Erstellt am 26. Februar 2016, 11:58

von APA Red

Prozess um gefälschtes Viagra: Zwei Schuldsprüche. Wegen ihres Beitrags zum Vertrieb von gefälschtem Viagra und anderen Potenzmitteln an rund 101.000 Kunden haben sich ein serbischer und ein israelischer Staatsangehöriger am Freitag in Korneuburg vor Gericht verantworten müssen.

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Das Duo wurde wegen Vergehen nach dem Arzneimittelgesetz zu acht Monaten bedingt verurteilt, vom schweren Betrug aber im Zweifel freigesprochen.

Rund 8,4 Millionen Euro Gesamtschaden

Die beiden gehörten laut Anklage einer international agierenden Tätergruppe an, die im September 2014 aufgeflogen war. Der Gesamtschaden betrug rund 8,4 Millionen Euro. In Wien wurden im Vorjahr bereits sechs Personen wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs rechtskräftig zu drei bis fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Wie Julia Koffler-Pock von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ausführte, hatte das Bundeskriminalamt in der Causa ermittelt.

Auf 50 verschiedenen Internetseiten wurde vorgegeben, Online-Apotheken zu betreiben, über die angeblich originale Qualitätsprodukte, nämlich Viagra von Pfizer sowie Cialis von Lilly sowie Levitra von Bayer, zu bestellen waren. Arzneimittel und Verpackungen sahen täuschend echt aus, kamen aber tatsächlich aus einer asiatischen Fälscherwerkstatt.

Serbe: Gesprochen habe man kaum miteinander

Die Haupttäter nutzten die Bekanntschaft zu dem israelischen, in Wien lebenden Geschäftsmann (50), um die Ware über seine Handelsgesellschaft zu organisieren. Der in dem Unternehmen mit Speditionslager in Schwechat beschäftigte, in Korneuburg erstangeklagte Serbe (62) übergab die Kartons an einen der Haupttäter, der "Viagra" & Co verkaufte und versandte.

Dieser, aus der Haft vorgeführt, sagte als Zeuge aus, dass er die Kartons eineinhalb Jahre hindurch mit einem Fahrzeug etwa einmal im Monat von Schwechat abgeholt hatte, bis er in eine Verkehrskontrolle geriet. Übergabeort war ein Parkplatz. Gesprochen habe man kaum miteinander, verwies er auf sprachliche Verständigungsschwierigkeiten.

Der Prozess dauerte nicht lange - die Angeklagten bekannten sich nur des Vergehens nach dem Arzneimittelgesetz schuldig, verweigerten aber ansonsten die Aussage. Nach den Worten ihres Verteidigers Sebastian Lesigang wussten sie nichts über den weiteren Vertrieb.

In der Urteilsbegründung verwies Richterin Lydia Rada auf das Teilgeständnis und die bisherige Unbescholtenheit der Beschuldigten. Für Betrug habe es keine Beweise gegeben. Die Angeklagten verzichteten auf Rechtsmittel, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Damit ist die Entscheidung des Schöffensenats nicht rechtskräftig.