Erstellt am 19. November 2015, 05:03

von Markus Glück

Richentzky: „Menschen waren einfach Flüchtlinge“. Alt-SP-Bürgermeister Leopold Richentzky spricht mit der NÖN über die Erfahrungen mit Flüchtlingen in der Jugoslawien-Krise. Die derzeitige Flüchtlingskrise ist nicht die erste, die für die Lenaustadt eine Herausforderung darstellt.

Leopold Richentzky meisterte mit der Bevölkerung die Flüchtlingskrise 1995.  |  NOEN, Archiv

Bereits im Jahr 1992 beheimatet die Stadt aufgrund der Jugoslawien-Krise 160 Flüchtlinge.

Die Informationspolitik in den 1990er-Jahren war ähnlich chaotisch wie aktuell. „An einem Wochenende hat mich jemand aus dem Innenministerium angerufen und mir erklärt, dass in etwa zwei Stunden drei Autobusse mit Flüchtlinge in die Stadt kommen“, erinnert sich der damalige SP-Bürgermeister Leopold Richentzky.

Die Flüchtlinge wurden in der Prinz-Eugen-Kaserne untergebracht, innerhalb weniger Stunden organisierte Richentzky lebensnotwendige Dinge. „Zum Glück arbeitete man Schwager als KGM-Marktleiter in Stockerau“, berichtet Richentzky, dass kurzerhand der Markt aufgesperrt wurde, um Windeln und Lebensmittel für die Notsuchenden einzukaufen. Mit Decken wurden in der Folge eigene Sektoren und Übernachtungsmöglichkeiten in der Kaserne geschaffen.

Flüchtlinge halfen bei Stadtgemeinde

Um die Flüchtlinge zu integrierenund ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihr eigenes Geld zu verdienen, wurden diese in der Folge für kleine Tätigkeiten in der Gemeinde eingesetzt.

50 Prozent des Gehalts gehörte den Arbeitenden, der Rest wurde für ältere Flüchtlinge einbehalten, damit auch diese Geld zum Leben hatten. Eine Idee, die ihm später eine Anzeige einbrachten. „Das habe ich aber ausgehalten“, bekräftigt der Alt-Stadtchef, der auch stolz auf seine Stockerauer ist: „Wir haben zusammengehalten.“

In der aktuellen Debatten sieht der ehemalige Stadtchef nicht nur in der Größenordnung Unterschiede: „Die Diskussion gegenüber Ausländern hat sich in den letzten Jahren stark verändert, auch in Stockerau.“ So war es laut Richentzky auch kein Thema, ob die Flüchtlinge Moslems waren oder nicht: „Die Menschen waren einfach Flüchtlinge.“