Erstellt am 22. September 2015, 07:40

von Veronika Löwenstein

Justizanstalt platzt aus allen Nähten. Allein 83 Schlepper sitzen derzeit in der Justizanstalt Korneuburg. Die U-Haft ist für das Personal besonders arbeitsintensiv.

Anstaltsleiter Wolfgang Turner hat derzeit mit einem übervollen Haus zu kämpfen. Während im Jahr 2014 durchschnittlich 271 Strafgefangene untergebracht waren, schnellte die Zahl aufgrund der Schlepperkriminalität Anfang August auf 305 Häftlinge in die Höhe. Foto: Löwenstein  |  NOEN, Veronika Löwenstein

Die Kapazitäten in der Justizanstalt Korneuburg sind erschöpft. „Wir hatten in der letzten Zeit eine massive Überbelegung“, bestätigt Anstaltsleiter Wolfgang Turner.

267 Haftplätze bietet die moderne Anstalt, die seit drei Jahren in Betrieb ist. Anfang August ist mit 305 Häftlingen ein neuer Höchststand erreicht worden. „Wir sind absolut an der Grenze“, alarmiert Turner.

Situation vergleichbar mit Fass ohne Boden

Grund für den rapiden Anstieg ist die Schlepperkriminalität im Gerichtssprengel. Allein derzeit sind 83 Schlepper in Haft. Nur 14 sind verurteilt, der Rest befindet sich in Untersuchungshaft. „Die U-Haft ist für das Personal aufgrund der Ausführungen besonders arbeitsintensiv“, beschreibt Turner.

Die 84 Justizwachebeamten müssen sich momentan um 155 Untersuchungshäftlinge kümmern. Die Schlepper kommen aus 16 verschiedenen Ländern, allen voran aus Serbien und Rumänien. Auch ein Österreicher sitzt aus diesem Grund hinter schwedischen Gardinen. In die Einzelzimmer wurden mittlerweile Stockbetten gestellt, um den „Andrang“ zu bewältigen.

60 Strafgefangene wurden bereits in andere Haftanstalten überstellt. Aber es ist ein Fass ohne Boden, wie der Anstaltsleiter veranschaulicht: „An einem Freitag haben wir zwölf Strafgefangene in andere Anstalten gebracht, in der Nacht von Freitag auf Samstag wurden neun Schlepper eingeliefert.“

„Wir mussten teilweise Betriebe sperren und
konnten die gesetzlich vorgeschriebene
Freizeitgestaltung nicht mehr durchführen.“
Wolfgang Turner

Nach den schrecklichen Ereignissen mit den 71 Toten war eine kurze Pause spürbar, dann gingen die Zahlen wieder nach oben. „Wir rechnen aber damit, dass durch die Grenzkontrollen die Aufgriffe wieder weniger werden“, so Turner. „Es wäre höchste Zeit, wir hätten keine Betten mehr frei und könnten auch keine mehr aufstellen.“ Durch die großen Häftlingszahlen musste man Prioritäten setzen. „Wir mussten teilweise Betriebe sperren und konnten die gesetzlich vorgeschriebene Freizeitgestaltung nicht mehr durchführen“, bedauert er.

Auch fünf Frauen sind unter den Schleppern. Sie sind in der Frauenabteilung untergebracht, die es seit der Eröffnung des Hauses gibt. Auch für Turner eine neue Situation. Frauen seien in der Haft viel schwieriger, weil betreuungsintensiver.

„18 Frauen machen so viel Arbeit wie 200 Männer“, meint er mit einem gewissen Augenzwinkern. Frauen würden sich schlechter mit ihrer Situation zurechtfinden und ihre Konflikte anders austragen, beschreibt er.

Ansonsten ist er mit dem modernen Haus mehr als zufrieden. Das spiegle sich auch im Verhalten der Häftlinge wider. Seit dem Umzug vom Hauptplatz sind die Zahl der Ordnungswidrigkeiten rapide gesunken und die Kosten für Medikamente um zwei Drittel zurückgegangen.