Erstellt am 10. Dezember 2015, 12:29

von APA Red

Nach Störfall: Kwizda investiert 20 Mio. Euro. Nach der Verunreinigung des Korneuburger Grundwassers durch Pestizide hat Kwizda Agro, Anbieter von Pflanzenschutzmitteln und Blattdünger, in Leobendorf bereits fünf von acht Schlüsselprojekten zur Modernisierung der Produktionsstätte umgesetzt.

 |  NOEN, Veronika Löwenstein
Nach den Worten von Geschäftsführer Andreas Stöckl werde das Werk in Sachen Prozesstechnologie, Umweltschutz und Sicherheit zur Benchmark in Europa.

Bei einem Pressegespräch am Donnerstag bezifferte Stöckl das von 2013 bis 2018 laufende Investitionsprogramm mit 20 Mio. Euro. Die bisher gesetzten Maßnahmen hätten gegriffen und zu sehr positiven Ergebnissen geführt. Das Vertrauen nicht nur der Anrainer und Behörden, sondern auch der Kunden - laut Stöckl die "Großen der Branche" in Europa - sei wieder da.

Bisher flossen zwölf Millionen

Das Hauptproblem waren die Abwasser, die Erneuerung bzw. das Effizienzprogramm habe aber auch zu einer Kapazitätssteigerung geführt. Heute seien daher mehr Mitarbeiter am Standort tätig als vor dem Störfall im August 2010 (102 Beschäftigte und aufgrund der saisonalen Schwankungen bei der Produktion 25 temporäre Leiharbeiter). Insgesamt zählt die Kwizda Agro GmbH, Teil der Kwizda Unternehmensgruppe, mit Zentrale in Wien und Vertriebsstandorten in Europa rund 275 Mitarbeiter. Die Exportquote liegt bei 90 Prozent.

Bisher flossen zwölf Millionen u.a. in die Umschließung des Firmenareals durch eine 815 Meter lange, 15 Meter in die Erde reichende Sperrwand, die vor einem Jahr fertiggestellt wurde. Damit könne nun keinerlei etwaige Kontamination mehr ins Grundwasser gelangen, erläuterte Werksleiter Manfred Winter.

Seit dem Sommer wird am Abwassersystem gearbeitet, wobei "Rohr-in-Rohr"-Systeme mit kontinuierlicher Lecküberwachung installiert werden. Bis 2017 sollen sämtliche unterirdischen Rohrleitungen und Sammelbecken erneuert werden.

Kwizda: 98 Prozent des Grundwassers wieder in Ordnung

Die Produktionsanlagen werden sicherheitstechnisch nachgerüstet, Abluftfilter modernisiert und auch die Entwässerung der Lager- und Verkehrsflächen neu konzeptioniert, um möglichen Zwischenfällen beim Be- und Entladen der Lkw zu begegnen. Neben den baulichen Maßnahmen wurden bis zur Halbzeit des Programms auch die Zertifizierungen gemäß ISO 9001, ISO 14001 und OHSAS 18001 abgeschlossen. Es gebe auch keinerlei Geruchsbeschwerden mehr.

Bereits 98 Prozent des Korneuburger Grundwassers seien wieder in Ordnung. Die restlichen zwei Prozent würden eine derart verschwindend kleine Menge darstellen, dass sogar die Analyse schwierig sei, wurde betont, dass "absolut keine Umweltgefährdung" mehr bestehe.

Parallel zu den Sanierungsmaßnahmen habe sich das Unternehmen auch nach außen geöffnet, verwies Stöckl auf Informationsveranstaltungen für die nach dem Störfall sensibilisierten Anrainer. Mittlerweile seien die Anrufe bei der eingerichteten Grundwasser-Hotline verebbt.

Heute sei man auch "entspannter" als vor einem Jahr, erinnerte der Geschäftsführer an die Gerichtsverhandlung wegen der undichten Abwasseranlagen, die mit Diversion und Geldbußen geendet hatte. Laut dem Richter war der Vorwurf der vorsätzlichen Beeinträchtigung der Umwelt nach dem Beweisverfahren nicht aufrechtzuerhalten, ab dem Erkennen des Schadens 2010 sei das Verhalten in Bezug auf Sanierungsmaßnahmen "vorbildlich" gewesen.