Sierndorf

Erstellt am 26. April 2017, 05:00

von Michaela Höberth

Biogasanlagen stehen vor dem Aus. Fünf Millionen Euro an Förderungen reichen nicht, um Anlagen zu erhalten. Betreiber wehren sich.

Sie kämpfen für den Erhalt der Biogasanlagen: Bezirksbauernkammer-Obmann Manfred Weinhappel, Hubert Hochfelsner, Michael Planer, Markus Kirstorfer, Ernst Strohmayer und Stefan Habacht.  |  Höberth

2004 entschlossen sich sechs Landwirte zu einem großen Schritt: Sie bauten nahe Oberhautzental eine Biogasanlage. Damals waren diese Anlagen der letzte Schrei in der alternativen Energiegewinnung – und das zurecht, wie die Zahlen zeigen: 

1.200 Haushalte mit Strom versorgt

„Unsere Anlage hat eine Leistung von 500 Kilowattstunden, die 365 Tage im Jahr in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden“, schildert Michael Planer, ein Teilhaber der Anlage. 1.200 Haushalte der Marktgemeinde Sierndorf können so mit Strom versorgt werden – eine stattliche Zahl für eine Gemeinde, die 1.765 Haushalte zählt.

„Wenn wir unsere Anlage stilllegen müssten, würde das einen Aufwand von über 82.000 Litern Heizöl bedeuten.“Michael Planer, Landwirt

Doch die Stromerzeugung ist nur ein Teil der Leistungen, die eine Biogasanlage erbringt: „Sie funktioniert wie ein riesiger Kuhmagen“, erklärt Hubert Hochfelsner. Die Landwirte bauen Mais an, der zu Silage verarbeitet wird. Es entsteht Methan, das einen Motor antreibt und so für die Stromerzeugung sorgt.

Die Wärme, die dabei entsteht, wird für die Trocknung von Kürbiskernen verwendet. Außerdem können fünf Haushalte in Oberhautzental mit Nahwärme versorgt werden. Die Biogasgülle ist kein Abfallprodukt, sondern wird als Dünger verwendet. „Eine Biogasanlage ist also ein wahres Multitalent“, ist Planer von dem Konzept überzeugt.

Kleine Ökostromnovelle im Parlament diskutiert

Doch trotz all dieser Argumente hängt der Fortbestand der Anlage am seidenen Faden: Am 28. April wird im Parlament die kleine Ökostromnovelle verhandelt. Mit lediglich fünf Millionen Euro wurde der Topf für die Einspeisförderung ins Stromnetz dotiert. „Von den rund 300 Anlagen, die es in Österreich gibt, können damit nur 20 bis 25 Prozent überleben“, will Bezirksbauernkammer-Obmann Manfred Weinhappel bewusst machen. Auch Anlagen im Bezirk könnten vor dem Aus stehen.

„Hier wird ein ernstes Thema missbraucht, um politisches Kleingeld zu machen“, kritisiert der Funktionär. „Es wird hier darüber entschieden, wie man in den nächsten Generationen aufgestellt ist“, macht Weinhappel den Ernst der Lage bewusst. Die Landwirte aus Sierndorf fühlen sich vor den Kopf gestoßen: „Seit drei Jahren wird darüber diskutiert und wir werden hingehalten. Wir können so nicht vorausplanen.“

Kampagne gestartet

Mit diesem Unmut ist man nicht alleine: Es wurde eine österreichweite Kampagne gestartet, die unter dem Slogan „Wer Ökostrom abdreht, dreht Atomstrom auf!“ läuft. „Denn die Alternative wäre ein Zurück zu fossilen Brennstoffen und Atomstrom“, warnt Weinhappel, ganz zu schweigen von sicheren Jobs, die in Gefahr sind. Viele Bürgermeister – auch aus dem Bezirk – unterstützen die Landwirte mit einer Petition.

Anhand der Gemeinde Sierndorf lässt sich veranschaulichen, wie hoch der Verlust wäre: „Wenn wir unsere Biogasanlage tatsächlich stilllegen müssten, würde das umgerechnet in Heizöl einen Aufwand von mehr als 82.000 Litern bedeuten“, rechnet Planer vor.