Erstellt am 18. Februar 2016, 12:38

von APA/Red

Prozess um Brandstiftung in Rollfährenhaus. Der Vorwurf der Brandstiftung im eigenen Gebäude hat einen 60-Jährigen am Donnerstag in Korneuburg vor einen Schöffensenat gebracht.

 |  NOEN, FF KORNEUBURG
Laut Anklage steckte dahinter das Motiv des versuchten Versicherungsbetruges mit einer angestrebten Schadenssumme von 380.000 Euro. Der Wiener, Alleingesellschafter und Prokurist der Donau-Rollfähre Klosterneuburg - Korneuburg, bekannte sich nicht schuldig.

Im März 2015 standen 66 Feuerwehrleute im Korneuburger Tuttendörfl an der Donau eine Nacht hindurch im Einsatz. Als die ersten Kräfte eintrafen, schlugen bereits Flammen aus dem Dach des Rollfährenhauses. Durch die hölzerne Dachkonstruktion gestalteten sich die Löscharbeiten schwierig, der Strom musste abgeschaltet und die Dachhaut geöffnet werden. Das Gebäude brannte bis auf die Grundmauern nieder. Ermittler des Landeskriminalamtes erkannten: Das Feuer war mithilfe von Brandbeschleunigern gelegt worden.

Mit dem Brand kam die Rollfähre einmal mehr in die lokalen Schlagzeilen und der Mann nun erneut vor den Kadi. Jahre zuvor hatte es nämlich im Zusammenhang mit der GmbH, an der zwei Russinnen die Mehrheitsanteile hielten, Malversationen gegeben, die 2013 zu einem Prozess wegen Untreue gegen ihn und seinen vormaligen Geschäftspartner bzw. Mitarbeiter führten. Dieser hatte bis zu seiner Kündigung und Zwangsdelogierung in dem Haus nahe der Rollfähre gewohnt und sei seitdem mit dem Angeklagten nach Angaben seines Verteidigers "extrem verfeindet".

Haus hatte keinen Wert mehr

Nach den Ausführungen der Staatsanwältin hatte der Angeklagte die Liegenschaft an der Donau (ein Superädifikat) erworben, bis 2013 war das 260 Quadratmeter große, sanierungsbedürftige Gebäude auch Firmensitz. Aufgrund der Lage im Überschwemmungsgebiet gab es jedoch ein Bauverbot, weshalb das Haus für den Angeklagten keinen Wert mehr gehabt habe.

2014 habe er eine Feuerversicherung über mehr als 800.000 Euro abgeschlossen, am 23. März 2015 habe er Benzin und Heizöl in den Räumen verteilt und angezündet. Dann verließ er das Haus, das durch den Brand so massiv beschädigt wurde, dass die Wiedererrichtung 380.000 Euro gekostet hätte. Der Angeklagte leugne die Tat, allerdings hätten die Ermittlungen ergeben, dass das Haus ganz normal aufgesperrt worden war.

Haus war als Mannschaftsquartier gedacht

"Die Anklage ist nicht richtig", sagte der beschuldigte Rollfährenbetreiber, der dazu noch in Wien Zinshäuser besitzt, allerdings 950.000 Euro Schulden hat. Sein Verteidiger konterte auf das von Staatsanwältin Elisabeth Böhm-Gratzl genannte Motiv, der 60-Jährige hätte sich bereichern wollen, dass das Haus nach der Zwangsräumung des Ex-Mitarbeiters als Mannschaftsquartier hätte dienen sollen.

"Die Behauptung, er habe das Haus versichert, um es dann abzufackeln, stimmt einfach nicht", zumal auch Neubauten in dieser Zone gar nicht erlaubt wären, sagte der Anwalt. Außerdem hätte die Versicherung die Summe ja nicht bar ausgezahlt, sondern nach Vorlage der Rechnungen für die Reparatur.

Dass nur sein Mandant einen Hausschlüssel gehabt hätte, sei ebenfalls nicht erwiesen. Es habe sich um ein einfaches, in Baumärkten erhältliches Türschloss gehandelt, das in den vergangenen zehn Jahren - mit den gleichen Schlüsselsätzen - 170.000 Mal verkauft worden sei. Fakt sei, dass der Ex-Partner alle Rechte an der Fähre verloren und seinen vormaligen Freund in der Folge angeschwärzt hätte, wo immer es möglich war, meinte der Verteidiger, der die Causa Rollfähre seit zehn Jahren kennt.

Der Angeklagte führte zunächst lang und breit den Weg des Zerwürfnisses mit seinem früheren Mitarbeiter aus. So lange das Haus noch von seinem einstigen Freund "blockiert" war, nächtigte die Besatzung auf der Rollfähre, wo es aber keine Dusche gebe, sagte der 60-Jährige.

Auch Brandermittler im Zeugenstand

Am Sonntag vor dem Brand, der in der Nacht auf einen Montag gegen 2.00 Uhr ausbrach, sei er etwa 20 Minuten im Haus gewesen, wo die Betten und Möbel für den Einzug der Besatzung zum Start der Sommersaison hinkommen sollten. Tags darauf sei er über das Feuer informiert worden.

Nach Feuerwehrleuten und Versicherungsagenten trat ein Brandermittler in den Zeugenstand. Er gab u.a. Auskunft über eine elektrische Kochplatte, die angesteckt und aufgedreht gewesen war - keiner der Beteiligten habe sich an das Gerät erinnern können. Das Handy des Angeklagten sei zum Zeitpunkt des Brandausbruchs nicht in Korneuburg eingeloggt gewesen.

Am Nachmittag sollten weitere Zeugen gehört werden. Ob es zu einem Urteil kommt, war zu Mittag noch nicht klar.

Urteil: Freispruch

Mit einem Freispruch im Zweifel hat am Donnerstag in Korneuburg ein Prozess um Brandstiftung geendet. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Alleingesellschafter der Donau-Rollfähre Klosterneuburg - Korneuburg vorgeworfen, am 23. März 2015 im Rollfährenhaus im Tuttendörfl Feuer gelegt zu haben, um von der Versicherung 380.000 Euro zu kassieren. Der 60-Jährige hatte sich nicht schuldig bekannt.

Laut der Urteilsbegründung von Richterin Xenia Krapfenbauer fanden sich keine Sachbeweise - keine DNA-Spuren, keine Fingerabdrücke in dem Gebäude, in das am Tag nach dem Brand rechtzeitig zum Saisonstart die Rollfähren-Crew hätte einziehen sollen. "Die Suppe ist zu dünn", hatte Verteidiger Herwig Ernst in seinem Schlussplädoyer festgestellt. Die Entscheidung des Schöffensenats ist nicht rechtskräftig, weil Staatsanwältin Elisabeth Böhm-Gratzl keine Erklärung abgab.

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