Erstellt am 27. Januar 2016, 05:03

von Veronika Löwenstein, Markus Glück, Michaela Höberth und Bernhard U. Wieser

S-Bahn: Zwei Gemeinden im Stich gelassen?. Der Viertelstunden-Takt wurde ausgeschrieben. Spillern und Leobendorf fehlen als Haltestellen allerdings bei der Taktverdichtung.

Die Taktverdichtung wurde zwar ausgeschrieben, die Umsetzung ist aber laut VOR unwahrscheinlich, vor allem bis Stockerau.  |  NOEN, Apa

In den Gemeinden entlang der S-Bahn-Linie keimt die Hoffnung auf, dass der Viertelstunden-Takt mit dem Fahrplan 2016/ 2017 Wirklichkeit werden könnte. 

Immerhin hat der VOR (Verkehrsverbund Ost-Region) das Projekt bereits öffentlich ausgeschrieben. Bemerkenswert dabei: Die Verdichtung des Schnellbahnangebots ist laut Ausschreibung bis Stockerau vorgesehen. Auf NÖN-Anfrage steigt VOR-Pressesprecher Georg Huemer aber auf die Erwartungsbremse: „Eine rein präventive Maßnahme.“

„Die Taktverdichtung bis Stockerau
wurde nur zur Sicherheit ausgeschrieben,
falls jemand die Gelddruckmaschine anwirft.“
Georg Huemer, VOR-Sprecher

Seit dem Vorjahr drängen die Gemeinden verstärkt auf eine Umsetzung des 15-Minuten-Intervalls. Derzeit verkehren die S-Bahn-Züge zwischen Stockerau und Wien alle 30 Minuten. In der Ausschreibung ist von 22 bis 26 zusätzlichen Zugpaaren an Werktagen die Rede. Konkret heißt das, dass zwischen Wien-Jedlersdorf und Stockerau während der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 9 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr jeweils zwei Züge mehr pro Stunde verkehren würden. Bis Korneuburg sollen künftig den ganzen Tag bis 20 Uhr alle 15 Minuten Züge fahren. Soweit die Theorie.

In der Praxis hakt die Umsetzung aber an der Finanzierung, wie Huemer ausführt. Die Ausschreibung sei vor dem Hintergrund zu sehen, dass Ankündigungen für Mehrleistungen mindestens ein Jahr vor Inkrafttreten publik gemacht werden müssen. „Unabhängig davon, ob sie dann passieren oder nicht.“ Gespräche seien im Laufen, eine endgültige Entscheidung erwartet er sich aber nicht vor Herbst.

"Bemühen uns um Termin bei der ÖBB"

Für besonderes Interesse hat die Publikmachung in Spillern und Leobendorf gesorgt. Die beiden Gemeinden sind nämlich im Falle einer Taktverdichtung nicht als Haltestellen vorgesehen, zumindest nicht in der Ausschreibung. Letzte Woche gab es ein Gespräch zwischen den Bürgermeistern der beiden Gemeinden.

„Wir bemühen uns um einen Termin bei der ÖBB, um unsere Kritik darzulegen. Wir bündeln die Kräfte, denn wir können das so nicht hinnehmen. Es darf nicht sein, dass wir so vernachlässigt werden“, will Spillerns SP-Bürgermeister Thomas Speigner gemeinsam mit seiner Amtskollegin tätig werden. „Mir ist klar, dass es nur eine Ausschreibung ist. Aber wir handeln lieber früher als später und wollen hier Klarheit haben“, betont VP-Ortschefin Magdalena Batoha aus Leobendorf. Handeln heißt:

Es ist ein Schreiben an die Verantwortlichen ergangen. „Wenn wir bei der Umstellung auf die 15-Minuten-Taktung tatsächlich übergangen werden, wäre das für Leobendorf ein Wahnsinn. Es wurden bereits wichtige Pendlerzüge gestrichen, weshalb viele auf Korneuburg ausweichen. Wenn die Züge zur Viertelstunde nun auch nicht mehr bei uns halten, bleibt unser Parkplatz halb leer“, fürchtet Batoha. Vor allem in Hinsicht auf die Umgestaltung der Bahnhöfe in Spillern und Leobendorf will man nicht klein beigeben.

Beide Städte hoffen auf neues Intervall

In den beiden Städten hofft man jedenfalls fest auf das 15- Minuten-Intervall. „Das wäre eine Aufwertung sowohl für die Pendler als auch für die ganze Stadt“, so Christian Gepp, VP-Stadtchef in Korneuburg.

„Nur bis Korneuburg ist der Takt zu wenig, wir brauchen ihn auch für unsere Stadt“, fordert der Stockerauer SP-Bürgermeister Helmut Laab. Er betont auch, dass man bei einer Ausweitung ein Gesamtkonzept erarbeiten müsste, denn bereits jetzt ist Stockerau für viele Pendler Anknüpfungspunkt und die P+R-Anlage oft heillos überfüllt.

Dass die S-Bahn ab Dezember alle Viertelstunden nach Stockerau fährt, glaubt Huemer aber nicht. „Das wurde nur zur Sicherheit ausgeschrieben, falls jemand die Gelddruckmaschine anwirft.“ Generell dämpft er die Hoffnungen: „Ich halte die Taktverdichtung für unwahrscheinlich, ich wüsste nicht, wer das finanzieren sollte.“ Sollte es aber soweit kommen, dann würden die Züge auch in Leobendorf und Spillern halten, ist er überzeugt, „alles andere wäre unlogisch“.