem Installationsschacht. Dadurch fällt nicht nur die Stromversorgung im Haus aus, die Mieter müssen auch aus Sicherheitsgründen ausziehen.

Nach dem siebenten Brandanschlag kann die Polizei eine 22-jährige Mutter, die selbst Mieterin im Gemeindebau war, als Täterin ausforschen. „Sie hat sich vernachlässigt gefühlt. Durch die Brandlegungen hätte sie mehr Aufmerksamkeit bekommen“, schildert Johann Baumschlager von der Landespolizeidirektion das Tatmotiv.
 

Heldentat mit dem eigenen Leben bezahlt

Er war mit Freunden in der Stockerauer Au, um den sonnigen Freitag zu genießen, doch diesen Tag überlebte der gebürtige Wullersdorfer (Bezirk Hollabrunn) Robert Haas nicht. Der Rettungssanitäter ertrank, als er zwei Kindern im Alter von sieben und zwölf Jahren das Leben rettete.

Während des Sonnenbadens bemerkt der 23-Jährige, dass die beiden Kinder in einem Seitenarm der Donau zu ertrinken drohen. Ohne zu zögern stürzt er sich, wie Augenzeugen berichten, mit Gewand in die Fluten. Er rettet die beiden Mädchen, wird unmittelbar danach aber selbst von einer Stromschnelle erfasst und durch die starke Sogwirkung in die Tiefe gezogen.

Die am Unglücksort eingetroffenen Einsatzkräfte suchen intensiv unter Wasser nach dem Unfallopfer. Als sie den engagierten Freiwilligen des Roten Kreuzes endlich entdecken, übergeben sie ihn dem Notarzt. Trotz sofortiger Reanimationsmaßnahmen stirbt Haas aber noch an der Unfallstelle.
 

Die schlimmste Unwetter-Katastrophe, die es je im Bezirk gegeben hat

Diese Nacht Anfang Mai werden die Bewohner von Großmugl, Ernstbrunn und Göllersdorf nicht so schnell vergessen. Mitten in der Nacht gehen sintflutartige Regenfälle mit Hagel über den Gemeinden nieder. Die Folgen sind fatal: Schlammlawinen wälzen sich durch die Ortschaften, aus harmlosen Gerinnen werden reißende Bäche.

Besonders betroffen ist wieder einmal Herzogbirbaum, aber auch in Großmugl, Steinabrunn, Ottendorf, Ringendorf und Nursch werden Keller überflutet. Die Feuerwehr muss Menschen aus ihren Häusern evakuieren, in manchen Kellern werden die Autos an die Decke gerückt. „Ich habe so etwas in meiner gesamten Laufbahn noch nicht erlebt“, kommentiert Bezirksfeuerwehrkommandant-Stellvertrerter Wilfried Kargl das Geschehen. Großmugl startet nach dem Unwetter eine große Offensive zum Hochwasserschutz.
 

Es war das Jahr der skurrilen Geschichten

Die Fahrgäste im Zug zücken ihre Handykameras – dass ein nackter Mann am Bahnhof Stockerau herumspaziert, kommt schließlich nicht alle Tage vor. Der Mann jedenfalls legt im Bahnhofspark seine Kleider ab und genießt die Märzsonne. Die Polizei macht dem Treiben ein Ende und liefert den rund 30-Jährigen in die Sozialpsychiatrie Hollabrunn ein.

Waldkauz Paula hat sich bei der Feuerwehr Hagenbrunn – im wahrsten Sinne des Wortes – einen Namen gemacht. Das erschöpfte Tier wird aus einem Kamin gerettet und nach einem Aufenthalt in der Tierklinik in die Freiheit entlassen. Nach elf Tagen gibt es ein Wiedersehen: Der gleiche Kauz steckte im gleichen Kamin. Die Feuerwehr gibt ihm den Namen Paula und lässt den Vogel im Wald frei. Seither dürfte Paula Kamine meiden.

Ein Pferd, das durch ein Wohnmobil in ein Bett stürzt, gibt es nicht alle Tage. Die Stute Netti vollbringt dieses „Kunstwerk“ in Wollmannsberg. Das 28-jährige Pferd war in der Nacht aus der Koppel ausgebrochen und über einen Hang auf ein Hallendach gestürzt, unter dem der Wohnwagen steht. Netti überlebt ihren Ausflug mit ein paar Schürfwunden.
 

Wille des Volkes: Gerasdorf kommt zum Bezirk Korneuburg

Eigentlich hätte die Stadt Gerasdorf mit der Neustrukturierung des Bezirks Wien-Umgebung zum Bezirk Gänserndorf wandern sollen. Das wollen die Bürger aber partout nicht: 83 Prozent sprechen sich in einer Bürgerbefragung für den Bezirk Korneuburg aus. Ab 1.1.2017 wird der Bezirk dann 10.600 Einwohner mehr und neben Korneuburg und Stockerau auch eine dritte Stadt haben.
 

Das beherrschende Thema waren die Flüchtlinge

In den letzten Monaten gibt es fast kein anderes Thema, vor allem in den beiden Städten. In Korneuburg ziehen die ersten jugendlichen unbegleiteten Flüchtlinge Anfang des Jahres ins Landesjugendheim ein. Von Anfang an werden sie großartig von der Bevölkerung unterstützt. Anfang September geht die Bezirkshauptstadt dann in die Offensive und kündigt an, dass 250 Flüchtlinge aufgenommen werden – in der ehemaligen SDV-Schule und in Containern beim Landesjugendheim.

Viel emotionaler verläuft die Debatte um die Aufnahme von Flüchtlingen in Stockerau. Zuerst sind das Areal bei der Arche und das ehemalige Bezirksgericht im Gespräch. Beiden Standorten wird eine Absage erteilt. Für Proteststürme sorgt die Ankündigung, dass Container neben dem Erholungszentrum aufgestellt werden sollen. Aktueller Stand der Dinge: Spätestens Mitte Jänner werden 150 Flüchtlinge ins alte Bezirksgericht einziehen, das derzeit gerade adaptiert wird.
 

Klarer Sieger bei Gemeinderatswahl

Mit diesem Erfolg hätte er selbst nicht gerechnet. Bürgermeister Christian Gepp übertrifft in Korneuburg alle Erwartungen: Die ÖVP legt um 10 Prozent zu und holt sich die absolute Mehrheit. SPÖ-Spitzenkandidat Robert Zodl kündigt nach dem abermaligen Verlust von fünf Mandaten noch am Wahlabend seinen Rückzug an.

In Stockerau schafft die ÖVP die Umfärbung nicht. SPÖ und ÖVP verlieren leicht, SP-Stadtchef Helmut Laab sichert sich durch eine Zusammenarbeit mit der FPÖ den Bürgermeistersessel. Einen historischen Wahlerfolg fährt VP-Ortschef Günter Trettenhahn in Bisamberg mit zwei Drittel aller Stimmen ein. In Leitzersdorf muss die Wahl nach der SP-Wahlanfechtung wiederholt werden.
 

Zitate des Jahres

„Ich heiße nicht Vassilakou und stehe zu meinem Wort.“
FP-Fraktionsobfrau Sabina Kracher (Stockerau) vergleicht Flüchtlinge mit Parasiten und tritt zurück

„Wir können uns derzeit ja nicht einmal einen Radiergummi ohne Fremdbedeckung leisten.“
Stockeraus VP-Parteichefin Andrea Völkl zum neuen Verkehrskonzept

„Wir kaufen keinen Maserati, sondern einen Opel, aber auch der muss bezahlt werden. Man muss hinterfragen, wofür wir die Ausgaben tätigen.“
VP-Stadtchef Christian Gepp im Rahmen der Korneuburger Budgetdebatte

„Ich will eine Hetz haben. Das heißt nicht, dass ich keinen Biss habe. Ich will ins Finale und nehme das auch ernst. Ob ich es schaffe, weiß ich nicht; ich bin kein Prophet, nur die Gitti.“
Jazz Gitti über ihre 2016 beginnende Dancing-Star-Karriere

„Wenn ich vermisst werde, druckt mein Gesicht nicht auf eine Milchpackung, sondern lieber auf eine Flasche Wein. Meine Freunde finden mich dann eher.“
Leobendorfs VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha im Rahmen der Weintaufe in Leobendorf


2015 nahmen wir Abschied von ...

Günter Glasl. Am 14. Dezember stirbt der ehemalige VP-Ortschef von Leitzersdorf, Günter Glasl, nach langer Krankheit. Er wurde in Stockerau geboren und besuchte die Volksschule in Leitzersdorf. Eigentlich ausgebildeter Nachrichtentechniker, arbeitete er als Berufsschullehrer. Von 2000 bis 2005 war er Vizebürgermeister, von 2005 bis 2010 übernahm er die Leitung der Gemeinde. In diesen Jahren arbeitete er eng mit der SPÖ zusammen, mit der die Partei eine Koalition eingegangen war.

Wilhelm Wild. Am 13. November wird der langjährige Ortsvorsteher von Maisbirbaum und VP-Gemeinderat Wilhelm Wild zu Grabe getragen. Er verstirbt nach kurzem, schwerem Leiden. Geboren 1937, heiratete er 1960 seine Frau Maria. Der gemeinsame Lebensweg bescherte ihnen mit Wilhelm, Andrea und Monika drei Kinder. Von 1985 bis 1995 war Wild Ortsvorsteher von Maisbirbaum, im Gemeinderat war er für die Bereiche Bau- und Siedlungswesen, Landwirtschaft sowie für den Prüfungsausschuss zuständig.

Franz Helfer. Seinem Nachnamen stets gerecht wurde der Sierndorfer Franz Helfer: Er stirbt im Alter von 75 Jahren nach langer Krankheit. Von 1985 bis 2010 war er durchgehend für die SPÖ im Gemeinderat vertreten. Doch auch im Vereinsleben war Helfer aktiv: Er spielte Tischtennis und war seit der Sektionsgründung für deren finanziellen Geschicke zuständig. Für den Pensionistenverband NÖ organisierte er für Stockerau Reisen. Seine Leidenschaft war jedoch die Kunst: Von 1954 bis 1968 arbeitete er bei dem berühmten Künstler Wilhelm Thomasch. Er blieb dem Handwerk des Figurenformers und Retuscheurs auch privat treu.

Fritz Kaindl. Am 13. September verstirbt der gebürtige Stockerauer Fritz Kaindl im 94. Lebensjahr. Er wurde 1964 Professor für Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien und 1968 Klinikvorstand der ersten kardiologischen Universitätsklinik in Österreich. Er hat die Disziplin Kardiologie universitär bis 1992 pionierhaft und visionär geleitet. 1971 schuf Kaindl gemeinsam mit ORF-Generaldirektor Gerd Bacher unter der Kampagne „Schach dem Herztod“ den Grundstein für den Österreichischen Herzfonds, dem er als Ehrenpräsident vorstand.

Alfred Furtmüller. Am 8. März verstirbt Alfred Furtmüller aus Stockerau im 99. Lebensjahr. Er war Jugendinspektionsrat, Regierungsrat und Inhaber des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um das Bundesland NÖ.

Adolf Goll. Der Ernstbrunner Künstler „Ado“ Goll verstirbt im Jänner in seinem 76. Lebensjahr. Er war weithin als Allroundtalent bekannt. Der internationalen Kunstwelt hinterließ er den „Goll’schen Stein“, eine Art Knetmasse.