Erstellt am 15. September 2015, 06:47

von Veronika Löwenstein

Für Flüchtlingsjungen endete Schule abrupt. Syrischer Flüchtlingsjunge wurde nach Handwurzelröntgen in Korneuburg um zwei Jahre älter eingestuft. Seine Schulkarriere soll nun nach einer guten Woche enden.

Nach einem Handwurzelröntgen darf ein syrischer Flüchtlingsbub nicht mehr die Schule besuchen. Foto: Shutterstock/itsmejust  |  NOEN, Shutterstock/itsmejust
Seit dem Schulstart besucht auch ein syrischer Flüchtlingsbursche die Polytechnische Schule in Korneuburg. Doch damit soll auch schon wieder Schluss sein, so wollen es zumindest die Behörden.

Einstufung nach Röntgen: 16 statt 14

Poly-Direktorin Helene Fuchs-Moser, die als VP-Vizebürgermeisterin auch für Integration zuständig ist, kann die Entscheidung so gar nicht nachvollziehen.

Der Jugendliche kam Anfang des Sommers als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling ins Landesjugendheim Korneuburg. Davor war er im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen untergebracht

Der Bursche ist im Besitz eines syrischen Reisepasses, der sein Alter mit 14 Jahren angibt. Da die Behörden offenbar skeptisch waren, wurde ein Handwurzelröntgen durchgeführt, woraufhin der Syrer um zwei Jahre älter eingestuft wurde.

Nachricht kam eine Woche nach Schulstart

Die Nachricht erreichte die Poly-Direktorin eine Woche nach Schulbeginn, offiziell hat sie das Schreiben noch nicht. „Er fällt jetzt trotz seines gültigen syrischen Reisepasses aus der Schulpflicht“, ist sie entsetzt. Dabei habe sich der Bursche in der Schule sehr wohl gefühlt und sei bereits voll inte-griert gewesen, erzählt sie.

„Er darf nicht mehr in die Schule und wird damit um eine echte Chance gebracht“, bedauert sie. Dass dem Röntgen mehr Priorität eingeräumt wird als dem offiziellen Reisedokument, hält sie für einen „unglaublichen Unfug“.

Noch dazu, wo diese Methode der Altersbestimmung sehr umstritten ist, weil die physiologische Schwankungsbreite sehr groß ist, so Experten. „Zur Zeit besucht der Flüchtlingsbub noch die Schule. „Ich habe noch nichts Offizielles erhalten“, betont Fuchs-Moser im NÖN-Gespräch.