Erstellt am 24. November 2015, 12:22

von APA/Red

Serienbankräuber bekannte sich schuldig. Wegen schweren Raubes ist einem 37-jährigen Wiener am Dienstag in Korneuburg der Prozess gemacht worden.

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Der gelernte Elektriker zeigte sich vollinhaltlich geständig, von 2008 bis August 2015 maskiert und bewaffnet neun Bankfilialen in Niederösterreich überfallen zu haben. Dabei erbeutete er laut Staatsanwältin Gudrun Bischof insgesamt an die 400.000 Euro.

Mit dem Geld finanzierte der arbeitslose Mann, der auch Schulden hatte, Casinobesuche, bestritt seinen Lebensunterhalt und gönnte sich ausgedehnte Reisen. Als Waffen, mit denen er seine Opfer bedrohte, um seinen Geldforderungen Nachdruck zu verleihen, verwendete er mehrmals eine täuschend echt aussehende Softgun, dann Pfefferspray, Schlagstock, Schraubenzieher und Messer. Einer Angestellten hielt er den Mund zu, andere mussten sich auf den Boden legen, bevor er flüchtete.

Traumatische Situation für Angestellte

Verletzt wurde bei sämtlichen Coups niemand, Richter Helmut Neumar verwies aber auf die für die Bankangestellten traumatischen Situationen. So schilderte eine Filialleiterin, die diese angstvollen Minuten in Seyring seit 2008 gleich drei Mal durchmachen musste, dass es ihr "nicht so gut" gehe und sie auch heute noch in Betreuung sei. Zwei Mal überfallen wurden ein Bankangestellter in Weikendorf und eine Mitarbeiterin in Schrick.

Dass er Geldinstitute mehrmals aufgesucht hatte, begründete der Angeklagte damit, dass er sich "schon ausgekannt" habe. Er habe aber nie vorgehabt, irgendwen zu verletzten, beteuerte er. "Angereist" war er zu Beginn mit seinem Auto, dann mit dem Kleinwagen seiner verstorbenen Mutter.

Vier Jahre Pause

Nach drei Taten 2008 war vier Jahre "Pause". Er arbeitete wieder in verschiedenen Jobs und ließ es sich gut gehen. "Ihre Offenheit und Ehrlichkeit ist Ihnen zu Gute zu halten. Aber warum haben Sie wieder damit begonnen, wenn Sie eh einen Job hatten?", wollte der Richter ergründen und meinte, andere Täter würden aus Verzweiflung über finanzielle Not agieren, der Angeklagte aber habe das Geld einfach verjuxt. Seine Überfälle seien "eher spontan" gewesen, "auf den letzten Drücker", sagte der Wiener, der unmittelbar nach dem letzten Coup in Seyring gefasst worden war und gegenüber den Kriminalisten eine "Lebensbeichte" ablegte.

Aufgrund der geständigen Verantwortung des Beschuldigten verzichtete das Gericht auf eine Reihe weiterer Zeugen, um den Opfern die Konfrontation mit dem Erlebten zu ersparen. Ein Urteil war am frühen Nachmittag zu erwarten.