Erstellt am 27. April 2016, 05:04

von Veronika Löwenstein

Toter 14 Tage unentdeckt: Haus total vermüllt. Jener Mann, der erst nach zwei Wochen tot in seinem Haus entdeckt worden war, litt offensichtlich am Messie-Syndrom.

Den Einsatzkräften, die den 57-jährigen Korneuburger tot in der Wohnung fanden, bot sich ein Bild des Grauens  |  NOEN, privat

Vor zwei Wochen wurde der Fall eines 57-jährigen Mannes bekannt, der vermutlich 14 Tage tot in seinem Haus gelegen war. 

Mann dürfte durch Sturz gestorben sein

Da er keine Verwandten hatte und keinen Kontakt zu den Nachbarn pflegte, blieb der Tote so lange unentdeckt. Tragisch ist nicht nur der Todesfall – der Mann durfte durch einen Sturz gestorben sein –, sondern auch die Lebensumstände. Ganz offensichtlich litt der 57-jährige Korneuburger unter dem Messie-Syndrom. Die Zimmer, in denen er sich aufhielt, waren komplett vermüllt.

„Es gibt dafür keine medizinische Bezeichnung“, klärt Stadtarzt Ewald Prießnitz auf, „pauschal kann man es unter Persönlichkeitsstörung zusammenfassen.“ Von außen, auch aufgrund der Kleidung, würde man diesen Menschen nichts anmerken. „Es ist ein Verdrängungssyndrom, diese Menschen treten nach außen anders auf, als ihr Innenleben aussieht.“

Im Laufe seiner Arztkarriere sind Prießnitz immer wieder Messie-Fälle untergekommen. Ein Korneuburger, der ebenfalls tot entdeckt worden war, hatte bis zum Plafond Zeitungen gesammelt, erinnert er sich. „Dazwischen gab es nur einen 70 Zentimeter breiten Gang.“ Eine alte Dame, die ihren Mann pflegte, hatte sämtliche benutzte Windeln in ihrer Gemeindewohnung aufbewahrt. „Sie wurden steinhart. Die Gemeinde musste mehrere Lkw-Ladungen ausräumen“, weiß er noch.

"Probleme können durch Trauma auftreten"

Er selbst wurde einmal als Vermieter mit dem Phänomen konfrontiert. Er quartierte eine arme Familie aus Bisamberg in seine Korneuburger Wohnung ein, bis ein Brief von der Gemeinde eintrudelte, dass die Wohnung wegen Gefahr in Verzug geräumt werden müsste. Als Prießnitz einen Blick in die Wohnung werfen wollte, war das nicht möglich, weil sich der Müll bis zur Decke türmte. Vier Lkw-Ladungen Mist musste er auf seine Kosten entfernen.

Das Messie-Syndrom sei keine Frage von arm oder reich, betont der Arzt, „es sind psychische Probleme, die durch ein Trauma auftreten können.“ Oft sind die Menschen alleinstehende und haben wenig Kontakte.