Erstellt am 22. September 2015, 07:29

von Veronika Löwenstein

In dubio pro reo gilt nicht für alle. Veronika Löwenstein über Schulbesuch als Stück Normalität.

Dass sie in die Schule gehen dürfen, ist für die Flüchtlingskinder, die beim Roten Kreuz untergebracht sind, das größte Geschenk. Immer wieder haben sie danach gefragt. Ein Achtjähriger aus Afghanistan, der zwei Jahre auf der Flucht war, hat noch nie eine Schule von innen gesehen.

Der tägliche Schulbesuch ist ein erster Schritt in ein normales Leben. Dem jungen Syrer, der im Landesjugendheim lebt, bleibt die Chance, eine Schule zu besuchen, verwehrt - obwohl er einen offiziellen Pass hat, der sein Alter mit 14 Jahren angibt. Nach einem Handwurzelröntgen ist er um zwei Jahre gealtert. Damit darf er nicht mehr in die Schule gehen.

Was das unserem System bringen soll, ist unklar. Außer dass ihm die Chance, das System künftig weniger zu belasten, verwehrt bleibt.

Dazu kommt, dass das Handwurzelröntgen auch unter Experten sehr umstritten ist, weil der Rückschluss vom Skelett auf das Lebensalter nur bedingt möglich ist. Der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gilt in Österreich zwar bei Strafprozessen, nicht aber offenbar bei Flüchtlingen.