Erstellt am 25. September 2015, 06:02

von Michaela Höberth

Private als einzige Chance. Eine Familie aus Syrien ist in eine Wohnung der Pfarre eingezogen. Allerdings fehlt es der Gemeinde an weiteren Unterbringungsmöglichkeiten.

Eine Wohnung der Pfarre wird das neue Zuhause für ein syrisches Ehepaar und seine drei Söhne. Die Wohnung wurde liebevoll ausgestattet, auch Lebensmittel wurden gespendet. VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha und Pfarrmoderator Marek Ferenc in der Küche der Immobilie.  |  NOEN, Höberth

Der vergangene Montag bedeutete für eine Familie aus Syrien einen Neustart: Sie bezog eine Wohnung der Pfarre, die von den Gemeindemitarbeitern in nur zwei Tagen komplett ausgemalt und mithilfe vieler Freiwilliger liebevoll gestaltet wurde.

„Die Hilfsbereitschaft war enorm. Es wurden teils neuwertige Möbel gespendet, sogar Elektrogeräte wurden der Familie zur Verfügung gestellt“, ist VP-Bürgermeisterin Magdalena Batoha dankbar. Auch Freiwillige, die die neuen Bewohner bei der Orientierung und beim Erlernen der Sprache unterstützen wollen, haben sich rasch gefunden. „Wir werden alles tun, damit sich die Familie bei uns wohlfühlt“, verspricht die Gemeinde-Chefin. Man will dem Familienvater eine Stelle im Bauhof anbieten.

„Die Hilfsbereitschaft war enorm. Es
wurden Möbel gespendet und Elektrogeräte
zur Verfügung gestellt.“
Magdalena Batoha, ÖVP-Bürgermeisterin

Vor rund drei Wochen hatte die Gemeinde Kontakt zu Traiskirchen aufgenommen. Zunächst gab es jedoch eine Absage seitens der Verantwortlichen: „Es hieß, Leobendorf liege für viele Flüchtlinge zu ländlich“, erklärt Batoha. In einem Schreiben stellte sie daraufhin die Gemeinde und ihre Vorzüge vor - prompt fand sich eine Familie, die hier ein neues Leben beginnen möchte.

Die erste Reaktion aus dem Flüchtlingslager zu verurteilen, liegt Batoha fern. „Abgesehen davon, dass viele Flüchtlinge nicht im Land bleiben wollen, bietet ihnen eine Stadt große Vorteile. Ich denke aber auch, dass sich viele in einer größeren Gruppe wohler fühlen, immerhin teilen diese Menschen das selbe Schicksal“, versucht sie die Situation nachzuvollziehen.

Sicher ist jedoch: Es wird für Leobendorf nicht bei einer Flüchtlingsfamilie bleiben. Da die Gemeinde jedoch keine Grundstücke mehr besitzt und auch die Pfarre über keine weiteren Ressourcen mehr verfügt, wird die Unterbringung weiterer Flüchtlinge kein Leichtes.

„Wir müssen uns vorbereiten“, ist SPÖ-Fraktionsobmann Roland Boigner überzeugt. Er sieht im privaten Bereich wenig Chancen, kann sich jedoch die Errichtung von Wohncontainern vorstellen. „Jedenfalls wäre eine Veranstaltung für die Bürger wichtig“, findet auch Parteiobmann Martin Brunner.

Punzet: "Begrüße dezentrale Verteilung"

„Reden, reden, reden“, will auch Grünen-Sprecherin Alexandra Adler: „Man muss an einem runden Tisch klären, welche Ressourcen es gibt, wer helfen kann und will und was noch gebraucht wird“, ist sie überzeugt. Sie will die Problematik proaktiv angehen - die Gemeindeleitung ist ihr zu zögerlich.

Klein zu beginnen, ist für LKR-Gemeinderat Jürgen Punzet der richtige Weg. „Ich begrüße die dezentrale Verteilung, die Menschen können sich in kleinen Gruppen besser integrieren“, argumentiert er. Bis zu zehn Familien seien für die Gemeinde zu verkraften, „doch dafür wird ein öffentlicher Aufruf nötig sein“, sieht auch er private Quartiere als Lösung.

Die FPÖ stößt sich vor allem an dem Vorgehen der Bundesregierung: „Den Flüchtlingen ist nicht geholfen, wenn man ihnen falsche Versprechungen macht“, so der ehemalige Gemeinderat Wolfgang Kadur. Informationsveranstaltungen hält er für unnötig, immerhin gebe es genügend Information aus den Medien. „Wichtiger ist, dass jemand Verantwortung übernimmt“, findet er.

Batoha hofft, dass sich Private für die Unterbringung finden: „Vielleicht ergeben sich Möglichkeiten, wenn die Bewohner die Flüchtlingsfamilie besser kennengelernt haben.“