Korneuburg , Klosterneuburg

Erstellt am 12. April 2017, 04:00

von Veronika Löwenstein und Michaela Höberth

Neuer Anlauf? Brücken-Thema wird aufgewärmt. Sonja Zwazl hat die Diskussion über eine Verbindung zwischen den beiden Städten neu entfacht.

Die Rollfähre ist derzeit die einzige Verbindung zwischen Korneuburg und Klosterneuburg.  |  Ernst Weingartner

Es war alles vorbereitet für den Bau einer Brücke zwischen Korneuburg und Klosterneuburg. In den 1980er-Jahren wurde bei der Autobahnauffahrt Korneuburg-Ost schon der Brückenansatz gebaut. Die Realisierung ist damals an Klosterneuburg gescheitert, der Ansatz wurde weggerissen.

Sonja Zwazl, Wirtschaftskammer-NÖ-Präsidentin und selbst Klosterneuburgerin, brachte das Thema beim jüngsten Landesparteitag der ÖVP erneut aufs Tapet. Von der Bühne aus ließ sie die neu gewählte VP-Obfrau Johanna Mikl-Leitner, ebenfalls Klosterneuburgerin, wissen: „Über eine Donaubrücke müssen wir noch einmal reden!“

Gegenüber der NÖN bestätigt Zwazl ihr Anliegen: „Ich will, dass diese Diskussion wieder in die Gänge kommt.“ Einen Mitstreiter findet sie bei dem Thema im Bezirksstellenobmann der Wirtschaftskammer Peter Hopfeld. Auch er ist der Meinung, dass es Sinn mache, diese beiden Regionen zusammenzuführen. Die Wahl von Mikl-Leitner sei ein willkommener Anlass, „seine Eckpfeiler einzuschlagen“.

„Die ÖVP Klosterneuburg kommt sehr spät drauf, dass sie eine Brücke will. Es wurde alles weggerissen und weggesprengt.“Martin Peterl, SP-Bezirkschef

Trotzdem sagt Hopfeld auch: „Ich bin Realist.“ Eine Brücke würde viel Geld verschlingen, Anrainerproteste seien vorprogrammiert und man wisse nicht, ob sie mit den heutigen Umweltauflagen zu realisieren wäre, gibt er zu denken. Er preist dafür alternative Lösungen wie eine Seilbahn über die Donau an, betont dabei aber: „Eine Brücke wäre am besten und effektivsten.“

„Die Klosterneuburger Wirtschaft war immer dagegen“, erinnert VP-Bezirksobmann LAbg. Hermann Haller, „sonst wäre die Brücke gebaut worden“, ist er überzeugt. Die Wirtschaftstreibenden hatten die Sorge, dass man in Korneuburg billiger einkaufe. „In puncto Lebensqualität und Wirtschaftsraum haben wir viel aufgeholt“, gibt Haller zu denken.

"Vielzahl an Möglichkeiten"

Die fehlende Verbindung war das Hauptargument, warum Klosterneuburg bei der Neuordnung des Bezirks Wien-Umgebung nicht Korneuburg zugeordnet wurde, erinnert Haller. Eine Brücke würde eine Vielzahl an Möglichkeiten eröffnen, denkt der VP-Bezirkschef schon weiter. „Vom gemeinsamen Wirtschaftsraum bis zum gemeinsamen Krankenhaus“, zählt er auf. Er möchte jedenfalls in naher Zukunft das Gespräch mit der Klosterneuburger Politik suchen.

„Die ÖVP Klosterneuburg kommt sehr spät drauf“, reagiert SP-Bezirksparteiobmann Martin Peterl auf den neuen Anlauf, „es wurde alles weggerissen und weggesprengt“, erinnert er – Geld, das man jetzt wieder neu investieren müsste. Wobei die SPÖ grundsätzlich für eine Brücke steht. „Es wäre ein Gewinn für Korneuburg“, ist Peterl sicher.

Für FP-Bezirkparteiobmann Robert Koppensteiner ist klar: Es kommt nicht von ungefähr, dass das Thema jetzt wieder aufgewärmt wird. „Nächstes Jahr stehen die Landtagswahlen an.“ Er habe nicht den Eindruck, dass Klosterneuburg auf eine Verbindung brenne. „Natürlich ist jede Donauquerung nicht unwichtig. Aber die Frage ist: Wieviel Austausch gibt es hier wirklich?“, stellt er in den Raum. Geht es nach Koppensteiner, haben andere Projekte weitaus höhere Priorität: „Zum Beispiel die Umfahrung in Harmannsdorf“, will er lieber hier eine Lösung sehen.

Laut Befragung ist Brücke nicht relevant

„Wir haben in Korneuburg ganz andere Prioritäten“, ist die Grünen-Bezirkschefin Elisabeth Kerschbaum das „Orchideenthema“ Donaubrücke mittlerweile leid. Bei einer Befragung zum Verkehr im Jahre 2015 zeigte sich klar, dass eine Querung nach Klosterneuburg für die Bürger kaum relevant ist. „Zudem ist zu befürchten, dass eine Brücke Ausweichverkehr nach Korneuburg bringen würde“, warnt Kerschbaum.

Eine bessere öffentliche Anbindung wäre für sie eine weitaus wichtigere Investition. „Damit wäre auch den Wirtschaftstreibenden geholfen“, ist sie überzeugt.

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