Korneuburg

Erstellt am 22. Juli 2016, 05:00

von Veronika Löwenstein

Gardena-Projekt: Anrainer wehren sich gegen Vorwürfe. Anrainer des Wohnbauprojekts haben „die Nase voll“, dass die Gemeinde jede Schuld bei Abrissmisere von sich weist.

Elisabeth Fasina vor dem Areal, wo fünf Doppelhäuser, 96 Eigentumswohnungen und eine Tiefgarage entstehen sollen.  |  Löwenstein

„Wir haben die Nase voll, dass wir als Schmarotzer hingestellt werden!“ Anrainern der Gardena-Gründe platzte nach Aussagen von VP-Bürgermeister Christian Gepp in der letztwöchigen NÖN der Kragen.

Man verwehre sich gegen den Vorwurf, dass man beim Protest gegen das Wohnbauprojekt der Hypo-Tochter „Stettnerweg 11-15 Liegenschaftsentwicklungs GmbH“ nur auf den eigenen Vorteil bedacht sei, machen Elisabeth Fasina und Martina Mayerhofer ihrem Ärger Luft.

Kluft zwischen Gemeinde und Anrainern

Die Kluft zwischen Gemeinde und Anrainern ist tief, seit die Abrissarbeiten der ehemaligen Gardena-Hallen tiefe Spuren an zehn Häusern hinterlassen haben. Eine Mauer stürzte in einen Garten, tiefe Risse an den Wänden erinnern heute noch an den Abbruch. „Bei uns löst sich der Wintergarten, wir sind fertig mit den Nerven“, beschreibt Fasina ihren Seelenzustand.

Mit Schrecken erinnert sie sich an die Abbrucharbeiten: „Sechs Tonnen schwere Brocken wurden von acht Metern Höhe hinuntergeschmissen. Es war wie ein Erdbeben, das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat.“

Dass Stadtchef Gepp behauptet, der Gemeinde seien die Hände gebunden gewesen und nur die Baufirma verantwortlich, wollen die Anrainer nicht gelten lassen. Nachdem die ersten Schäden an ihren Häusern aufgetreten waren, hatten sie mehrmals die Gemeinde kontaktiert und einen Abrissstopp gefordert. „Doch die Gemeinde hat nicht reagiert“, bedauert Fasina.

„Man hätte Schäden minimieren können“

Die Anrainer haben dann einen Anwalt eingeschaltet, der innerhalb von drei Tagen einen Abrissstopp bei Gericht erreicht hat. „Wenn die Gemeinde rechtzeitig reagiert hätte, hätte man die Schäden minimieren können“, ist sich Fasina sicher, sie ortet deshalb auch eine Mitschuld der Gemeinde.

Auch Anwalt Herwig Ernst aus Korneuburg kann die Rechtfertigung der Gemeinde nicht nachvollziehen: „Dass sich die Gemeinde für unzuständig erklärt, ist meines Erachtens falsch. Wenn Gefahr in Verzug ist, ist die Gemeinde verpflichtet einzuschreiten.“

Die Gemeinde hat die Einsprüche der Anrainer gegen das Projekt abgewiesen, diese wollen aber weiter kämpfen und den Bescheid beeinspruchen. Demnächst werden sie auch Landeshauptmann Erwin Pröll eine Unterschriftenliste – 100 gegen das Gardena-Projekt, 400 gegen den „Bauwahn in Korneuburg“, wie es die Anrainer formulieren – überreichen.