Erstellt am 10. August 2016, 05:00

von Veronika Löwenstein

Spiegel unserer Gesellschaft?. Veronika Löwenstein über die vermehrten Fälle von unentdeckten Toten.

Es ist der dritte Fall innerhalb von vier Monaten: Im April wurde ein Mann tot in seinem Haus in Korneuburg entdeckt, nachdem Nachbarn wegen des übervollen Briefkastens Alarm geschlagen hatten.

Sein Tod lag mindestens zwei Wochen zurück. Nur zwei Wochen später wurde in unmittelbarer Nähe wieder ein Toter gefunden. Auch er war bereits vor mindestens zehn Tagen gestorben. Letzte Woche hielt die Gemeinde Langenzersdorf auf einem verwahrlosten Grundstück Nachschau und fand die mumifizierte Leiche des Besitzers. Sein Tod liegt mindestens vier Monate zurück.

Alle drei Männer hatten kaum soziale Kontakte und litten offenbar am Messie-Syndrom. Zufall oder Spiegel einer sich verändernden Gesellschaft? Kommuniziert wird über Facebook und WhatsApp, selbst die Gesprächsdauer am Telefon geht laut wissenschaftlichen Untersuchungen zurück. Tote, die lange nicht entdeckt wurden, waren früher städtische Phänomene. Wir alle haben heute viel mehr Kontakte als früher. Der wesentliche Unterschied liegt in der Qualität dieser Kontakte.