Erstellt am 27. November 2015, 05:18

von Michaela Höberth und Markus Glück

„Ist nicht der Weisheit letzter Schluss“. Bildungsdebatte | Für Pflichtschulinspektor Fürst bringt die Reform viele Vorteile. SP-Bildungsstadtrat Peterl hätte sich mehr erwartet.

Josef Fürst ist als Pflichtschulinspektor für Teile des Bezirks zuständig.  |  NOEN, Foto: privat

In der letzten Woche präsentierte die Bundesregierung die ausverhandelte Bildungsreform. Die größten Veränderungen sind ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr, ein Bildungskompass sowie mehr Freiheiten für die Direktoren der Schule.

Angesprochen auf die neun Bildungsdirektion, die die Schulverwaltung vereinfachen sollen, erklärt Pflichtschulinspektor Josef Fürst, der für Teile des Bezirks zuständig ist: „In Niederösterreich sind bereits viele Verwaltungsabläufe vereinfacht. Durch die Schaffung von fünf Bildungsregionen und fünf Außenstellen gibt es keine Zweigleisigkeiten.“ Fürst befürwortet auch die Einführung eines Bildungskompasses, wodurch frühzeitig Unterstützungsmaßnahmen gesetzt werden können. Für die Schüler ergeben sich durch die Bildungsreform laut Fürst einige Vorteile: „Durch die Autonomie der Schulen kann das Team vor Ort auf die regionalen Bedürfnisse eingehen.“

Können Modellregionen Kritiker überzeugen?

Positiv beurteilt der Pflichtschulinspektor auch die frei gestaltbare Stundentafel sowie die Schaffung von pädagogischen Freiräumen.

Für Korneuburgs SP-Bildungsstadtrat Martin Peterl ist die Reform nur ein Anfang: „Sie basiert auf zu vielen Kompromissen, das ist schade. Das ist nicht der Weisheit letzter Schluss.“ Ein Herzensanliegen ist ihm die Gesamtschule; er hofft, dass Kritiker durch die Modellregionen vom Wert dieser Schulform überzeugt werden können. „In einer Gesamtschule werden die schwächeren Schüler unterstützt und die stärkeren gefördert. Man sieht in den nordischen Ländern, dass das Modell ein Erfolg ist.“

Die NÖN fragte auch an den Schulen und Kindergärten nach. Dort verwies man an höhere Stellen und wollte zur aktuellen Bildungsdebatte kein Statement abgeben.

Details zur Reform

• Kindergarten: Die Bundesregierung führt ein zweites „verpflichtendes“ Kindergartenjahr ein, welches für alle Kinder im Alter von vier und fünf Jahren gilt. Kinder, die keinen akuten Förderbedarf haben, können allerdings davon abgemeldet werden.

• Mehr Freiheiten für Direktoren: Künftig werden Direktoren auf fünf Jahre bestellt. Dafür erfährt ihre Position eine Aufwertung. So können sie sich neue Lehrer aussuchen, die aus einer Lehrerdatenbank ausgewählt werden können. Lehrer können zudem ihren Unterricht freier gestalten.

• Gesamtschule: Eine flächendeckende Gesamtschule wird nicht umgesetzt. Dafür wird jedem Bundesland die Schaffung von Modellregionen ermöglicht. Bedingung: Die Zahl darf 15 Prozent aller Standorte der Schulart nicht überschreiten.