Erstellt am 12. November 2015, 12:38

von Veronika Löwenstein und Markus Glück

ISTmobil: Kritik an langen Wartezeiten. Noch sind nicht alle mit den Spielregeln des neuen Systems vertraut. Ab Anruf ist nicht sicher, dass in einer Stunde ein Taxi kommt.

 |  NOEN, APA

11.000 Personen haben in den ersten sechs Monaten seit Start des ISTmobils die neue Form des Anrufsammeltaxis genutzt. In der Zeit von April bis September konnte die Zahl der Fahrgäste um 19 Prozent gesteigert werden. Auch das Ziel, mehrere Personen auf einmal in einem Taxi zu befördern, ist aufgegangen. Der Besetzungsgrad ist von 1,1 Personen zu Beginn auf 1,3 Personen gestiegen.

Streitpunkt "Taxi-Bestellung"

„Kritik hören wir nicht oft“, sagt Doris Hahn von der ISTmobil-Projektleitung. Dennoch gibt es offenbar immer noch Missverständnisse. Dazu zählt auch die Bestellung für eine gewünschte Abfahrtszeit. Thomas D. aus Stockerau hat mehrmals die Erfahrung machen müssen, dass zur gewünschten Zeit kein Taxi verfügbar war. „Mein Anruf erfolgte um 15.25 Uhr, gewünschte Abholzeit am Bahnhof Stockerau wäre 16.20 Uhr gewesen. Das nächste Taxi wäre aber erst um 16.49 Uhr verfügbar gewesen“, schildert D. einen konkreten Fall.

Es sei ein Irrglaube, dass innerhalb einer Stunde nach der Bestellung ein Taxi bereit stehe, erklärt Hahn und stellt klar: „Nach 14 Uhr hat das ISTmobil insgesamt 60 Minuten ab gewünschter Abfahrtszeit zur Vermittlung eines Fahrzeugs Zeit. Im konkreten Fall liegt die Differenz zur Wunschzeit bei 29 Minuten“, rechnet sie vor. Nichtsdestotrotz sei man bemüht, Fahrten möglicht nach Kundenwunsch durchzuführen.

„Nach 14 Uhr hat das ISTmobil insgesamt 60 Minuten ab gewünschter Abfahrtszeit zur Vermittlung eines Fahrzeugs Zeit.“ Doris Hahn, ISTmobil

Im Fall von Thomas D. wäre schließlich auch eine Sammelfahrt möglich gewesen, worüber dieser auch verständigt wurde. Da hatte der ISTmobil-Kunde aber schon eine andere Abholmöglichkeit organisiert. Braucht man also am Nachmittag zu einer bestimmten Zeit ein Taxi, rät Hahn, zumindest drei Stunden vorher zu bestellen. „Umso früher, umso sicherer“, gibt sie als Devise aus, „wenn man kurzfristig bestellt, dann bekommt man das nächste freie Fahrzeug.“

Auch mit dem Pendlerabo hat Thomas D. keine guten Erfahrungen gemacht. Konkret stört ihn, dass man das Abo am Nachmittag nur nutzen kann, wenn schon in der Früh eine Fahrt stattgefunden hat. „Wir wollen ja den Sammeleffekt haben“, kontert die ISTmobil-Projektleiterin. Außerdem sei es für das System logistisch nicht nachvollziehbar, welche Rückfahrt am Nachmittag durchgeführt wird, wenn am Vormittag keine Hinfahrt eingebucht wurde.

Kritik wird ernst genommen

Stockeraus SP-Bürgermeister Helmut Laab verspricht, jede Kritik am IST-Mobil ernst zu nehmen: „Wir müssen immer wieder nachjustieren. Daneben gibt es laufend Evaluierungen. Ich bin mit dem Ablauf aber sehr zufrieden.“ In der Diskus-sion rund um das IST-Mobil verweist das Stockerauer Stadtoberhaupt auch auf die zukunftsweisende Entscheidung für den Bezirk: „Das IST-Mobil ist eine Erfolgsgeschichte. Zu uns kommen Delegationen aus ganz Österreich, zuletzt aus Graz und den Raum Klagenfurt, um sich vor Ort ein Bild zu machen.“ Das rege Interesse an dem Vorzeigemodell bestätigt auch Re-gionssprecher Hermann Haller. Er möchte jetzt eine Offensive in den Gemeinden starten, um Missverständnisse auszuräumen und die Werbetrommel zu rühren.

„Viele glauben, dass man Mitglied sein muss. Das ist aber nicht so“, nennt Haller ein Beispiel. Besonders stolz ist er, dass sowohl die Auslastung als auch die Finanzierung im Plan lägen. Thomas D. sieht jedenfalls einen Rückschritt gegenüber dem Vorgängersystem STOXI. Er will daher eine persönliche Konsequenz aus seinen Erfahrungen ziehen: „Meine Familie kam in den letzten neun Jahren mit einem Auto im vierköpfigen Haushalt sehr gut zurecht. Aufgrund der verkehrsplanerischen Fehlleistung ISTmobil werden wir jetzt, entgegen unserer umweltpolitischen Einstellung, ein zweites Auto anschaffen müssen.“