Erstellt am 08. September 2015, 06:52

von Veronika Löwenstein

Land sucht Standort für Container-Dorf. Land NÖ hat angekündigt, 60 Flüchtlinge in Stockerau unterbringen zu wollen. Platz bei der Arche gefällt Politikern nicht.

Flüchtlinge  |  NOEN, APA/Hans Klaus Techt

Diese Woche sind zwei Familien aus Syrien in der Lenaustadt angekommen. Sie wurden in zwei Wohnungen untergebracht, die adaptiert wurden. Rund 30 Flüchtlinge leben derzeit in Stockerau, aber es könnten demnächst mehr werden.

Das Land NÖ hat bei der Gemeinde angeklopft. Ein Container-Dorf für rund 60 Flüchtlinge, die vom Arbeitersamariterbund (ASB) betreut werden, soll auf landeseigenen Grundstücken errichtet werden.



Die Rede ist von 26 Containern, die Platz zum Wohnen, Sanitäranlagen und Küchen bieten. Die Aufstellung ist für drei Jahre ausgerichtet, der Aufbau könnte in fünf Wochen abgeschlossen sein.

Noch nicht geklärt ist die Frage des Standortes. Den vom Land NÖ anvisierten Garten bei der Arche lehnen die Stockerauer Politiker geschlossen als zu klein ab. In Frage kämen auch noch der Konviktpark oder Flächen beim Krankenhaus. „Wir arbeiten an der bestmöglichen Lösung“, verspricht SP-Bürgermeister Helmut Laab. Auch die Experten des ASB seien bei der Standortsuche eingebunden.

„Die Stadt hat in der Flüchtlingsfrage bisher die Augen
verschlossen und den Kopf in den Sand gesteckt.
Vielleicht wegen des Kooperationspartners?“
Martin Fischer, NEOS

Die Grünen begrüßen das Projekt an sich, ärgern sich aber einmal mehr über die „desaströse Informationspolitik“ des Bürgermeisters, wie es Grünen-Gemeinderat Andreas Straka ausdrückt. Gemeinsam mit der ÖVP hieven sie das Thema deshalb auf die Tagesordnung der nächsten Gemeinderatssitzung, die diesen Mittwoch stattfindet.

„Vor allem die Standortfrage ist ganz wichtig. Die Container sollen drei Jahre bleiben, das gehört gut abgewickelt“, fordert VP-Stadträtin Andrea Völkl. Dass jede Gemeinde ihren Beitrag leisten müsse, steht für sie „außer Frage“. Die Grünfläche bei der Arche hält sie für nicht geeignet, „da muss mehr Platz zur Verfügung stehen.“

Der Kritik an der Informationspolitik schließen sich auch die NEOS an. Die Gemeinde habe in der Flüchtlingsfrage bisher „die Augen verschlossen und den Kopf in den Sand gesteckt“, findet NEOS-Gemeinderat Martin Fischer. „Vielleicht aus Angst vor dem Kooperationspartner?“, mutmaßt er.

„Wichtig ist, die Leute einmal ankommen zu lassen“

Asyl zu gewähren und zu helfen, sieht Fischer als humanitäre Pflicht. „Die Leute kommen nicht aus Jux und Tollerei, die werden weggebombt und fürchten um ihr Leben“, gibt er zu bedenken.

„Wir können nichts dagegen machen, wir werden zwangsbeglückt“, kommentiert der designierte FP-Bürgermeister-Stellvertreter Erwin Kube die Ankündigung vom Container-Dorf. Er persönlich fürchtet, dass es nicht bei den 60 bleiben wird, „aber wir werden ja sehen.“

Die Kritik an mangelnder Information weist Laab zurück. „Es gibt schließlich noch nichts Konkretes.“ Sobald man mehr wisse, werde man die Bevölkerung - zum Beispiel über die Stadtzeitung - informieren, versichert der Stadtchef.

„Wir sind gut organisiert“, beruhigt er. „Wichtig ist, die Leute einmal ankommen zu lassen und dass sie sich wohl und sicher fühlen und ihr Leben neu ordnen können.“