Erstellt am 24. Februar 2016, 14:04

von Jutta Hahslinger

Nach Hetzjagd: Raser machte sich vor Angst in die Hose. Erst ein künstlich erzeugter Stau der Polizei bei Stockerau und plattgeschossene Reifen beenden Halsbrecher-Fahrt auf Autobahn.

Anklägerin Gudrun Bischof zum Raser, der sich über rüde Polizeibehandlung beschwert: »Es muss schon viel passieren, dass Polizisten die Waffe ziehen!«  |  NOEN, NÖN

"100 in drei Sekunden", schwärmt ein Angestellter vor Gericht von seinem 742 PS starken Audi. Der 56-jährige Wiener gibt zu, am 30. Oktober vergangenen Jahres auf der Donauuferautobahn im Bereich Langenzersdorf, Korneuburg und Stockerau zu schnell unterwegs gewesen zu sein.

Staatsanwältin zeigt sich unbeeindruckt

An Einsicht, dass er mit Tempo 225 km/h im Schlängelkurs durch die Verkehrskolonnen eine Gemeingefährdung darstellte, lässt er es aber mangeln. Er spricht mit sichtlichem Stolz von über zwei Millionen unfallfrei abgespulten Fahrkilometern: „Ich beherrsche mein Auto“, erklärt er und ergeht sich dann lieber in Unmutsäußerungen über die Polizei: „Die haben mich wie einen Schwerverbrecher behandelt. Sie haben mich mit der Waffe im Anschlag aus dem Wagen gezerrt. Ich war geschockt über das rigorose Vorgehen und hatte Angst, dass sie mich erschießen.“

Verteidiger Herbert Eichenseder legt noch ein Schäuferl nach: „Er hat sich aus Angst in die Hose gemacht!“

Sichtlich unbeeindruckt entgegnet Staatsanwältin Gudrun Bischof harsch: „Sie brettern mit über 200 km/h im dichten Berufsverkehr dahin, gefährden zahlreiche Verkehrsteilnehmer und reagieren nicht auf die Anhaltesignale der Polizei. Nur ein künstlich erzeugter Stau bei Stockerau brachte Sie zum Anhalten. Polizisten umzingeln dann den Wagen und Sie bleiben einfach sitzen, kommen der Aufforderung, den Wagen zu verlassen, nicht nach.

Bewährung und Geldstrafe wegen Gemeingefährdung

Dann setzen Sie trotz auf Sie gerichteter Waffen zur Weiterfahrt an. Erst plattgeschossene Reifen haben Sie zum Aufgeben gebracht. Und da wundern Sie sich über das Vorgehen der Polizei? Es muss schon sehr viel passieren, dass Polizisten zur Waffe greifen. Und das ist es auch! Ist Ihnen klar, was für ein Glück Sie hatten, dass kein Unfall passiert ist?“ Sichtlich ungehalten antwortet der Wiener: „Ich bin 25 Jahre unfallfrei gefahren.“

Richterin Lydia Rade verhängt über den bislang unbescholtenen Wiener wegen Gemeingefährdung eine unbedingte Geldstrafe von 4.160 Euro und 15 Monate auf Bewährung. Das Urteil ist rechtskräftig.