Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:02

von Michaela Höberth

Konflikt in der Pfarre: Rücktritte angedroht. Nach Streitigkeiten hat Pfarrer Ferenc angekündigt, sein Amt niederzulegen. Pfarrgemeinderat überlegt die Auflösung.

Wie wird es in der Pfarre Leobendorf weitergehen? Gespräche mit dem Bischof sollen eine Entscheidung bringen.  |  NOEN, Seufert

In der Pfarre hängt der Haussegen schief. Dass es zwischen Pfarrmoderator Marek Ferenc und seinem Pfarrgemeinderat Unstimmigkeiten gibt, ist kein Geheimnis. Nun drohen die Streitigkeiten jedoch aus dem Ruder zu laufen: Ferenc spielt mit dem Gedanken, die Pfarre zu verlassen. Der Pfarrgemeinderat denkt im Gegenzug darüber nach, sich vollständig aufzulösen.

Schon in der letzten Sitzung des Pfarrgemeinderats sind zwei Mitglieder zurückgetreten. Anfang des Monats machte man erneut den Versuch, die Probleme zu besprechen. Es wurde Stillschweigen über die Verhandlungen vereinbart. In seinen nächsten Messen in Tresdorf und Leobendorf brach Ferenc jedoch das Schweigen und verlas ein selbstverfasstes Schreiben, das die Situation aus seiner Sicht darstellte.

„Es hat bereits eine Mediation gegeben, 
die gescheitert ist. Dennoch setzen wir 
auf einen weiteren Versuch.“
Michael Prüller, Erzdiözese

„Ich habe nur gesagt, was ich im letzten Jahr erlebt habe. Die Leute haben das Recht zu wissen, was sich hinter den Kulissen abspielt“, steht Ferenc zu seiner Entscheidung. Ins Detail möchte er nicht gehen. Dennoch macht er keinen Hehl da-raus, dass es Angriffe gegen seine Person gegeben hat, man hätte ihm sogar die Tür gewiesen. „Ich habe keine Unterstützung vom Pfarrgemeinderat erfahren, und das tut weh.“

Für Ferenc geht es um den Rücktritt - auch wenn er betont, Leobendorf gar nicht verlassen zu wollen: „Die Gemeinde hat so viel Potenzial“, ist er sicher. Ein Gespräch mit dem Bischof soll eine Entscheidung bringen.

Die Medaille habe jedoch zwei Seiten, wie die stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Hedwig Kadletz, klar macht: „Wir fühlen uns vom Pfarrer angegriffen“, spielt sie den Ball an Ferenc zurück. Dass die Verschwiegenheitspflicht so ohne Weiteres gebrochen wird, will man sich nicht gefallen lassen. Ob sich das Gremium jedoch tatsächlich auflöst, sei - entgegen der brodelnden Gerüchteküche - noch in Schwebe. „Wir müssen überlegen, wie wir reagieren“, so Kadletz. Auch hier hätte es bereits einen Austausch mit dem Bischof gegeben, nun wartet man auf Entscheidungen.

Batoha: "Schwierig neue Leute zu finden"

„Staat und Kirche gehören getrennt, und das handhabe ich auch so“, will sich VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha nicht in die Angelegenheit einmischen. Sie sieht einen geschlossen Rücktritt des Pfarrgemeinderats jedoch kritisch: „Es wird schwierig sein, neue Leute zu finden“, glaubt sie. „Sollte sich der Pfarrgemeinderat auflösen, rücken die Ersatzmitglieder nach. Ansonsten wird bis zu den nächsten Wahlen 2017 ein Gremium aus Gemeindebürgern vom Diözesanbischof bestellt“, erklärt Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien. Die Arbeit müsse weitergehen, ist der Pfarrgemeinderat doch neben organisatorischen Arbeiten auch mit der Vermögensverwaltung betraut.

Falls Pfarrmoderator Ferenc tatsächlich zurücktritt, wird bis kommenden September eine interimistische Lösung gefunden. „Erst dann werden die Stellen neu verteilt“, so Prüller. Doch so weit will die Diözese noch gar nicht denken: „Wir setzen auf einen weiteren Versöhnungsversuch“, möchte man die Beteiligten trotz bisherigen Scheiterns an einen Tisch bringen.