Langenzersdorf

Erstellt am 15. Juli 2016, 05:00

von Bernhard Preineder

Neuer Anlauf für Arztstelle. Nach einer langen Durststrecke meldeten sich nun doch zwei Ärzte für die dritte noch offene Kassenarztstelle in der Hanak-Gemeinde. Sie werden sich einem Hearing stellen.

Bernhard Ebner (ÖVP) gibt Entwarnung: „Zwei Kandidaten haben sich gemeldet!“  |  NOEN

NÖN-Leser wissen es: Bedingt durch eine Pensionierung gibt es in der gesamten Marktgemeinde derzeit nur zwei Kassenärzte. „Aus unserer Sicht ist diese Situation untragbar. Für eine Gemeinde mit fast 9.000 Einwohnern ist das völlig unzureichend“, kritisierte der stellvertretende Vorsitzende der SPÖ, Christoph Baumgärtel, im NÖN-Gespräch und wirft gleichzeitig der ÖVP mangelnde Bereitschaft vor, dem entgegenzuwirken.

„Wir in der SPÖ wurden bereits vor Wochen auf die schwierige Situation aufmerksam gemacht. Es ist derzeit für die Gemeinde offenbar nicht möglich, eine Nachbesetzung der dritten Kassenarztstelle zu ermöglichen.“ Viele müssten jetzt private Ärzte in Anspruch nehmen, auch solche mit geringerem Einkommen – eine Zwei-Klassen-Medizin, die Baumgärtel strikt ablehnt.

Er fordert jetzt von der Gemeinde, unverzüglich auf mögliche Bewerber zuzugehen und ihnen hinsichtlich einer Niederlassung ein annehmbares und attraktives Angebot zu machen. „Es ist wirklich erstaunlich, ja geradezu undenkbar, dass die Gemeinde seit Monaten tatsächlich niemanden findet, der hier – direkt vor den Toren Wiens – eine Kassenstelle eröffnen möchte. Im tiefsten Waldviertel ist man das ja leider schon gewohnt, aber in Langenzersdorf stellt das einen neuen Tiefpunkt der mangelnden Versorgungslage dar“, wundert sich Baumgärtel.

Arbesser: "Lassen notwendige Starthilfe zukommen"

Die SPÖ selbst hätte bereits einen möglichen Kandidaten an der Angel, leider scheitere es aber an passenden Räumlichkeiten und seitens der Gemeinde wäre diesbezüglich laut Baumgärtel auch keine Unterstützung wahrnehmbar.

Christoph Baumgärtel (SPÖ) bemängelte die mangelnde Unterstützung durch die Gemeinde.  |  Preineder

Die NÖN konfrontierte Bürgermeister Andreas Arbesser (ÖVP) mit den Vorwürfen. Er lässt diesen nicht auf sich sitzen und widerspricht klar: „Wenn sich jemand meldet, dann werden wir ihm auch die notwendige Starthilfe zukommen lassen. Das werden wir jedenfalls im Gemeinderat so fordern.“

Bernhard Ebner ist der Vorsitzende des Sozialausschusses und somit auch für diese Causa zuständig. „Seit Monaten sind wir mit der Ärztekammer und den betreffenden Krankenkassen in Kontakt. Dass sich lange Zeit niemand gemeldet hatte, dürfte aber nicht am Praxisplatz selbst, sondern vielmehr an der alleinigen Ausschreibung durch die NÖ Gebietskrankenkassen ohne Einbindung der anderen Kassen (BVA, KVA, …) gelegen haben.

Im vierten Anlauf gibt es zwei Bewerber

Mittlerweile kann er aber verkünden: „Im vierten Anlauf gab es nun doch endlich zwei Bewerbungen.“ Die Namen können aus Datenschutzgründen und wegen möglicher Einflussnahme seitens der Ärztekammer NÖ derzeit aber noch nicht weitergegeben werden.

Zum weiteren Ablauf: Die Ärztekammer wird die Voraussetzungen der Kandidaten prüfen, zur Abhandlung weitergeben und Mitte September nach einem Hearing eine kommissionelle Entscheidung treffen. Ebner: „Danach werden wir dann ein Gespräch mit dem Mediziner über etwaige Unterstützung seitens der Gemeinde führen.“ Bis dahin bittet er noch um etwas Geduld.