Erstellt am 08. September 2015, 06:37

von Michaela Höberth

Grüne: B6-Umfahrung ist Schildbürgerstreich. Die Landes-Grünen haben das Projekt zum „Schildbürgerstreich des Monats“ gekürt. Die Ortspartei will alternative Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung aufzeigen.

Die Harmannsdorfer Grünen wollen aufzeigen, wie man den Verkehr auch ohne Umfahrung beruhigen kann. Viktoria Stuppner, Gemeinderat Wilfried Fasching, Eva Hofbauer und Helmut Feichtinger erhalten dabei Unterstützung von Klubobfrau Helga Krismer, die das Projekt scharf kritisiert: »Eine Entlastung kann nicht nur durch Beton erfolgen. Es ist absurd, so zu bauen wie in den 50er-Jahren.« Foto: Höberth  |  NOEN, Michaela Höberth

Für die Grünen lässt sich die B6-Umfahrung in einem Wort treffend beschreiben: Schildbürgerstreich. Seit Anfang des Jahres kürt die Landespartei monatlich den niederösterreichischen Schildbürgerstreich, im September ist die Wahl auf das Umfahrungsprojekt gefallen.

Stuppner arbeitete 18 Punkte aus

„Die einzige Lösung für eine Entlastung ist derzeit, eine weitere Straße zu bauen. Aber die Geschichte zeigt: Das ist der falsche Weg!“, ist Klubobfrau Helga Krismer überzeugt. Vielmehr brauche es ein Zusammenspiel von verschiedenen Maßnahmen, um die Bewohner an der B6 von dem Verkehr zu entlasten.

Viktoria Stuppner von der Ortspartei hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und 18 Punkte ausgearbeitet, mit denen man auch ohne Umfahrung für eine Verkehrsberuhigung an der Bundesstraße sorgen könnte (siehe unten).

Doch so überzeugend diese Vorschläge auch sein mögen: An dem Projekt Umfahrung lässt sich nicht mehr rütteln - das wissen auch die Grünen. Dennoch hoffen sie, dass sich der Umsetzungsprozess hinzieht. Immerhin hat das Land viele Bauprojekte am Laufen, die auch mit hohen finanziellen Belastungen verbunden sind.

„Ich halte nichts von Verzögerung, wenn
sich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung
die Umfahrung wünschen.“
Hermann Haller, ÖVP

Ob alle Baumaßnahmen nach Plan umgesetzt werden können, ist für die Grünen daher fraglich. „Ebenso könnte es sein, dass sich durch die nötigen Grundablösen eine Verzögerung ergibt“, so Stuppner.

Außerdem haben die Umfahrungsgegner eine Beschwerde eingereicht, die noch nicht vom Verfassungsgericht geprüft wurde – die NÖN berichtete:

„Ein so großes Projekt wie die Umfahrung ist irreversibel“, mahnt Stuppner. Daher wollen die Grünen alles daran setzen, dass ihre Maßnahmen rasch umgesetzt und so Alternativen aufgezeigt werden. Außerdem drängen sie auf eine genaue Messung der Verkehrsströme, um festzustellen, wie viel Verkehr selbst produziert wird.

Für ÖVP-Landtagsabgeordneten Hermann Haller steht die Umfahrung nicht länger zur Diskussion. „Ich halte nichts von Verzögerung, wenn sich mehr als 90 Prozent der Bevölkerung die Umfahrung wünschen“, macht er klar.

Die Grundablösen seien bereits gestartet. Auch mit den Besitzern der drei Häuser, die für den Bau der Umfahrung geschliffen werden müssen, habe man ein gutes Einvernehmen.

Für Haller sprechen die bereits erhobenen 9.000 Fahrzeuge, die pro Tag den Ort durchqueren, für sich. Über das Vorgehen der Landes-Grünen ist er verärgert: „Ich kann es nicht nachvollziehen, wenn bezahlte Leute einfach mitreden, aber nichts machen. Ich hätte Frau Krismer vier Scheibtruhen voller Unterlagen zu dem Projekt liefern können“, so Haller.


Die Alternativen:

  • Öffentlicher Verkehr

  • Ausbau der Bahnlinie

  • Ausbau der Radwege

  • Autos mit Alternativenergien

  • Carsharing

  • Mitfahrgelegenheit

  • Mobile Nachbarschaftshilf

  • Tempo 30 im Ort

  • Tonnagebeschränkungen

  • LKW-Fahrverbot

  • Schutzwege, Ampel

  • Verkehrsinseln

  • Kreisverkehr

  • Einsatz von Flüsterasphalt

  • Radwege und Fußgängerwege

  • Grünflächen

  • Radarboxen

„Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Verkehrsberuhigung, sondern auch zur Verkehrssicherheit bei“, so Viktoria Stuppner von den Grünen.