Erstellt am 28. Mai 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

Karrée soll die neue Herzkammer werden. In zwei Jahren sollen Wohnungen, Büros und Parkplätze entstehen. Die Bürgerinitiative „Rettet den Stadtkern“ ist enttäuscht.

Gemeinsamer Spatenstich, nachdem alle Genehmigungen da sind: Hans-Thomas Müller, Korneuburger Geschäftsstellenleiter, Christoph Schäffer, Hypo-NÖ-Immobilien-Geschäftsführer, Peter Harold, Hypo-NÖ-Generaldirektor, Alois Aigner, Geschäftsleiter ARE Development, Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser, Bürgermeister Christian Gepp, Josef Fuhs, Geschäftsführer HAZEZ Bau und Baustadtrat Hubert Holzer (v.l.).  |  NOEN, Löwenstein
Am Freitag fiel der offizielle Startschuss für das Karrée Korneuburg: Mitten am Hauptplatz, wo früher Landesgericht und Justizanstalt waren, entstehen 68 Wohnungen, Büro- und Geschäftsflächen sowie 214 Parkplätze.

„Es ist klar, dass es bei einem Bauprojekt wie
diesem nicht nur Gewinner gibt. Das brauchen
wir nicht zu besprechen.“
Bürgermeister Christian Gepp

Für die Hypo NÖ war es eine lange Durststrecke bis zur Erteilung der Baugenehmigung, für die Anrainer eine Ernüchterung. „Es ist klar, dass es bei einem Bauprojekt wie diesem nicht nur Gewinner gibt“, machte VP-Stadtchef Christian Gepp bei der Spatenstichfeier klar. Seit einem guten Jahr arbeite man an dem Projekt, berichtete Hypo- NÖ-Generaldirektor Peter Harold. „Im Bau ist es nicht leichter als im Bankwesen, Genehmigungen zu bekommen“, folgert der Korneuburger.

Hypo wie Stadt erwarten sich durch das Projekt neue Impulse für den Hauptplatz. „Es ist ein großes, nicht unumstrittenes Projekt“, gestand der Bürgermeister, „aber wir wollen garantieren, dass das Zentrum lebendig bleibt.“ Für Gepp wird das Karrée die „neue Herzkammer der Stadt“.

Ederle: "Schade um den Stadtkern"

Für die Anrainer, die sich mit der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtkern“ gegen die Dimensionen des Baus mit bis zu 24 Metern Höhe gestemmt hatten, ist das Kapitel geschlossen. „Das Thema ist gegessen, schade ums Stadtbild“, bilanziert Sprecher Robert Enderle enttäuscht. „Wir werden wegziehen“, kündigt Anrainerin Isabella Kremnitzer-Nowak an. Und sie weiß von zumindest drei Familien, die es ihr gleich tun wollen. Das einzige Entgegenkommen des Bauwerbers hätte darin bestanden, dass noch eine kleine Stufe eingebaut wurde.

„Eine Stiege hat ein Stockwerk weniger, die Gesamthöhe bleibt“, bedauert Kremnitzer-Nowak, die sich mehr erwartet hätte. Vor allem durch die offene Garage erwartet sie sich eine Beeinträchtigung der Lebensqualität. In der Umwidmung durch die ÖVP nach Gewinn der absoluten Mehrheit ortet sie den eigentlichen Skandal. Man hätte alles versucht, das Projekt auch für die Anrainer akzeptabel zu machen, betont Stadtchef Gepp. Das sei auch gelungen, glaubt er, denn: „Es gibt nicht mehr viele, die dagegen auftreten.“

Enderle hat seinen Lebensmittelpunkt auf die Philippinen verlegt. Deshalb trifft ihn die zwei Jahre dauernde Baustelle nicht so hart. Was bleibe, sei die „enorme Wertminderung unserer Liegenschaft.“ Schuld gibt er auch der Stadtgemeinde: „Ich kann nicht verstehen, wie ein Bürgermeister so ein Projekt umsetzen kann.“