Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:02

von Veronika Löwenstein

Eigene Klassen für die Flüchtlingskinder. Die schulpflichtigen Asylwerber aus der SDV-Schule werden doch nicht vor Ort unterricht - aus pädagogischen Gründen.

Demnächst wird in der Musik-Mittelschule eine eigene Klasse für 23 Flüchtlingskinder eröffnet.  |  NOEN, Shutterstock/wavebreakmedia

Die ehemalige SDV-Schule bietet derzeit 100 jugendlichen Asylwerbern im Alter von 14 bis 16 Jahren Platz. Momentan werden sie noch an Ort und Stelle unterrichtet, aber das soll sich bald ändern. In ein bis zwei Wochen werden die Jugendlichen in die Neuen Mittelschulen übersiedeln.

Der ursprüngliche Plan, die schulpflichtigen Kinder rund ein halbes Jahr in ihrem Quartier zu lehren, wurde wieder verworfen. „Die Pflichtschulinspektorin war der Meinung, dass es aus pädagogischen Gründen besser ist, die Kinder so bald wie möglich im Schulhaus zu unterrichten“, erklärt VP-Vizebürgermeisterin Helene Fuchs-Moser. Auch für die Lehrer sei es - zum Beispiel beim Unterrichtsmaterial - einfacher, sich innerhalb des Schulhauses zu bewegen.

„Die Flüchtlingskinder sollen ehestmöglich 
Deutsch lernen, aber auch mit unseren 
Gepflogenheiten und Werten vertraut 
gemacht werden.“
Franz Grafenauer, Direktor
der Musik-Mittelschule

Um den regulären Unterricht nicht zu beeinträchtigen, werden in den beiden Neuen Mittelschulen eigene Klassen nur mit Asylwerbern eingerichtet. „Das ist absolut sinnvoll, weil es so viele sind“, urteilt Fuchs-Moser, die selbst Pädagogin ist. Den Anfang machen 23 Flüchtlingskinder, die in der Musik-Mittelschule eine eigene Klasse besuchen werden.

„Wir haben einen eigenen Raum und es werden extra Lehrer abgestellt“, betont Direktor Franz Grafenauer, dass das bisherige Bildungsangebot davon nicht tangiert wird. In erster Linie sollen die neuen Schüler die deutsche Sprache lernen. „Sie werden aber auch mit unseren Gepflogenheiten und Werten vertraut gemacht“, ergänzt er. Grafenauer erwartet sich eine Herausforderung, aber auch eine „persönlichkeitsbildende, soziale und kulturelle Bereicherung“.

Paul Grafenauer, Direktor der Sport-Kreativ-Mittelschule, rechnet ebenfalls mit einer eigenen Klasse aus Asylwerbern. Ziel müsse es sein, die Schüler so rasch wie möglich in den Gesamtschulbetrieb zu integrieren, „wir wollen ja keine Ghettoklassen“.

Die Jugendlichen, die seit Monaten im Landesjugendheim leben, besuchen schon jetzt die Neuen Mittelschulen, allerdings im Rahmen normaler Klassen. Auch die AHS Korneuburg hat seit zwei Wochen einen syrischen Flüchtling als außerordentlichen Schüler. „Wir haben auch Anfragen zweier Burschen aus Afghanistan und eines Mädchens aus dem Irak“, so AHS-Direktor Hartwin Eichberger, „die Anfragen häufen sich jetzt.“