Erstellt am 06. Juli 2016, 05:07

von Markus Glück

„System ist ein Quatsch“. Grüne fordern Nachbesserungen bei VOR-Umstellung, die mit 6. Juli in Kraft treten wird.

Neben den Grünen kritisieren auch der Verkehrsclub Österreich und die Arbeiterkammer das neue VOR-Tarifsystem.  |  NOEN, Weingartner

Mit 6. Juli sind die Tarif-Zonen beim Verkehrsverbund-Ostregion (VOR) Geschichte, ab diesem Zeitpunkt gilt ein neues Tarifsystem, welches bei vielen Pendlern im Bezirk aufgrund von Preiserhöhungen bereits jetzt auf Unmut stößt. So zahlen etwa Monatskarten-Besitzer für die Strecke von Leobendorf nach Wien-Floridsdorf (inklusive Kernzone Wien) anstelle von bisher 41,50 Euro künftig 106,20 Euro.

Kritik gibt es aber nicht nur von den Pendlern, sondern auch von Politik, Arbeiterkammer und Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Beim VCÖ sieht man etwa dringenden Nachbesserungsbedarf, um zu starke Erhöhungen abzufedern. „Schon bei der Bekanntgabe der Tarifreform haben wir darauf hingewiesen, dass Reformen nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer haben“, stellt VCP-Experte Markus Gansterer fest.

„Wir fordern eine Evaluierung des Tarifsystems, welches massive Auswirkungen auf die Pendler hat.“

Elisabeth Kerschbaum, Stadträtin (Grüne)

Vor allem für Strecken, wo es zu empfindlichen Erhöhungen kommt, braucht es für den Experten dringende Veränderungen. Gansterer: „Ziel der Tarifreform muss sein, neue Kunden zu gewinnen und nicht bestehende Fahrgäste zu verärgern.“

Nicht hinnehmen wollen die Tarifreform auch die Grünen im Bezirk Korneuburg. In der Bezirkshauptstadt wurde im Rahmen der letzten Gemeinderatssitzung von Grünen-Stadträtin Elisabeth Kerschbaum ein Dringlichkeitsantrag zur Thematik eingebracht. „Die Auswirkungen für die Pendler sind durch die massive Teuerung enorm“, kritisiert auch Grünen-Gemeinderäte Constanze Frech. Und ihre Parteikollegin Kerschbaum bringt es auf den Punkt: „Das neue System ist ein fürchterlicher Quatsch.“

Massive Verschlechterungen?

Die Grünen kritisieren, dass sich durch den Wegfall der Überlappungszonen insbesondere für Gemeinden im Nahbereich von Wien massive Verschlechterungen ergeben. Um eine Verbesserung zu erreichen, fordern sie die Evaluierung des Tarifsystems vor allem für jene Strecken, die durch die Reform um zumindest 20 Prozent verteuert werden. „Durch den Wegfall der Streifenkarte wird es zu enormen Warteschlangen bei den Ticketautomaten kommen“, fordert Kerschbaum einen Ausbau der Infrastruktur.

Im Korneuburger Gemeinderat verwies VP-Bürgermeister Christian Gepp den Antrag in den zuständigen Ausschuss. „Ich werde mit den Kollegen in der Kleinregion und den zuständigen Landespolitikern sprechen, um eine Lösung zu finden“, verspricht Gepp.

Beim VOR betont man, dass die Tarifreform ein Riesenschritt zu mehr Kundenfreundlichkeit sei. VOR-Pressesprecher Georg Huemer stellt klar: „Wir nehmen aber auch die Kritik sehr ernst und wissen, dass es für manche Pendler, etwa aus Leobendorf, teurer wird.“ Huemer verspricht aber, den intensiven Kontakt mit den betroffenen Gemeinden zu suchen. „Früher hat man durch die Überlappungen profitiert, wir bedauern sehr, dass es zu Erhöhungen kommt.“ Wer besonders stark betroffen ist, für den hat der VOR eine Lösung präsentiert: Wer bei der Jahreskarte eine Verteuerung von mehr als 120 Euro hat, bekommt beim Kauf einer neuen eine Gutschrift.